Politik

2011 war für Krankenhäuser ein schwieriges Jahr

Donnerstag, 6. Juni 2013

Berlin ­ – Nach zwei vergleichsweise guten Jahren für die deutschen Krankenhäuser hat sich deren Situation im Jahr 2011 wieder verschlechtert. Das befanden die Autoren des „Krankenhaus Rating Reports 2013“, der heute auf dem Hauptstadtkongress in Berlin vorgestellt wurde. Drei Viertel von 887 untersuchten Krankenhäusern hatten demnach im Jahr 2011 ein geringes Risiko, innerhalb eines Jahres insolvent zu werden. In den beiden Vorjahren waren es noch mehr als vier Fünftel gewesen. 11,3 Prozent der untersuchten Krankenhäuser hatten im Jahr 2011 erhebliche Probleme, Kredite zu erhalten und somit ein erhöhtes Risiko, im Folgejahr insolvent zu werden. 2010 lag dieser Wert noch bei 7,1 Prozent.

„Nach einer spürbaren Verbesserung der wirtschaftlichen Lage zwischen 2008 und 2010 war damit die Situation wieder ähnlich schwierig wie 2008“, heißt es in dem Report. Grund dafür seien unter  anderem die Neueinstellungen im Personalbereich gewesen – mit einem Anstieg von 1,7 Prozent die höchsten innerhalb der vergangenen zehn Jahre, erklärte Sebastian Krolop von dem Beratungsdienstleister Accenture, einer der Autoren der Studie. Im ärztlichen Bereich nahm die Zahl der Vollkräfte 2011 dabei um 3,6 Prozent zu, im Pflegebereich um zwei Prozent und im medizinisch-technischen Dienst um 4,1 Prozent. Im nicht-medizinischen Bereich sank die Zahl der Mitarbeiter hingegen um 3,5 Prozent.

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Investitionsfähigkeit verschlechtert
Auch die Investitionsfähigkeit der Krankenhäuser hat sich dem Report zufolge im Jahr 2011 verschlechtert. Waren im Vorjahr noch 57 Prozent der Häuser voll investitionsfähig, sank ihre Zahl 2011 auf 40 Prozent. Die Anzahl der Häuser, die nicht aus eigener Kraft investieren konnten, stieg hingegen von 34 auf 43 Prozent.

Krolop zufolge standen die Krankenhäuser in Ostdeutschland wesentlicher besser da als die Häuser im Westen. Insbesondere im Süden und im Norden gebe es massive Probleme. So wiesen 47 Prozent der Krankenhäuser in Baden-Württemberg im Jahr 2011 einen Jahresverlust aus, 41 Prozent in Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie 40 Prozent in Nordrhein-Westfalen. In Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern erwirtschafteten hingegen nur knapp 17 Prozent einen Jahresverlust.

Trägerspezifische Unterschiede im Osten geringer
Im Gegensatz zu den privaten sei es den öffentlich-rechtlichen und den freigemein­nützigen Krankenhäusern zwischen 2008 und 2011 nicht gelungen, ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern, heißt es in dem Report. Der große Unterschied der Trägerschaften sei allerdings ein westdeutsches Phänomen. In Ostdeutschland seien nur geringe trägerspezifische Unterschiede feststellbar. 2011 erzielten dem Report zufolge 40 Prozent der kommunalen Krankenhäuser einen Jahresüberschuss von mindestens einem Prozent. Bei den freigemeinnützigen waren es 45 und bei den privaten 87 Prozent.   

Insgesamt sei der Zeitraum von 2005 bis 2011 durch eine starke Mengendynamik geprägt, schreiben die Autoren des Reports. Die Zahl stationärer Fälle nahm um elf Prozent zu, die DRG-Erlöse um 29 Prozent. Ein Haus sei dabei wirtschaftlich umso erfolgreicher, je mehr es sich spezialisiert habe, erklärte Krolop.

Die Krankenhauskapazitäten haben sich dem Report zufolge 2011 gegenüber dem  Vorjahr nur wenig verändert. So blieb die Zahl der Betten nahezu unverändert bei 502.000; die Zahl der Krankenhäuser verringerte sich um ein Prozent auf 2.045. Private Krankenhäuser konnten ihren Marktanteil leicht von 15,9 auf 16,3 Prozent erhöhen. Der Marktanteil öffentlich-rechtlicher Häuser sank von 49,7 auf 49,3 Prozent, der Anteil freigemeinnütziger Häuser stagnierte bei 34,4 Prozent.

Die Anzahl der Krankenhausträger sank hingegen weiter ab, 2011 lag sie bei 1.121 – 1995 waren es noch 1.598 gewesen. Auch die Zahl der Einzelkrankenhäuser, die nicht Teil einer Kette sind, sank weiter, von 54,7 Prozent im Jahr 1995 auf 38,5 Prozent im Jahr 2011. In den vergangenen zwei Jahren sei die Anzahl der Trägerwechsel weniger geworden, so Krolop. „Wir gehen aber davon aus, dass das künftig wieder an Fahrt zunehmen wird.“

Studienautoren für Reduzierung von Krankenhäusern
Die Autoren des Rating Reports sprechen sich für eine Reduzierung von Kranken­häusern in Deutschland aus: „Die im internationalen Vergleich großzügige Versorgungs­dichte in Deutschland bietet ideale Voraussetzungen für eine Bündelung der knappen Ressourcen auf weniger, aber größere Leistungserbringer. Dies wäre effizienter als die Verteilung auf viele kleine, gerade in den Bundesländern mit einer besonders schwierigen wirtschaftlichen Lage ihrer Krankenhäuser.“

Der Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, Matthias Blum, kritisierte die These, die dramatische wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser sei ein Ausdruck eines Überangebotes an Krankenhäusern und die Marktbereinigung sei eine Lösungsstrategie.  „Wie hoch soll die Arbeitsverdichtung denn noch werden?“, fragte Blum. Zudem seien die Krankenhäuser zu Stoßzeiten, zum Beispiel während einer Grippewelle, „rappelvoll“ und jedes Bett werde gebraucht. Und jedes Krankenhaus, das im Krankenhausplan stehe, sei nach rechtlicher Lage auch „erforderlich“. Wie solle man denn eine Auslese vornehmen?  

„Ich lese im Krankenhaus Rating Report, dass die Ökonomie über allem steht“, kritisierte Blum. Man könne der Ökonomie aber nicht alles andere unterordnen. Denn es gehe mehr als um Geld.  

„Mir macht Sorge, dass die Frage, woher die Investitionsmittel für die Krankenhäuser kommen sollen, seit 35 Jahren zwischen Bund und Ländern hin und her geschoben wird“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführer bei dem kommunalen Krankenhaus­träger Vivantes, Joachim Bovelet. Die Politik müsse dazu verpflichtet werden, ihrer Finanzierungspflicht nachzukommen.  Zudem habe er das Gefühl, der Leistungsdruck beim Personal sei an einem Grenzwert angekommen, der nicht überschritten werden dürfe. © fos/aerzteblatt.de

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