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Fehlzeiten infolge psychischer Erkrankungen steigen weiter an

Dienstag, 4. Juni 2013

Berlin – Im Durchschnitt waren die Deutschen im vergangenen Jahr 14,17 Tage krankgeschrieben – das ist ein Anstieg um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei waren Frauen mit 15,87 Fehltagen häufiger krank als Männer (12,73 Fehltage). Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport 2013 der Techniker Krankenkasse hervor, der heute vorgestellt wurde. Seit dem Jahr 2006 ist die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage von 11,44 Tagen um 23,9 Prozent angestiegen. „Wenn es der Konjunktur schlecht geht, sinkt auch die Anzahl der Fehltage“, kommentierte der Autor des Reports, Thomas Grobe vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG).

Der häufigste Grund für Fehlzeiten waren auch im vergangenen Jahr psychische und Verhaltensstörungen. Seit 2006 stiegen Krankschreibungen infolge dieser Diagnose damit um 75,8 Prozent. „Dass hier sicherlich auch Etikettierungsphänomene und Trenddiagnosen eine Rolle spielen, wurde in den letzten Jahren umfangreich diskutiert“, befand der Vorstandsvorsitzende der TK, Jens Baas. Dennoch sei unbestritten, dass psychische Belastungen für Betriebe immer mehr zu einem Wirtschaftsfaktor würden.

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Auffällig sei, erklärte Grobe, dass insbesondere Männer in Teilzeitbeschäftigung überproportional an psychischen Erkrankungen litten. Wenn Männer in Teilzeit arbeiteten, hätten sie deutlich mehr Fehltage infolge einer psychischen Erkrankung als vollzeitbeschäftigte Männer. Bei teilzeitbeschäftigten Frauen hingegen gebe es dabei kaum einen Unterschied im Vergleich zu in Vollzeit tätigen Frauen.   

„Die Ursache dafür ist ein Befindlichkeitsproblem der Männer“, meinte Baas. Denn sie erfüllten das klassische Rollenbild des Mannes nicht mehr. „Dabei geht es um eine subjektive Wahrnehmung“, so der TK-Vorsitzende. Die Frage sei demnach nicht, wie man die Realität, sondern wie man die Perzeption der Betroffenen anpassen müsse.  

Dem TK-Report zufolge stieg im vergangenen Jahr die Anzahl von Fehltagen analog zur Berufsausbildung. Waren Arbeitnehmer mit Promotion im Durchschnitt 6,5 Tage im Jahr krankgeschrieben, waren es bei Arbeitnehmern mit Fachschulabschluss schon 12,4 und bei Versicherten ohne berufliche Ausbildungsabschluss 18,7 Tage.

Abschließend plädierte Baas für Investitionen der Unternehmen in ein betriebliches Gesundheitsmanagement. Im Durchschnitt dauere eine Krankschreibung infolge einer Depression 58 Tage. Fehlten fünf Mitarbeiter pro Jahr aufgrund dieser Diagnose, kosteten Lohnfortzahlungen und Produktivitätsausfall das Unternehmen etwa 75.000 Euro. Ein wirkungsvolles betriebliches Gesundheitsmanagement sei hingegen bereits für 50.000 Euro zu bekommen. „In die Gesundheit von Beschäftigten zu investieren, ist also keine Nettigkeit, sondern wirtschaftlich sinnvoll“, sagte Baas.

Dabei gehe es allerdings nicht allein um die richtige Arbeitsschutzkleidung, sondern eher um den Umgang der Mitarbeiter durch die Führungskräfte, zum Beispiel im Bereich der Wertschätzung. Denn krank mache nicht die Arbeit, sondern die Rahmenbedingungen, unter denen sie ausgeübt werde.

Grundlage des Reports sind die Daten der 3,9 Millionen TK-versicherten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und Empfänger von Arbeitslosengeld I.

© fos/aerzteblatt.de

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