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Vitamin D-Versorgung in der Schwangerschaft nicht ausreichend

Donnerstag, 23. Mai 2013

Giessen – Schwangere und ihre ungeborenen Kinder sind in Deutschland nur unzureichend mit Vitamin D versorgt. Eine Querschnittsstudie im British Journal of Nutrition (2013; doi: 10.1017/S0007114513001438) dokumentierte Defizite nicht nur in den Wintermonaten. Auch im Sommer hatten viele Mütter und ihre Kinder ein Vitamin D-Defizit.

Da die in Deutschland verzehrten Nahrungsmittel zu wenig Vitamin D enthalten, ist das Sonnenlicht wesentlich für die Versorgung zuständig. Eine Vorform des Hormons wird unter Einwirkung von UV-B-Strahlen in der Haut gebildet. Von Oktober bis März ist die Intensität der Sonneneinstrahlung in Deutschland jedoch zu gering, um ausreichend Vitamin D zu bilden.

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Bei 98 Prozent der Schwangeren lagen die 25(OH)-Vitamin-D-Werte in den Winter­monaten unter 50 nmol/l, die als Schwelle für eine ausreichende Versorgung angesehen werden. Aber auch in den Sommermonaten waren noch 49 Prozent der Schwangeren unterversorgt.

In den Wintermonaten 94 Prozent der Kinder unterversorgt
Das Team um Clemens Kunz vom Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Gießen konnte auch die Konzentration im Nabelschnurblut bestimmen: Hier waren in den Wintermonaten 94 Prozent der Kinder unterversorgt, in den Sommermonaten waren es noch 35 Prozent.

Die wichtigsten Risikofaktoren für ein Vitamindefizit waren mangelnde körperliche Bewegung (Odds Ratio 2,67) und die Herkunft aus einem nicht-europäischen Land (Odds Ratio 3,21). Sport dürfte ein Marker für den Aufenthalt im Freien sein. Eine dunkle Hautfarbe vermindert die Vitaminsynthese in der Haut.

Eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D ist wichtig für Mutter und Kind: Ein Mangel erhöht Kunz zufolge das Risiko auf Schwangerschaftskomplikationen wie Gestations­diabetes, Gestose und Frühgeburt. Beim Neugeborenen könnte der Vitamin D-Mangel zu Störungen des Knochenaufbaus, zu Lungenerkrankungen und ebenfalls zu einem Diabetes mellitus führen.

Säuglinge werden in Deutschland seit längerem im Rahmen der Rachitis-Prophylaxe mit Vitamin D substituiert. Kunz hält es aufgrund der Studie für erforderlich, dass auch Schwangere Vitamin D einnehmen. Dies geschehe derzeit nur selten, da in den Beipack­zetteln der Vitamin D-Tabletten häufig vor einer zu hohen Zufuhr in der Schwangerschaft gewarnt wird. Dies ist nach Ansicht des Experten eine Fehlinformation.

Eine Über­dosierung sei kaum zu befürchten, da das substituierte Vitamin D – sei es als Tablette oder durch das UV-Licht in der Haut – zunächst inaktiv ist. Die aktive Form wird erst in der Niere produziert. Dort orientiere sich die Synthese jedoch an dem Bedarf, erläutert Prof. Kunz. Eine Überdosierung sei deshalb unwahrscheinlich. Zu viel eingenommenes Vitamin D werde im Körper abgebaut und wieder ausgeschieden, betont der Ernährungswissenschaftler.

In Gießen soll jetzt im Rahmen einer Beobachtungsstudie an Schwangeren überprüft werden, ob nach einem ärztlich diagnostizierten Vitamin D-Mangel die tägliche Aufnahme von 1.000 IE Vitamin D während der gesamten Schwangerschaft ausreichen, um die gewünschte Versorgung zu gewährleisten. © rme/aerzteblatt.de

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