Medizin

Fallbericht: Kindliche Zerebralparese mit Nabelschnurblut behandelt

Montag, 27. Mai 2013

Bochum – Ärzten der Kinderklinik Bochum könnte es gelungen sein, einen Patienten mit kindlicher Zerebralparese mit Stammzellen aus Nabelschnurblut zu therapieren. Die Bochumer Ärzte Eckard Hamelmann und Arne Jensen veröffentlichten den Fallbericht in Case Resports in Transplantation (http://dx.doi.org/10.1155/2013/951827).

Nabelschnurblut ist reich an kindlichen Stammzellen. In Tierversuchen zeigte sich, dass Stammzellen zu den beschädigten Arealen im Gehirn wandern. Im März 2013 hatten koreanische Wissenschaftler über erste klinische Erfahrungen in der Stammzelltherapie bei kindlicher Zerebralparese berichtet. Die Behandlung neurologischer Schäden befindet sich aber noch weitgehend in der experimentellen Phase.

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Der junge Patient erlitt im Alter von zweieinhalb Jahren einen Herzstillstand, der eine 25-minütige Reanimation erforderte. Der Herzstillstand verursachte einen schweren Hirninsult, welcher den kleinen Jungen in ein vegetatives Koma versetzte. Die neurolo­gische Untersuchung zeigte ein Fehlen der motorischen Aktivität, nahezu keine Reaktion auf äußerliche Stimuli und eine generalisierte spastische Lähmung. Der MRT-Befund bestätigte das klinische Bild des hypoxischen Hirnschadens. Die Mediziner bezifferten die Überlebenswahrscheinlichkeit mit sechs Prozent und einer sehr geringen Chance, dass sich der schwere klinische Befund bessere.

In ihrer Not wurden die Eltern des Jungen selbst aktiv und suchten in der Literatur nach möglichen Therapien. Da sie bei der Geburt ihres Sohnes Nabelschnurblut konservieren ließen, fragten sie die Bochumer Ärzte nach einer möglichen Verwendung. Neun Wochen nach dem Herzstillstand verabreichten die Mediziner das aufbereitete Nabelschnurblut intravenös und beobachteten den klinischen Verlauf über 40 Monate. Die Therapie wurde durch ein kontinuierliches rehabilitatives Training unterstützt.

Bereits nach wenigen Wochen besserte sich sein Zustand. Der Junge stoppte das zuvor kontinuierliche Weinen und begann wieder auf akustische Reize zu reagieren. Bereits zwei Monate nach der Behandlung konnte er erstmals wieder lächeln und lachen. Nach 40 Monaten konnte der Junge wieder selbstständig Essen, kurze Sätze bilden und mit Unterstützung gehen. Sein Sprachvermögen habe nach dieser Zeit sogar das Niveau vor dem Herzstillstand übertroffen, so die Mediziner.

„Wir können natürlich auf Basis dieser Ergebnisse nicht eindeutig sagen, was die Ursache der Genesung ist. Es ist allerdings sehr schwer, die Effekte mit der rein symptomatische Behandlung in der Rehabilitation zu erklären“, so Jensen. Diese Art der Stammzelltherapie könnte ein kurative Ansatz bei der kindlichen Zerebralparese sein. © hil/aerzteblatt.de

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