7.839 News Medizin

Medizin

Häusliche Gewalt weltweit zunehmend geächtet

Dienstag, 7. Mai 2013

Washington, DC – Die weltweite Einstellung zu häuslicher Gewalt hat sich in der letzten Dekade durchgreifend geändert. Das berichtet Rachael Pierotti vom Institute für Social Research Populatation Studies Center der University of Michigan in der Zeitschrift American Sociological Review (doi: 10.1177/0003122413480363).

In 23 von 26 Ländern wehren sich Frauen zunehmend gegen häusliche Gewalt. In den Ländern, für die die Wissenschaftler Daten für Männer gewinnen konnten, zeigte sich die gleiche Tendenz. Insbesondere solche Frauen, die in der Stadt leben, eine höhere Schulbildung haben und Medien nutzen, akzeptieren keine Gewalt in der Partnerschaft. „Der nahezu einheitliche Trend und die Geschwindigkeit der Entwicklung legen nahe, dass die weltweite Verbreitung von Ideen im Rahmen der Globalisierung („global cultural diffusion“) eine wichtige Rolle gespielt hat“, meinen die Wissenschaftler.

Anzeige

Pierotti analysierte Daten aus den Demographic and Health Surveys der United States Agency for International Development von Hunderttausenden Menschen in 26 Niedrig­einkommensländern und Mitteleinkommensländern. Die Hälfte der untersuchten Länder liegt in Afrika südlich der Sahara. Die Untersuchungsfragen variierten von Land zu Land etwas, aber die häufigste Frageform war folgende: „Manchmal ist ein Ehemann verärgert oder aufgebracht über Dinge, die seine Frau tut. Ist das Schlagen einer Frau durch ihren Mann gerechtfertigt,

  1. wenn sie ausgeht, ohne ihm Bescheid zu sagen?
  2. wenn sie die Kinder vernachlässigt?
  3. wenn sie mit ihm streitet?
  4. wenn sie ihn sexuell zurückweist?
  5. wenn sie das Essen anbrennen lässt?“

In 23 von 26 Ländern sprachen sich verheiratete und unverheiratete Frauen gegen häusliche Gewalt im Jahr 2008 mit einer höheren Wahrscheinlichkeit aus als noch 2003. In allen Alters­gruppen änderte sich die Haltung bezüglich häuslicher Gewalt in diesem Zeitraum signifikant. Frauen, die in der Stadt leben und eine bessere Schulbildung haben, lehnten Gewalt in der Partnerschaft häufiger ab als Bewohnerinnen ländlicher Gegenden mit schlechterer Ausbildung.

In vielen Ländern spielte auch der Zugang zu Zeitungen, Radio und Fernsehen eine positive Rolle. Insgesamt fand Pierotti, dass die Befragten am ehesten Gewalt gerecht­fertigt fanden, wenn eine Frau die Kinder vernachlässigte, und am wenigsten gerechtfertigt, wenn Frauen das Essen anbrennen ließen.

Daten zur männlichen Einstellung konnten die Forscher in 15 Ländern erheben. In elf davon lehnten Männer Gewalt deutlicher ab als Frauen, so in Benin, Äthiopien, Ghana, Indonesien, Madagaskar, Malawi, Nigeria, Ruanda, Tansania, Uganda und Sambia.

In Nigeria zeigte sich die deutlichste Entwicklung: 65 Prozent der Männer und 52 Prozent der Frauen lehnten 2008 Gewalt in der Partnerschaft ab im Vergleich zu 48 Prozent und 33 Prozent in 2003. In zwei der 26 untersuchten Länder ging die Entwicklung allerdings in die gegenteilige Richtung: In Madagaskar und Indonesien fanden sich 2008 mehr weibliche und männliche Befürworter von häuslicher Gewalt als 2003. © hil/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
7.839 News Medizin

Nachrichten zum Thema

30.04.13
Sexueller Missbrauch: Familienministerin kündigt Hilfsfonds an
Berlin – Die Bundesregierung errichtet mit Wirkung zum 1. Mai einen Fonds für Betroffene sexuellen Missbrauchs im familiären Bereich. Dafür stellt sie 50 Millionen Euro zur Verfügung....
22.03.13
Frankfurt – Die Landesärztekammer Hessen (LÄKH) hat eine Ombudsstelle für Fälle von Missbrauch in ärztlichen Behandlungen eingerichtet. Sie soll Anlaufstelle für betroffene Patienten sein und sie...
13.03.13
Charité will Schutz vor Missbrauch verbessern
Berlin – Das Berliner Universitätsklinikum Charité will den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Missbrauch im eigenen Haus mit verschiedenen Maßnahmen verbessern. Dazu gehörten mehr Schulungen,...
05.03.13
Münster – Als „wichtigen Schritt in die richtige Richtung“ hat der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Theodor Windhorst, das seit einem Jahr geltende Bundeskinderschutzgesetz bezeichnet –...
20.02.13
Runder Tisch berichtet über Maßnahmen gegen sexuellen Kindesmissbrauch
Berlin – Einstige Mitglieder des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ haben sich heute in Berlin getroffen und über die Umsetzung von Maßnahmen gegen den Missbrauch berichtet. Den Vorsitz des...
06.12.12
Der Missbrauchs­beauftragte zieht schlechte Bilanz
Berlin – „Für Missbrauchsbetroffene ist in diesem Jahr zu wenig erreicht worden“ – so lautet die Bilanz des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm...
25.09.12
Ulm – Wissenschaftler des neuen „Forschungsnetzes gegen Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt im Kindes- und Jugendalter“ haben sich gestern und heute in Ulm getroffen, um das Netz zu gründen. Das...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in