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Meta-Analyse bestätigt kardiovaskuläre Risiken von NSAID

Donnerstag, 30. Mai 2013

Oxford – Eine neue Meta-Analyse, vermutlich die auf längere Zeit umfassendste zu dieser Frage, bestätigt, dass die beiden häufig verwendeten nichtsteroidalen Antiphlogistika (NSAID) Diclofenac und Ibuprofen das Herzinfarktrisiko in ähnlichem Ausmaß steigern wie die Coxibe, deren Vertreter Rofecoxib 2004 wegen eben dieses Risikos vom Markt genommen wurden.

Die Gefahr ist allerdings auf Langzeitanwender beschränkt und der Wechsel zu Naproxen, dem einzigen kardiovaskulär unbedenklichen NSAID ist laut der Publikation im Lancet (2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)60900-9) mit einem deutlichen höheren Risiko gastrointestinaler Blutungen verbunden, so dass es kein ideales NSAID für die Langzeitanwendung gibt.

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Die Meta-Analysen der Clinical Trial Service Unit an der Universität Oxford haben in den letzten Jahren Standards gesetzt. Auch zu dem kardiovaskulären Risiko von NSAID hat das Team um Colin Baigent keine Mühen gescheut. 639 randomisierte klinische Studien mit mehr als 350.000 Patienten wurden neu ausgewertet. Die Ergebnisse entsprechen weitgehend den bekannten Tatsachen: Hohe Dosierungen der Coxibe als Klasse (einschließlich der weiter vertriebenen Präparate) erhöhen ebenso wie Diclofenac und Ibuprofen das Risiko von kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Eine Ausnahme bildet allein Naproxen, das das Risiko nicht erhöht und möglicherweise sogar wie ASS eine protektive Wirkung haben könnte. Naproxen war auch das einzige untersuchte NSAID, für das keine signifikant erhöhte Rate von vaskulären Todesfällen gefunden wurde. Naproxen erhöht jedoch, wie alle anderen NSAID das Risiko auf eine Herzinsuffizienz. Außerdem erwies sich Naproxen bei den gastrointestinalen Komplikationen, darunter die gefürchteten Blutungen, als das riskanteste NSAID.

Laut Baigent kommen auf 1.000 Patienten mit einem mittleren kardialen Ausgangsrisiko, die ein Jahr lang mit einem hoch dosierten NSAID (außer Naproxen) behandelt wurden, drei schwere kardiovaskuläre Ereignisse, von denen eines tödlich endet. Auf 1.000 Patienten mit einem mittleren Ausgangsrisiko auf gastrointestinale Komplikationen kommt es während eines Jahres je nach NSAID zu vier bis 16 gastrointestinalen Komplikationen, den meisten unter Naproxen.

Über kurze Zeit sind diese Risiken hinnehmbar, doch auf lange Sicht kann dies bedeuten, dass ein Patient mit mittlerem Ausgangsrisiko im Verlauf von zehn Jahren eine Chance von 4 bis 19 Prozent hat, eine kardiovaskuläre oder gastrointestinale Komplikation zu erleiden, wie Marie Griffin vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville in einem Kommentar schreibt.

Hinzu kommt, dass nicht wenige der zumeist älteren Patienten, die NSAID wegen Gelenkbeschwerden einnehmen, aus anderen Gründen weitere Medikamente erhalten, die das gastrointestinale Blutungsrisiko deutlich erhöhen. Das wichtigste Beispiel sind orale Antikoagulanzien. Griffin rät deshalb, zunächst nicht-pharmakologische Methoden mit erwiesener Wirkung zu nutzen, etwa die Anwendung von Hitze oder Kälte, Sport und Gewichtsreduktion, bevor NSAID in hoher Dosierung über einen längeren Zeitraum verschrieben werden. © rme/aerzteblatt.de

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