Politik

„Pille danach“ bleibt rezeptpflichtig

Mittwoch, 15. Mai 2013

Berlin – Sogenannte Notfallverhütungsmittel bleiben auch künftig verschreibungspflichtig. Das wurde in der gestrigen Sitzung des Gesundheitsausschusses deutlich. Dort erteilten die Union und die FDP zwei Anträgen der SPD und der Linken auf Freigabe des Medikamentes eine Absage.

In ihrer Begründung verwies die CDU/CSU-Fraktion auf wissenschaftliche Bedenken, die gegen eine Freigabe sprächen. Wegen entsprechender Zulassungsregeln könnte in Deutschland nur die Verschreibungspflicht von Levonorgestrel aufgehoben werden, dagegen sprächen aber unter anderem mögliche Nebenwirkungen des Medikamentes. „Grundsätzlich ist eine ärztliche Beratung bei der Verwendung dieser Medikamente nötig“, so die Union.

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Diese Sicht teilt auch die FDP. Die Parlamentarier betonten in der Sitzung, man könne die „Pille danach“ nicht „mit Kopfschmerztabletten gleichsetzen“. Dreh- und Angelpunkt bei dieser Frage sei die Beratung. Es ist laut den Liberalen aber „nur schwer vorstellbar, dass diese im Apothekenverkaufsraum stattfinden könne“.

Die Opposition hält diese Argumente für vorgeschoben. Die Linke betonte, ihr Antrag folge Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Die Fraktion fordert neben einer Aufhebung der Verschreibungspflicht auch, dass die Notfallverhütungsmittel bis zum 20. Lebensjahr erstattungsfähig sein sollen, damit Verhütung im Notfall „nicht eine Frage des Geldbeutels“ sei.

Die SPD-Fraktion wies in der Sitzung darauf hin, dass die „Pille danach“ in 78 Ländern rezeptfrei sei und man dort nie von gesundheitlichen Beeinträchtigungen gehört habe. Dass man in Deutschland „plötzlich eine medizinische Gefahr“ sehe, seien „vorrangig berufsständische Argumente“.

Bündnis 90/die Grünen zeigten sich erstaunt darüber, dass Schwarz-Gelb den Apothekern die nötige Beratung nicht zutrauen würde. Die Koalition führe „fadenscheinige Argumente“ an; die Gegner der Freigabe hätten vor allem berufsständische und wirtschaftliche Interessen, so die Grünen. © hil/aerzteblatt.de

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