Ausland

Menschenrechts­gericht rügt Schweiz zu Regeln für Sterbehilfe

Dienstag, 14. Mai 2013

Straßburg – Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat die Regeln der Schweiz zur Sterbehilfe als nicht ausreichend eindeutig gerügt. Das Straßburger Gericht gab heute einer 82-jährigen Schweizerin Recht, die in ihrer Heimat vergeblich versucht hatte, ein Medikament für einen Suizid zu erhalten. Die Frau war zwar nicht krank, wollte sich aber aufgrund ihres hohen Alters das Leben nehmen. Schweizer Ärzte und die Gesundheitsbehörden des Kantons Zürich weigerten sich, der Frau das geforderte Rezept auszustellen, weil diese nicht erkrankt war.  

Im Schweizer Recht seien keine ausreichend klaren Kriterien verankert, wann der Erwerb eines solchen Medikaments rechtmäßig sei, bemängelten die Straßburger Richter. Die Unklarheit darüber, ob sie das Medikament erhalten werde, habe für die Frau eine „erhebliche Seelenqual“ darstellen müssen. Es sei das Recht der alten Frau auf eine Achtung des Privat- und Familienlebens verletzt worden.  

Anzeige

In der Schweiz ist der Erwerb eines tödlichen Medikaments auf Rezept grundsätzlich gestattet. Laut den Richtlinien der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften sollen solche Medikamente aber nur todkranken Patienten verschrieben werden. Die Richter bemängelten, die Richtlinien der Akademie hätten keinen Gesetzescharakter, eine klare gesetzliche Regelung fehle. Zugleich betonten die Richter, sie hätten nicht über die Frage geurteilt, ob die Frau ein Anrecht auf das tödliche Medikament habe.  

Das Urteil des Menschenrechtsgerichtshofs ist noch nicht rechtskräftig. Die Konflikt­parteien haben drei Monate Zeit, den Richterspruch vor der Großen Kammer des Gerichts anzufechten. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

4.050 News Ausland

Nachrichten zum Thema

25.05.16
Mehrheit der Australier für Legalisierung der Sterbehilfe
Sydney – Eine große Mehrheit der Australier befürwortet eine Legalisierung der Sterbehilfe. 75 Prozent der Befragten stimmten laut der am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Senders ABC der Aussage......
27.04.16
Amsterdam – In den Niederlanden haben im vergangenen Jahr mehr Demenz-Patienten aktive Sterbehilfe in Anspruch genommen. Unter den 5.516 Menschen, die 2015 aktive Sterbehilfe erhielten, seien 109......
04.04.16
Brüssel – Der ehemalige belgische Außenminister Steven Vanackere hat eine öffentliche Debatte über Sterbehilfe gefordert. Das Gesetz zur aktiven Sterbehilfe in Belgien sei "fehlerhaft", sagte......
11.02.16
Niederlande: Sterbehilfe aus psychiatrischen Gründen
Bethesda – In den Niederlanden ist die Sterbehilfe auch bei organisch gesunden Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen erlaubt. Bioethiker aus den USA äußern nach einer Auswertung von Fallberichten......
12.01.16
Bern – Auch in Schweiz steht das Fallpauschalen-System zur Finanzierung von Krankenhausleistungen in der Kritik. „Die Ärzte in der Akutsomatik verwendeten bloß noch rund einen Drittel ihrer Zeit für......
08.01.16
Karlsruhe – Das seit Dezember geltende Verbot der geschäftsmäßigen Beihilfe zur Selbsttötung bleibt weiterhin in Kraft. Das Bundesverfassungsgericht hat den Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen......
07.01.16
Bern – Künftig können alle Schweizer – auch medizinische Laien – kostenfrei in der Cochrane Library recherchieren und sich mittels der dort zu findenden systematischen Reviews über......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige