3.200 News Ausland

Ausland

Prozess um Mediator-Skandal in Frankreich wieder aufgenommen

Dienstag, 21. Mai 2013

Nanterre – Nach einjähriger Unterbrechung ist der Prozess um einen der größten Arznei­mittelskandale in der Geschichte Frankreichs wieder aufgenommen worden. Vor einem Gericht in Nanterre bei Paris erschien heute der angeklagte Chef des franzö­sischen Pharmakonzerns Servier, Jacques Servier, der sich wegen schweren Betrugs im Zusammenhang mit dem Diabetes-Medikament Mediator verantworten muss. Zusammen mit Servier sind vier frühere Führungskräfte des Konzerns angeklagt. Rund 700 Betroffene treten in dem Prozess als Zivilkläger auf und hoffen auf Entschädigung.  

Laut Schätzungen starben in Frankreich zwischen 500 und 2.000 Menschen an den Folgen der Einnahme von Mediator, das als Mittel zum Abnehmen auch bei Nicht-Diabetikern weit verbreitet war und zu einer Verdickung der Herzklappen führen kann. Rund fünf Millionen Menschen sollen das Medikament eingenommen haben, bis es Ende 2009 in Frankreich vom Markt genommen wurde. In Deutschland erhielt das Medikament nie eine Zulassung. Der heute 91-jährige Servier und die Mitangeklagten sollen die Nebenwirkungen des Medikaments gekannt und verheimlicht haben. Ihnen drohen bis zu vier Jahre Haft.  

Anzeige

Der Prozess in Nanterre hatte bereits vor einem Jahr begonnen. Er wurde aber kurz nach Prozessauftakt ausgesetzt, weil Serviers Anwälte die Verfassungsmäßigkeit des Verfahrens anzweifelten. Denn parallel zu dem Prozess in Nanterre laufen gegen Servier und weitere Beschuldigte Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Paris, die inzwischen von Untersuchungsrichtern übernommen wurden.  

Zu der Doppelung kam es, weil die Mediator-Opfer über einen vereinfachten Verfahrens­weg einen raschen Prozess anstrengten, bei dem keine Ermittlungen von Staatsanwälten oder Untersuchungsrichtern notwendig sind. Im August wies Frankreichs Oberster Gerichtshof den Antrag von Serviers Anwälten zurück und machte somit den Weg frei für eine Wiederaufnahme des Prozesses in Nanterre. Dieser ist bis Mitte Juni angesetzt.  

Allerdings dürften Serviers Anwälte erneut versuchen, eine Aussetzung des Prozesses zu erreichen. Auch mehrere Opferanwälte halten es für sinnvoll, das Ergebnis der Pariser Ermittlungen abzuwarten. Die Pariser Untersuchungsrichter ermitteln gegen Servier inzwischen nicht mehr nur wegen Betrugs und Täuschung, sondern auch wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung. Die Ermittlungen zu Betrug und Täuschung sollen im Sommer abgeschlossen sein, die zu fahrlässiger Tötung und Körperverletzung dürften länger dauern.  

In dem Mediator-Skandal ist auch die französische Arzneimittelaufsicht unter Beschuss geraten. Eine französische Kontrollbehörde attestierte ihr 2011 „schweres Versagen", demnach gab es bereits Mitte der 90er Jahre Hinweise auf die Gefährlichkeit des Mediator-Wirkstoffs Benfluorex. Seit März läuft auch gegen die Arzneimittelaufsicht ANSM ein formelles Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung. © afp/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
3.200 News Ausland

Nachrichten zum Thema

17.05.13
Betrugsprozess um PIP-Brustimplantate beendet
Marseille – Nach einmonatiger Verhandlung ist im südfranzösischen Marseille der Betrugsprozess zum weltweiten Skandal um die Billig-Brustimplantate der Firma PIP zu Ende gegangen. Der Anwalt von...
16.05.13
Paris – Es ist einer der größten Arzneimittelskandale in der Geschichte Frankreichs: Bis zu 2.000 Menschen starben an den Folgen des Diabetes-Medikaments Mediator, das als Mittel zum Abnehmen weit...
15.05.13
New York – Ein Abtreibungsarzt ist in den USA wegen Mordes an drei Neugeborenen schuldig gesprochen worden. Die Jury an einem Gericht in Philadelphia fällte das Urteil am Montag über den 72-jährigen...
14.05.13
Marseille – Der Betrugsprozess zum weltweiten Skandal um die Billig-Brustimplantate der französischen Firma PIP geht seinem Ende entgegen: Die Staatsanwaltschaft hielt am Dienstag in Marseille ihr...
02.05.13
Illegale Hüftprothesen in Frankreich
Paris – Frankreich könnte ein neuer Skandal um Medizinprodukte bevorstehen. Die französische Aufsichtsbehörde ANSM wirft dem Hersteller Ceraver aus Roissy bei Paris vor, nicht genehmigte Hüftprothesen...
23.04.13
Berlin – Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hält die Einführung eines zusätzlichen Meldesystems auf Bundesebene zur Identifizierung von berufsrechtlich sanktionierten Ärzten für nicht...
19.04.13
Paris – Im Prozess um mit Industriesilikon gefüllte Brustimplantate hat sich der Hauptangeklagte Jean-Claude Mas am Freitag vehement verteidigt. Seine billigen Silikoneinlagen seien „kein Risiko“...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in