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Kognitive Psychotherapie hilft Opfern von Vergewaltigungen

Donnerstag, 6. Juni 2013

Baltimore – Eine Nicht-Regierungsorganisation hat im Kongo ein Programm zur Betreuung von Frauen gestartet, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Die Ergebnisse einer Studie im New England Journal of Medicine (2013; 368: 2182-2191) zeigen, dass die verwendete Form der Gruppentherapie äußerst effektiv ist.

Sexuelle Gewalt ist in Kriegsregionen häufig. Im Osten des Kongos, wo seit mehr als zwei Jahrzehnten Bürgerkrieg herrscht, gaben in einer früheren Umfrage 40 Prozent aller Frauen an, eine oder mehrere Vergewaltigungen erlebt zu haben. Die Hilfsorganisation International Rescue Committee – vor 80 Jahren zur Hilfe von Flüchtlingen vor dem Naziregime gegründet – kümmert sich um die Opfer.

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Dabei setzt das Team auf die „Cognitive Processing Therapy“ (CPT). Es handelt sich um eine Variante der kognitiven Verhaltenstherapie, die von der US-Psychiaterin Patricia Resick 1988 speziell für die Betreuung von Vergewaltigungsopfern entwickelt wurde – heute aber auch bei anderen Formen der posttraumatischen Belastungsstörung eingesetzt wird.

Die aus 12 Sitzungen bestehende Therapie verbindet konfrontative mit kognitiven Therapietechniken. Zunächst schildern die Frauen ihre Erlebnisse, dann werden die damit verbundenen, unangemessenen Überzeugungen analysiert. Viele Vergewaltigungsopfer neigen zu Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen, die nicht nur am Selbstbewusstsein nagen (und über die damit verbundenen Erinnerungen die posttraumatische Belastungsstörung chronifizieren). Die Opfer ziehen sich häufig auch sozial zurück oder werden von den Familien gemieden, was das psychische Trauma weiter verstärkt. Die CPT versucht, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, was ihr nach den Ergebnissen der Studie zu urteilen auch gelingt.

Judith Bass von der Bloomberg School of Public Health in Baltimore und Mitarbeiter hatten die Patienten aus 16 Dörfern inmitten der Bürgerkriegsregion (dorfweise) entweder auf 12 Sitzungen einer CPT (die erste als Einzeltherapie, die anderen als Gruppensitzung) oder auf das Angebot einer persönlichen Unterstützung ohne Psychotherapie randomisiert. Die Psychotherapie wurde von geschulten Laien (Paraprofessionals) durchgeführt. In einem Dorf musste das Programm wegen Zweifeln an der Kompetenz des Paraprofessionals abgebrochen werden, so dass am Ende 157 Frauen aus 7 Dörfern die CPT angeboten wurde, während 248 Frauen aus den anderen 8 Dörfern die Vergleichsgruppe bildeten.

Die Wirkung der Therapie wurde mittels anerkannter psychologischer Tests am Ende der Therapie und sechs Monate danach überprüft. Wie Bass berichtet, senkte die CPT den Anteil der Frauen, die an Depressionen oder Angstzuständen litten von 71 Prozent (vor der Therapie) auf 9 Prozent (bei der Nachuntersuchung nach 6 Monaten). In der Kontrollgruppe sank der Anteil dagegen nur von 84 auf 42 Prozent. Ähnlich gute Ergebnisse wurden im Endpunkt PTSD erzielt. Das International Rescue Committee wertet die Ergebnisse als Erfolg. Die Hilfsorganisation teilte mit, dass sie die CPT heute regelmäßig anbiete. Allein in den letzten 12 Monaten habe man mehr als 2500 Frauen und Mädchen im Osten des Kongo helfen können.

Dass die Therapie auch in den Industrieländern benötigt wird, zeigt eine Schätzung des US-Justizministeriums aus dem Jahre 2006, wonach in den USA eine von sechs Frauen und einer von 33 Männern im Verlauf ihres Lebens zum Opfer einer Vergewaltigung oder eines Vergewaltigungsversuchs werden. © rme/aerzteblatt.de

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