Ausland

Medizin-Nobel­preisträger scheidet per Sterbehilfe aus dem Leben

Montag, 6. Mai 2013

Brüssel – Der belgische Medizin-Nobelpreisträger Christian de Duve ist am Samstag freiwillig per Sterbehilfe aus dem Leben geschieden. Zuvor vertraute der 95-Jährige der Brüsseler Zeitung Le Soir seine Gedanken über den Tod an, die den Fall heute öffentlich machte. „Ich habe vor dem danach keine Angst, denn ich bin nicht gläubig“, sagte de Duve in dem bereits Anfang April geführten Gespräch mit der Zeitung. „Ich werde verschwinden, es wird nichts bleiben."

Laut Le Soir war de Duve schwerkrank und hatte sich deshalb für Sterbehilfe entschieden. Er wollte nur noch die Ankunft seines Sohnes aus den USA abwarten, um im Kreise seiner Familie aus dem Leben zu scheiden. Seine Tochter Françoise sagte dem Blatt, ihr Vater sei sehr gelassen gewesen: „Er sagte uns Adieu und lächelte uns zu, dann ging er von uns“. In Belgien ist die aktive Sterbehilfe seit 2012 unter einer Reihe von Bedingungen zugelassen.  

Anzeige

De Duve wurde 1917 in Großbritannien als Sohn einer belgischen Adelsfamilie geboren. Er studierte Medizin und Chemie und beschäftigte sich insbesondere mit Zellbiologie. 1974 erhielt er mit zwei weiteren Forschern den Nobelpreis.

Belgiens Ministerpräsident Elio Di Rupo würdigte de Duve heute als Wissenschaftler von außergewöhnlichem Format. Zuvor hatte de Duve im Gespräch mit „Le Soir" kritisiert, dass die Politik die Wissenschaft zu wenig beachte. Di Rupio, selbst Doktor der Chemie, „hat mich nie um meine Meinung gefragt", sagte er.

© afp/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Gromer
am Montag, 6. Mai 2013, 21:10

De Duve

Die Nachricht von De Duves Tod macht mich traurig. Sein wundervolles, didaktisch exzellentes Buch "Die Zelle" (heute leider nur noch im Antiquariat erhältlich), in dem er eine Reise als Cytonaut durch die Zellorganellen beschreibt, war ein treuer Begleiter im Studium und danach. Ich durfte in einmal in Heidelberg live bei einem Vortrag erleben. Ein außergewöhnlicher Mensch ...
4.052 News Ausland

Nachrichten zum Thema

25.05.16
Mehrheit der Australier für Legalisierung der Sterbehilfe
Sydney – Eine große Mehrheit der Australier befürwortet eine Legalisierung der Sterbehilfe. 75 Prozent der Befragten stimmten laut der am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Senders ABC der Aussage......
27.04.16
Amsterdam – In den Niederlanden haben im vergangenen Jahr mehr Demenz-Patienten aktive Sterbehilfe in Anspruch genommen. Unter den 5.516 Menschen, die 2015 aktive Sterbehilfe erhielten, seien 109......
04.04.16
Brüssel – Der ehemalige belgische Außenminister Steven Vanackere hat eine öffentliche Debatte über Sterbehilfe gefordert. Das Gesetz zur aktiven Sterbehilfe in Belgien sei "fehlerhaft", sagte......
11.02.16
Niederlande: Sterbehilfe aus psychiatrischen Gründen
Bethesda – In den Niederlanden ist die Sterbehilfe auch bei organisch gesunden Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen erlaubt. Bioethiker aus den USA äußern nach einer Auswertung von Fallberichten......
08.01.16
Karlsruhe – Das seit Dezember geltende Verbot der geschäftsmäßigen Beihilfe zur Selbsttötung bleibt weiterhin in Kraft. Das Bundesverfassungsgericht hat den Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen......
15.12.15
Hamburg – Roger Kusch, seit 2008 Mitbegründer und Vorsitzender eines Sterbehilfe-Vereins in Hamburg, muss sich vorerst nicht wegen Totschlags vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Die Richter......
10.12.15
Brüssel – Der belgische Psychologe Joris Vandenberghe hat höhere medizinische Anforderungen für die Sterbehilfe bei psychisch Kranken gefordert. Mindestens drei Ärzte und ein Psychologe sollten anhand......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige