Medizin

Down-Syndrom: Stammzellen erklären Pathogenese

Dienstag, 28. Mai 2013

Madison – US-Forscher haben Hirnzellen von Menschen mit Down-Syndrom in Nervenzellen verwandelt. Die in den Proceedings of the National Academy of Sciences (Online) vorgestellten Ergebnisse geben neue Einblicke in die Pathogenese des Syndroms und die frühzeitige Alterung von Menschen mit Down-Syndrom.

Induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) könnten nicht nur neue therapeutische Perspektiven eröffnen. Sie bieten den Forschern auch eine Möglichkeit bei genetischen Syndromen das Verhalten der Zellen im Labor zu untersuchen. Das Team um Anita Bhattacharyya vom Waisman Center an der Universität von Wisconsin in Madison hat dies jetzt an Hirnzellen von Menschen mit Down-Syndrom gemacht.

Anzeige

Obwohl diesen Menschen keine Gene fehlen, sie haben ja ein überzähliges Chromosom, ist die Hirnentwicklung gestört und die kognitiven Leistungen bleiben unter dem Durch­schnitt. Ein Grund könnte die verminderte Fähigkeit der Nervenzellen zur Ausbildung von Synapsen sein, die Bhattacharyya in den Zellkulturen beobachtet hat. Die Zahl der Nervenverbindungen war um 40 Prozent geringer als bei Nervenzellen in einer Kontroll­gruppe von Menschen ohne Down-Syndrom. Der Unterschied könnte erklären, warum die Hirnentwicklung gestört ist.

Auch auf genetischer Ebene bringt das zusätzliche Chromosom einiges durcheinander. Obwohl die Zahl der Gene gesteigert ist, war die Expression von etwa 1.500 Genen vermindert. Es werden aber auch einige Gene vermehrt abgelesen. Darunter waren laut Bhattacharyya solche, mit denen die Zelle auf einen oxidativen Stress reagiert. Die Forscherin schließt daraus, dass ein vermehrter Anfall von freien Radikalen an der Pathogenese beteiligt sind. Sie konnte damit frühere Vermutungen bestätigen.

Der vermehrte oxidative Stress könnte auch die frühzeitige Alterung von Menschen mit Down-Syndrom erklären, die oft bereits mit 40 Jahren ergrauen und zu einer starken Faltenbildung neigen. Im Gehirn kommt es zu einer beschleunigten Demenz. Auch hier könnte ein vermehrter oxidativer Stress, der zum Untergang von Hirnzellen führt, die Ursache sein.

Beweisen ließe sich dies allerdings nur, wenn eine antioxidative Therapie wirksam wäre. Dass Therapiestudien bei Menschen mit Down-Syndrom bislang erfolglos waren, könnte an der verminderten Fähigkeit zur Synapsenbildung liegen, die Bhattacharyya erstmals entdeckt hat. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

14.04.15
Down Syndrom-Bluttest: Abgeordnete kritisieren ungenügende Vergleichsdaten
Berlin – Bundesweite Daten zu vorgeburtlichen Tests auf Trisomie 21 sowie fundierte Auswertungen zu Schwangerschaftsabbrüchen bei und Geburten von Kindern mit Down-Syndrom liegen in Deutschland......
20.03.15
Berlin – Erstmals nach 25 Jahren wenden sich mit einer gemeinsamen, interfraktionellen „Kleinen Anfrage“ Abgeordnete aller Bundestagsfraktionen an die Bundesregierung. Dabei richten sie das Augenmerk......
07.07.14
Down-Syndrom mindestens 1.500 Jahren alt
Bordeaux – Die Trisomie 21 ist keine Chromosomen-Anomalie der Neuzeit. Dies belegt der Fund eines Skeletts in einem Grab aus dem 5. bis 6. Jahrhundert, dessen Knochen einem Bericht im International......
22.04.14
Gen treibt Leukämie bei Down-Syndrom voran
Boston – US-Forscher haben herausgefunden, warum Menschen mit Down-Syndrom häufig an einer B-Zell-Leukämie erkranken. Im Zentrum stehen mehrere Gene, die dem Bericht in Nature Genetics (2014; doi:......
05.09.13
Baltimore – Die einmalige Gabe eines sogenannten Hedgehog-Agonisten kurz nach der Geburt hat in einer Studie in Science Translational Medicine (2013; doi: 10.1126/scitranslmed.3005983) die für das......
23.08.13
Konstanz – Der ethisch umstrittene Schwangeren-Bluttest auf das Down-Syndrom ist seit seiner deutschen Markteinführung vor einem Jahr von knapp 6.000 Frauen in Anspruch genommen worden. Das teilte das......
18.07.13
Down-Syndrom: „Farbanstrich“ schaltet Extra-Chromosom aus
Worcester – US-Forscher haben das Gen, das bei Frauen das zweite X-Chromosom abschaltet, in Stammzellen von Menschen mit Down-Syndrom in das überzählige Chromosom 21 eingebaut. Die Publikation in......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige