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Multiple Sklerose: Erste klinische Ergebnisse mit antigen-gekoppelten Immunzellen

Donnerstag, 6. Juni 2013

Hamburg – Eine neuartige Therapie, die das Immunsystem von Patienten mit multipler Sklerose „überreden“ soll, die Autoimmunattacken auf die Myelinscheiden von Nerven­zellen im Zentralnervensystem einzustellen, hat sich in einer Phase-I-Studie als sicher erwiesen. Die in Science Translational Medicine (2013; 5: 188ra75) vorgestellten Ergebnisse deuten auf die mögliche Induktion einer Immuntoleranz hin, die zu weiteren klinischen Studien berechtigt.

Niemand weiß, warum bei einigen Menschen die T-Zellen des Immunsystems beginnen, körpereigene Strukturen anzugreifen. Die Folge kann eine chronische Autoimmun­erkrankung mit gravierenden Folgen für die Gesundheit sein. Bei der multiplen Sklerose richtet sich der Angriff der T-Zellen gegen verschiedene Antigene auf den Myelin­scheiden der Nervenzellen im Zentralnervensystem.

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Verschiedene Forschergruppen suchen derzeit nach Wegen, das Immunsystem dazu zu bringen, die Antigene als körpereigen zu akzeptieren und die Immunattacken zu stoppen. Eine Möglichkeit, eine Immuntoleranz zu erzeugen, könnte darin bestehen, das Immun­system vorsichtig mit den Antigenen zu konfrontieren.

Der Immunologe Stephen Miller von der Feinberg School of Medicine in Chicago hat hierzu in jahrzehntelanger Arbeit ein Therapiekonzept entwickelt, das nach erfolgreichen tierexperimentellen Studien jetzt erstmals am Menschen erprobt wurde. Miller schlägt vor, die Antigene an Immunzellen des peripheren Blutes zu koppeln. Das Team um Roland Martin vom Institut für Neuroimmunologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat hierzu ein Verfahren entwickelt.

Für die Therapie werden den Patienten zunächst per Leukozytapherese mononukleäre Zellen des peripheren Blutes entnommen. Im Labor werden sie dann chemisch mit Myelinpeptiden verbunden. Die modifizierten Zellen werden den Patienten dann wieder intravenös infundiert.

Die Therapie wurde in der ETIMS Studie (für: Etablierte Toleranz bei MS) an sieben Patienten mit schubförmig remittierender MS und zwei Patienten mit sekundär progredienter MS infundiert. Für die Studie wählten die Forscher sieben häufige Auslöser der Autoimmunreaktion bei der multiplen Sklerose aus. Alle Patienten erhielten eine einzelne Infusion mit allen Antigenen, doch die Dosierung der Antigene war unterschiedlich.

Die Therapie war nicht ohne Risiko, da die Gabe von Antigenen bei der bekannten „Sensibilisierung“ der T-Zellen durchaus eine überschießende Immunantwort auslösen oder den Verlauf der Autoimmunerkrankung beschleunigen könnte. Dies ist jedoch offenbar nicht geschehen. Die sorgfältige Untersuchung der Patienten mit Kernspin­tomographie und Labortests ergab keinen Hinweis auf eine Verstärkung der Immunreaktion.

Im Gegenteil: Bei den Patienten, die die höheren Dosierungen erhalten hatten (mehr als eine Milliarde antigen-gebundene Zellen) gab es Hinweise auf eine Verminderung der antigen-spezifischen T-Zell-Antworten. Ob sich dies positiv auf den Verlauf der Erkran­kung auswirkt, lässt sich nach kurzer Zeit und angesichts der kleinen Zahl von Probanden noch nicht sagen.

Die Autoren sehen sich jedoch zu einer Anschlussstudie veranlasst, die demnächst in der Schweiz beginnen soll. Miller selbst gibt der Therapie nur eine Chance, wenn sie frühzeitig im Verlauf der Erkrankung begonnen wird. Die Therapie könne nur das Fortschreiten der Erkrankung stoppen, einmal eingetretene Schäden jedoch nicht wieder reparieren, meint der Forscher. © rme/aerzteblatt.de

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