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Alzheimer-Medika­mente schützen das Herz

Mittwoch, 5. Juni 2013

Umeå – Die Cholinesterase-Inhibitoren, die zur Behandlung der Alzheimerdemenz einge­setzt werden, haben möglicherweise eine günstige Nebenwirkung. Eine Auswertung des schwedischen Demenz-Registers SveDem im European Heart Journal (2013; doi: 10.1093/eurheartj/eht182) ergab, dass Patienten, die mit Donepezil, Rivastigmin oder Galantamin behandelt werden zu einem Drittel seltener an einem Herzinfarkt erkranken. Auch die Gesamtsterblichkeit war vermindert.

SveDem besteht seit 2007 und sammelt Daten zu Demenzpatienten aus ganz Schweden. Solche Patientenregister erlauben wichtige Einblicke in die Versorgungssituation. Mit gewissen Einschränkungen können sie auch genutzt werden, um beispielsweise die Auswirkungen von Medikamenten auf die Gesundheit der Patienten zu untersuchen.

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Die Forscher müssen dabei jedoch darauf achten, dass sie Ursache und Wirkung nicht verwechseln. Wenn beispielsweise Patienten mit einer günstigen Ausgangssituation häufiger mit Antidementiva behandelt werden, ist es nicht verwunderlich, wenn sie seltener an einem Herzinfarkt erkranken oder sterben. Tatsächlich werden Antidementiva vor allem bei milderen Demenzformen eingesetzt.

Peter Nordström von der Universität Umeå ist sich dieser Fallstricke sicherlich bewusst. Er hat versucht, mögliche Verzerrungen zu vermeiden, indem er Alter, Geschlecht, Art der Demenz, Pflegestufe, Begleitmedikation und -erkrankungen in der Auswertung berücksichtigt, was natürlich nur soweit möglich ist, wie die Daten im Register auch erfasst werden.

Am Ende bleibt eine deutliche Reduktion des Herzinfarkt- und Sterberisikos übrig: Demenzpatienten, die mit einem Cholinesterase-Inhibitor behandelt wurden, erkrankten zu 38 Prozent seltener an einem Herzinfarkt (Hazard Ratio HR 0,62; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,40-0,92). Das Sterberisiko war um 36 Prozent vermindert (HR 0,64, 0,54-0,76).

Die protektive Wirkung stieg mit der Dosis der Medikamente an, was in epidemio­logischen Studien ein Hinweis auf eine Kausalität ist. Auch hier sind die Auswirkungen deutlich: Patienten, die 10 mg/die Donepezil, mehr als 6mg/die Rivastigmin oder 24 mg/die Galantamin erhielten, hatten ein um 65 Prozent vermindertes Herzinfarktrisiko und ein um 44 Prozent vermindertes Sterberisiko.

Nach den Berechnungen von Nordström könnten die Cholinesterase-Inhibitoren die Zahl der Herzinfarkte von 475 auf 295 pro 100.000 Patienten mit einer Alzheimerdemenz senken, eine Differenz von 180 pro 100.000 Patienten im Jahr. Die Zahl der Todesfälle würde sogar von 3.125 auf 2.000 pro 100.000 Patienten sinken, eine Differenz von 1.125 pro 100.000 Patienten im Jahr.

Ein möglicher Wirkungsmechanismus ist der erhöhte Vagotonus, der sich günstig auf die Herzfunktion auswirkt. Experimentelle Studien weisen laut Nordström auf anti-entzündliche Eigenschaften der Cholinesterase-Inhibitoren hin.

© rme/aerzteblatt.de

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