Politik

Weltnichtrauchertag: Die Tabakwerbung muss weg

Dienstag, 28. Mai 2013

Karlsruhe – Je mehr Tabakwerbung Jugendliche schauen, desto häufiger rauchen sie. Das berichtet die Krankenkasse DAK vor dem Weltnichtrauchertag am 31. Mai. Er steht in diesem Jahr unter dem Motto „Lass Dich nicht anmachen! Weg mit der Tabak­werbung!“. Auf die Belastungen von Arbeitnehmern durch Passivrauch in den Betrieben weist im Vorfeld des Nichtrauchertages außerdem der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) hin.

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Tabakwerbung erreicht Kinder und Jugendliche
Dass Tabakwerbung, die sich an Kinder und Jugendliche richtet, ihr Ziel erreicht, belegt eine Studie der DAK-Gesundheit und des Kieler Instituts für Therapie- und Gesundheits­forschung (IFT-Nord): Die Wissenschaftler beobachteten rund 1.300 Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 15 Jahren über 30 Monate. Bei Studienbeginn hatten sie noch nie geraucht.

Fazit der Untersuchung: Nach zehn Kontakten mit Tabakwerbung erhöhte sich das Risiko des täglichen Rauchens um 30 Prozent. „Unsere Studie macht deutlich, dass es dringend an der Zeit ist, zu handeln. Die Politik muss endlich ein umfassendes Tabakwerbeverbot durchsetzen“, fordert Ralf Kremer, Suchtexperte bei der DAK-Gesundheit.

Bereits 2004 hatte sich Deutschland mit der Ratifizierung des entsprechenden Rahmenabkommens der Weltgesundheitsorganisation verpflichtet, bis 2005 ein umfassendes Verbot für Tabakwerbung umzusetzen. „Das Thema wird seit Jahren ausgesessen. Vor allem im Sponsoring-Bereich spielt Tabakwerbung nach wie vor eine große Rolle – auch bei Veranstaltungen mit jungem Publikum“, kritisiert der DAK-Experte.

Weniger Zigaretten – mehr Selbstgedrehte
Laut dem Statistischen Bundesamt entwickelte sich der Tabakkonsum in den vergan­genen Jahren in Deutschland unterschiedlich: Der tägliche Konsum von in Deutschland versteuerten Zigaretten sank von 363 Millionen Stück im Jahr 2003 auf 225 Millionen Stück im Jahr 2012. Im gleichen Zeitraum stieg jedoch der tägliche Konsum von Zigarren und Zigarillos von neun Millionen auf zehn Millionen. Der Verbrauch von sogenanntem Feinschnitt erhöhte sich von 51 Tonnen auf 74 Tonnen.

Elf Prozent der Arbeitnehmer Tabakrauch ausgesetzt
Trotz Rauchverboten in der Arbeitswelt ist rund jeder elfte deutsche Arbeitnehmer täglich Tabakrauch ausgesetzt, weitere zwölf Prozent rauchen an ihrem Arbeitsplatz gelegentlich passiv. Darauf hat der Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW)  hinge­wiesen. Er stützt sich dabei auf eine aktuelle Studie der Europäischen Kommission im Rahmen des sogenannten Eurobarometers. „Die Bedeu­tung des betrieblichen Nichtraucher­schutzes ist aktueller denn je: Nach wie vor sind viele Beschäftigte an ihrem Arbeitsplatz Passivrauch ausgesetzt“, sagte der Präsident des VDBW, Wolfgang Panter.

Die sogenannte Arbeitsstättenverordnung verpflichtet den Arbeitgeber in Paragraf fünf, die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um die nichtrauchenden Beschäftigten in Arbeitsstätten wirksam vor den Gesundheitsgefahren des Tabakrauchs zu schützen.

Laut dem VDBW haben viele Betriebe mit Betriebsvereinbarungen positive Signale gesetzt. Eine solche verbietet das Rauchen zum Beispiel in allen allgemein zugänglichen Räumen, Treppenhäusern und Aufzügen und schafft aber auch spezielle Raucherzonen auf jeder Etage. Das erleichtere die Umsetzung des Nichtraucherschutzes und verhin­dere mögliche Konflikte ums Rauchen zwischen Kollegen. „Alle betrieblichen Akteure, darunter Betriebsrat, Arbeitgeber aber auch die gesamte Belegschaft, sind in die Entschei­dungsprozesse zur praktischen Umsetzung des Nichtraucherschutzes und der Konzeption einer Betriebsvereinbarung einzubeziehen“, empfiehlt Panter.  

Immer mehr Frauen sterben an den Folgen des Rauchens
In Deutschland sterben immer mehr Frauen an den Folgen des Rauchens. Im Jahr 2011 starben fast 14.500 Frauen an Lungen-, Bronchial- oder Kehlkopfkrebs, berichtet das Statistische Bundesamt. Das war ein Anstieg um 186 Prozent binnen 30 Jahren. Im gleichen Zeitraum zwischen 1981 und 2011 stieg die Zahl der an den Folgen des Tabakkonsums gestorbenen Männer um rund elf Prozent.

Dennoch sterben insgesamt immer noch mehr Männer als Frauen an einer Krebs­erkrankung, bei der ein enger Zusammenhang zum Tabakkonsum besteht – „im Jahr 2011 waren es 31.000 Todesfälle bei Männern“, so das Bundesamt. © hil/aerzteblatt.de

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WillBerlin
am Dienstag, 28. Mai 2013, 23:40

Die Tabakwerbung muss weg

So ein Engagement würde ich mir mal für Kohlenhydrate wünschen, Zucker zuerst.
5.000 News Politik

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