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Statine mit unterschiedlichem Diabetesrisiko

Freitag, 24. Mai 2013

Toronto – Das Risiko, unter einer Therapie mit Statinen an einem Typ 2-Diabetes zu erkranken, scheint entgegen der anfänglichen Einschätzung der Arzneimittelagenturen nicht für alle Vertreter der Substanzklasse gleich zu sein. In einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013; 346: f2610) hatten einige Substanzen sogar eine tendenziell protektive Wirkung.

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Das Diabetes-Risiko war zuerst in der JUPITER-Studie aufgefallen, in der Rosuvastatin mit einer um 27 Prozent erhöhten Rate von Neuerkrankungen am Typ 2-Diabetes verbunden war (NEJM 2008; 359: 2195-207). Im letzten Jahr entschieden die Arzneimittelagenturen in den USA und Europa, dass es sich vermutlich um einen Klasseneffekt handelt, auf das in den Fachinformationen aller Statine hingewiesen werden sollte.

Diese Entscheidung war von Anfang an umstritten, da Pravastatin in der WOSCOPS-Studie das Diabetes-Risiko um 30 Prozent gesenkt hatte (Circulation 2001; 103: 357-62). Der Protest war hier erfolgreich. In der Fachinformation von Pravastatin fehlt deshalb heute der Hinweis auf ein erhöhtes Diabetesrisiko.

Das Team um Muhammad Mamdani vom Institute for Clinical Evaluative Sciences (ICES) in Toronto hat jetzt das Diabetes-Risiko aller in Kanada zugelassenen Statine verglichen. Dies geschah zwar nicht in einer randomisierten Studie wie bei JUPITER und WOSCOPS, sondern in einem Abgleich verschiedener Patientenregister.

Diese retrospektiven Analysen sind mit Einschränkungen verbunden, da nicht auszuschließen ist, dass Ärzte bei Patienten mit einem vorbestehenden Diabetesrisiko bestimmte Statine bevorzugen (etwa in Kenntnis der Daten zur JUPITER- und WOSCOPS-Studie). Die Ergebnisse sind dennoch aufschlussreich.

Im Vergleich zu Pravastatin kam es unter der Therapie mit Rosuvastatin tatsächlich häufiger zu Diabeteserkrankungen. Die adjustierte Hazard Ratio (HR) fiel mit 1,18 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,10 to 1,26) jedoch niedriger als erwartet aus. Noch höher war das Diabetes-Risiko unter Atorvastatin (HR 1,22; 1,15-1,29), und auch unter Simvastatin kam es gehäuft zu Diabeteserkrankungen (HR 1,10; 1,04-1,17). Für Fluvastatin (HR 0,95; 0,81-1,11) und Lovastatin (HR 0,99; 0,86-1,14) wurde dagegen keine erhöhte Rate von Diabeteserkrankungen gefunden. Diese Wirkstoffe könnten ähnlich wie Pravastatin eine protektive Wirkung haben.

Mamdani empfiehlt den Ärzten, die Daten bei der Auswahl des Statins zu berück­sichtigen. Seine Zahlen zeigen aber auch, dass die absoluten Risiken gering sind. Bei Atorvastatin kommt es pro Jahr zu einer Neuerkrankung auf 172 behandelte Patienten. Bei Rosuvastatin beträgt diese Number Needed to Harm 210, bei Simvastatin sind es 363. Damit dürften auch bei den Statinen, die in dem Vergleich am schlechtesten abgeschnitten haben, die Vorteile in der Prävention von Herzkreislauferkrankungen deutlich höher sein als das Diabetesrisiko. © rme/aerzteblatt.de

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