Medizin

Descensus uteri: Sakrokolpopexie hat zeitlich begrenzte Wirkung

Mittwoch, 15. Mai 2013

Salt Lake City – Die Sakrokolpopexie gehört zu den Standardverfahren der Descensus-Chirurgie mit einer hohen anfänglichen Erfolgsrate. Die Langzeitergebnisse sind einer Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2013; 309: 2016-2024) zufolge jedoch mager.

Bei der Sakrokolpopexie wird der hintere Scheidenabschluss über ein Netz fest mit dem Kreuzbein verbunden. Die Operation gelingt in den meisten Fällen und bei der Nachuntersuchung sind Chirurg und Patientin gleichermaßen zufrieden. Danach bricht der Kontakt zwischen beiden in der Regel ab, doch dies muss nicht bedeuten, dass die Operation auch auf Dauer erfolgreich war.

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Zu den wenigen Studien, die die Patientinnen über mehrere Jahre beobachtet hat, gehört die CARE-Studie. Es handelte sich ursprünglich um eine randomisierte Vergleichsstudie, die den Wert einer zusätzlichen Inkontinenz-Operation, der Kolposuspension nach Burch, untersucht (und überraschend deutlich belegt) hat (NEJM 2006; 354: 1557-66). Von den 322 Frauen der Originalstudie nahmen 233 an einer 2-Jahres-Beobachtung teil. Zu dieser Zeit waren die anatomischen Ergebnisse noch ausgezeichnet, 95 Prozent der Frauen waren ohne Prolaps (Obstet Gynecol. 2008; 112: 49-55).

In den Folgejahren kam es dann jedoch nach und nach bei immer mehr Frauen erneut zu einem Rückfall, wie Ingrid Nygaard von der University of Utah School of Medicine in Salt Lake City durch die Nachuntersuchung von 126 Patientinnen (39 Prozent der Originalkohorte) zeigen können. Nach sieben Jahren war es bei etwa einem Viertel der Frauen zu einem erneuten anatomischen Prolaps gekommen, wobei die Ergebnisse im Studienarm mit zusätzlicher Inkontinenz-Operation sogar noch etwas schlechter waren.

Hier lag die anatomische Versagerrate bei 27 Prozent gegenüber 22 Prozent in der Gruppe ohne Inkontinenz-Operation. Nimmt man die Frauen hinzu, die erneut über Symptome eines Prolaps klagten, betrugen die Versagerraten sogar 34 Prozent ohne Inkontinenz-Operation und 48 Prozent mit Inkontinenz-Operation.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Kolposuspension ihren Zweck gar nicht erfüllte. Der Anteil der Frauen, die nach sieben Jahren unter einer Stressinkontinenz litten war mit 62 versus 77 Prozent nach der zusätzlichen Inkontinenz-Operation geringer und der Rückfall trat mit 131,3 versus 40,2 Monaten deutlich später ein. Von einem dauerhaften Erfolg der Kolposuspension nach Burch kann jedoch nicht die Rede sein.

Hinzu kommt, dass es bei 10,5 Prozent der Frauen nach sieben Jahren zu einer Erosion des Sakrokolpopexie-Netzes gekommen war. Trotz dieser letztlich enttäuschenden Langzeitergebnisse entschieden sich nur etwa 5 Prozent der Frauen für eine erneute Operation. Nygaard sieht darin ein Zeichen, dass die Beschwerden der Frauen durch den erneuten Prolaps nicht sehr stark gewesen sein können. Es bleibt aber auch denkbar, dass eine gewisse Resignation nach dem Scheitern der Prolaps-Operation eine Rolle gespielt hat und viele Frauen sich angesichts ihres Alters mit dem Descensus uteri abgefunden haben. © rme/aerzteblatt.de

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