Politik

Bessere Vernetzung bei der Versorgung von ZNS-Kranken nötig

Donnerstag, 6. Juni 2013

Essen/Berlin – Eine bessere Vernetzung von Ärzten, die Patienten mit Demenz und anderen psychischen Erkrankungen betreuen, haben Ärzte bei der Eröffnung des 11. Jahrestreffens der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP) am 5. Juni in Essen gefordert. Unterstützung erhielten sie von der nordrhein-westfälischen Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, Barbara Steffens (Bündnis 90/Die Grünen). Die Ministerin betonte bei der Kongresseröffnung, dabei müsse die Regel „ambulant vor stationär“ gelten.

„Gerade in der Versorgung von Patienten mit demenziellen Erkrankungen benötigen wir kooperative Versorgungsstrukturen, welche die Krankenkassen auch bezahlen“, sagte der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN), Frank Bergmann, bei der Kongresseröffnung. Er forderte, besonders Hausärzte sollten mehr als bisher bei der Versorgung der Demenzkranken mitwirken.

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„Sie müssen dies professionell und in enger Kooperation mit Neurologen, Nervenärzten, Psychiatern, Gerontopsychiatern und Geriatern tun“, so Bergmann. Solche vernetzten Versorgungsstrukturen sollten immer auf die Erfordernisse und die vorhandenen Strukturen in den Regionen aufbauen. Wichtig sei dabei, auch die Krankenhäuser einzubinden. „In der Gestaltung regionaler Behandlungspfade müssen die sektoralen Grenzen durchlässiger werden“, betonte der BVDN-Chef.

Demografie: Sozialsysteme nicht vorbereitet
In Deutschland leben augenblicklich rund 1,4 Millionen Demenzkranke. Ihre Zahl wird in den kommenden Jahren weiter steigen und Prognosen zufolge in drei bis vier Jahr­zehnten bei rund 2,8 Millionen liegen. Die Sozialsysteme sind aber nur unzureichend auf die tiefgreifenden demografischen Veränderungen sowie die veränderten Lebens­konzepte der Menschen eingestellt. Das betonte die neue Ehrenvorsitzende der DGGPP, Regina Schmidt-Zabel. „So geht es definitiv nicht weiter!“ mahnte die ehemalige gesundheits- und behindertenpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion.

Ambulante Versorgungsnetze aus Fachärzten, Therapeuten und festen Anlaufstellen können die Behandlung von psychisch Kranken verbessern und gleichzeitig Geld einsparen. Das berichtete Klaus Rupp von der Abteilung Versorgungsmanagement der Techniker Krankenkasse auf dem Hauptstadtkongress „Medizin und Gesundheit“. Bei einem Projekt der Kasse habe sich der psychische Zustand der Patienten innerhalb von eineinhalb Jahren deutlich gebessert, so Rupp.

„Schwer kranke Menschen, die früher praktisch ausschließlich stationär behandelt wurden, haben von unserem Angebot besonders profitiert. Klinikaufenthalte zu vermeiden, kommt vor allem der Lebensqualität zugute“, sagte er. Darüber hinaus habe das Versorgungsnetz die Krankenhausausgaben für diese Patienten halbiert. © hil/aerzteblatt.de

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