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Antidepressiva lindern Stress-Herz

Mittwoch, 22. Mai 2013

Durham – Die Störung der Herzfunktion, zu der es bei manchen Patienten mit koronarer Herzkrankheit nach mentalen Belastungen kommt, wurde in einer randomisierten Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2013; 309: 2139-2149) durch eine Behandlung mit einem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) vermindert.

Emotionaler Stress kann die Perfusion der Koronararterien reduzieren und im Extremfall einen Herzinfarkt triggern. Kardiologen können bei anfälligen Personen eine MSIMI („mental stress-induced myocardial ischemia“) im Rahmen der konventionellen Ergo­metrie diagnostizieren. Dazu stellen sie den Patienten mehrere mentale Aufgaben, bevor sie die körperliche Herz-Kreislauf-Belastungsfähigkeit prüfen.

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In der Studie, die Wei Jiang vom Duke University Medical Center in Durham/North Carolina durchführte, mussten die Teilnehmer zunächst einen Mathe-Test bestehen, dann mussten sie einen Stern nachzeichnen, den sie nur im Spiegel sahen. Im dritten Teil wurden sie aufgefordert, sich zu einem Thema zu äußern, dass sie wütend oder traurig macht.

Bei 127 von 310 psychisch gesunden Patienten mit stabiler KHK, die Jiang untersuchte, kam es bei der anschließenden Ergometrie zu ischämischen Reaktionen in der Echo­kardiographie, die die Patienten ohne mentalen Stress nicht gezeigt hatten. Bei den Veränderungen handelte es sich um regionale Wandbewegungsstörungen, einen Abfall der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) um 8 Prozent oder um kurzfristige ST-Streckensenkungen.

Die Patienten mit MSIMI wurden dann auf eine sechswöchige Behandlung mit dem SSRI Escitalopram oder Placebo randomisiert. Danach wurden die mentalen Stress-Tests wiederholt (mit anderen Matheaufgaben). Ergebnis: Bei 34,2 Prozent der mit SSRI behandelten Patienten war keine MSIMI mehr nachweisbar gegenüber 17,5 Prozent im Placebo-Arm.

Jiang errechnet eine Odds Ratio von 2,62 für eine Besserung, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,06 bis 6,44 signifikant war. Die Signifikanz ging allerdings verloren, wenn Geschlecht und Unterschiede in der Ausgangs-LVEF berücksichtigt wurden. Die Gesamtbelastbarkeit in der Ergometrie konnte durch das SSRI  ebenfalls nicht gesteigert werden, so dass die klinische Relevanz der Befunde unklar ist. Ebenso wenig lässt sich aus der Studie ablesen, dass SSRI Patienten mit KHK langfristig vor koronaren Ereignissen schützen können.

Eine gewisse beruhigende Wirkung hatten die SSRI jedoch. Jiang berichtet, dass die Teilnehmer bei den Stress-Tests gelassener und kontrollierter wirkten. Die Auswirkung auf die MSIMI könnte übrigens auch über die Thrombozyten zustande kommen. Die Thrombozyten haben Rezeptoren für Serotonin und Jiang konnte in Labortests günstige Effekte des SSRI auf die Thromboyzytenaggregation nachweisen. Auch hier bleibt natürlich unklar, ob dies im Krisenfall einen Herzinfarkt verhindern könnte. © rme/aerzteblatt.de

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