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Arzneimitteltests: Arbeitsgruppe am Uniklinikum Jena soll aufklären

Mittwoch, 15. Mai 2013

Jena – Zur Aufklärung der umstrittenen Arzneimitteltests an DDR-Patienten hat das Universitätsklinikum Jena eine Arbeitsgruppe gegründet. Sie soll untersuchen, ob und in welchem Umfang Jenaer Patienten von 1983 bis 1990 an Medikamentenprüfungen für West-Pharmafirmen beteiligt waren, wie Vorstand Klaus Höffken heute sagte. Dafür würden bereits seit Wochen Patientenakten aus der fraglichen Zeit gesichert. „Im Kern geht es dabei speziell um die Frage, ob die damaligen Studien sach- und normgerecht durchgeführt worden sind“, erklärte er. Das Universitätsklinikum Jena gehört zu den sechs bislang ermittelten Krankenhäusern in Thüringen, die an den Tests für westliche Pharmakonzerne beteiligt waren.

Dem Gremium gehören Medizinhistoriker und Archivexperten aus Jena und Vertreter der Landesärztekammer an. Es arbeitet auch mit einem an der Universität Erlangen tätigen Forscher zusammen. Höffken sprach sich für einen Forschungsverbund mit anderen Kliniken aus. Es gehe um eine wissenschaftliche Analyse ohne Scheuklappen und ohne Vorverurteilungen. In Ostdeutschland sollen 50 Kliniken betroffen sein.

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Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, forderte unterdessen die westlichen Pharmakonzerne auf, ihre Archive zu öffnen. Dass westdeutsche Firmen Medikamente an DDR-Patienten testen ließen, sei ein „übler deutsch-deutscher Deal“ gewesen, sagte Jahn der am Donnerstag erscheinenden Wochenzeitung Die Zeit.

„Die Schuld beginnt dort, wo ich mich mit einem dubiosen Handelspartner einlasse“, sagte der frühere DDR-Oppositionelle an die Adresse beteiligter Firmen. In der DDR habe es keine öffentliche Kontrolle gegeben. „Unternehmen nahmen also billigend in Kauf, dass in der DDR Menschen auf der Strecke blieben.“ Nun sollten sich die Firmen bei der Aufarbeitung auch „mit Geld beteiligen“, so Jahn.

Jahn betonte: „Im Westen denkt man immer, die Diktatur war im Osten, ich habe damit nichts zu tun. Doch das Beispiel Pharmatests zeigt exemplarisch: Aufarbeitung ist eine gesamtdeutsche Angelegenheit.“ Auch wer im Westen lebte, müsse sich fragen, ob er sich eingerichtet hatte mit der Teilung und dem Unrecht in der DDR. © dpa/aerzteblatt.de

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