Medizin

AMD: Studie klärt Wert von Nahrungs­ergänzungsmitteln

Montag, 6. Mai 2013

Bethesda – Seit den guten Erfahrungen in der Age-Related Eye Disease Study (AREDS) wird Patienten mit altersbedingter Makuladegeneration (AMD) im intermediären oder fortgeschrittenen Stadium zur Einnahme von hochdosierten antioxidativen Vitaminen und Mineralstoffen geraten. Der Versuch, die AREDS-Formulierung zu verbessern ist jetzt in einer Anschlussstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2013; doi: 10.1001/jama.2013.4997) jedoch gescheitert.

Die US-amerikanische ARED-Studie hatte vor zwölf Jahren gezeigt, dass die tägliche Einnahme von Antioxidantien (500 mg Vitamin C; 400 IU Vitamin E; 15 mg Beta-Carotin) plus 80 mg Zinkoxid und 2 mg Kupferoxid das Fortschreiten der AMD verzögern kann (Archives of Ophthalmology 2001; 119: 1417–1436). Die AREDS-Formulierung gilt seither – auch in Deutschland – als sinnvolle Therapieergänzung. Schon bald gab es aber Verbesserungsvorschläge. Experten rieten, die AREDS-Formulierung um Lutein (10 mg) und Zeaxanthin (2 mg) zu erweitern.

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Die beiden Carotinoide sind Bestandteil des Makulapigments. Sie verleihen dem Ort des schärfsten Sehens auf der Retina seine leicht gelbliche Färbung. Dafür sollte Beta-Carotin aus der AREDS-Formulierung entfernt werden, da es in zwei anderen Studien die Rate von Lungenkrebserkrankungen erhöht hatte. Omega-Fettsäuren dagegen wurden als günstig eingestuft, da sie in größerer Konzentration in der Retina enthalten sind. Empfohlen wurden die beiden Omega-Fettsäuren DHA (350 mg) und EPA (650 mg). Ein weiterer Vorschlag betraf die Reduzierung des Zink-Gehalts auf 15 mg, da das Mineral nicht wenigen Menschen auf den Magen schlägt.

Alle genannten Vorschläge wurden in der AREDS2-Studie an einer Gruppe von 1.608 Teilnehmern im Alter zwischen 50 und 85 Jahren und einem hohen Progressionsrisiko der AMD untersucht. Die Patienten wurden einmal auf Placebo (sprich: AREDS) und den Zusatz von Lutein plus Zeaxanthin, DHA plus EPA oder beide Komponenten randomisiert. Daneben wurden sie auf die originale AREDS-Dosierung oder den Verzicht auf Beta-Carotin, auf niedrige Zinkdosierung oder beide Varianten randomisiert.

Alle Strategien – sowohl die Ergänzungen um weitere Vitamine als auch die Dosisminderung der als ungünstig eingestuften Komponenten – hatte einen signifikanten Einfluss auf den primären Endpunkt der Studie, das Fortschreiten zum AMD, wie Emily Chew vom National Eye Institute in Bethesda (Maryland) berichtet. Dies bedeutet unter anderem, dass die Zinkdosis (nicht nur) bei den Patienten mit einer Unverträglichkeit gesenkt werden kann. Ebenso sollten zumindest Raucher auf Beta-Carotin verzichten, denn auch in der AREDS2-Studie kam es zu einem Anstieg der Lungenkrebsrate unter ehemaligen Rauchern (Aktive Raucher erhielten aus ethischen Gründen in der Studie kein Beta-Carotin).

Chew und Mitarbeiter empfehlen Rauchern aber, Beta-Carotin durch die beiden anderen Carotinoide Lutein plus Zeaxanthin zu ersetzen (wofür die Forscherin Argumente in einer Sekundäranalyse der jetzigen Daten findet, die ihrer Ansicht nach aber in weiteren Studien untersucht werden sollten). Für den Einsatz der beiden Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA gibt es dagegen keinen Grund mehr.

In einer weiteren Publikation in JAMA Ophthalmology (2013; doi: 10.1001/jamaophthalmol.2013) wurde der Einfluss verschiedener AREDS-Formulierungen auf die Entwicklung einer Katarakt untersucht. Chew musste feststellen, dass keine der AREDS2-Formulierungen das Risiko senkt. Auch in der originalen AREDS-Studie war kein günstiger Einfluss auf die Linsentrübung gefunden worden.

In einer dritten Publikation in Ophthalmology )2013; doi: 10.1016/j.ophtha.2013.01.021) kann Chew zeigen, dass die ursprüngliche AREDS-Formulierung auch nach zehn Jahren ihre protektive Wirkung nicht verliert, was die heutige Empfehlung unterstreicht. © rme/aerzteblatt.de

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