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Stillen beschleunigt Entwicklung von Myelinscheiden

Montag, 10. Juni 2013

Providence – Kinder, die in den ersten drei Monaten ausschließlich gestillt wurden, zeigten in einer Studie in NeuroImage (2013; doi: 10.1016/j.neuroimage.2013.05.090) eine raschere Entwicklung von Myelinscheiden im Gehirn als Kinder, die frühzeitig mit Babynahrung gefüttert wurden.

Schon vor 70 Jahren war den US-Forschern Carolyn Hoefer und Mattie Hardy aus Chicago aufgefallen, dass gestillte Kinder in den ersten Lebensjahren einen Entwicklungsvorsprung haben (JAMA 1929; 92: 615-619). Es folgte eine Serie von epidemiologischen Studien mit ähnlichen Ergebnissen.

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Osteuropäische Studien
Zuletzt hatte Wieslaw Jedrychowski von der Jagiellonen-Universität in Krakau an einer Kohortenstudie gezeigt, dass der Intelligenzquotient steigt, wenn die Kinder gestillt werden, wobei der Vorteil mit der Dauer des Stillens zunimmt (auf bis zu 3,8 Punkte bei mehr als 6 Monate Brustnahrung; European Journal of Pediatrics 2012; 171: 151-8). In einer Studie aus Weißrussland betrug der Vorteil sogar 5,9 Punkte für den Gesamt-IQ und 7,5 Punkte für die verbale Intelligenz (Archives of General Psychiatry 2008; 65: 578-584).

Dass die Unterschiede in Osteuropa besonders deutlich waren, mag mit der schlechteren Qualität der Babynahrung (zur damaligen Zeit) dort zusammenhängen. Viele Ernährungsexperten sind jedoch von dem prinzipiellen Vorteil der Muttermilch (oder der mit dem Stillen verbundenen emotionalen Bindung) für die Hirnentwicklung überzeugt.

Dass tatsächlich ein Effekt vorhanden sein könnte, illustriert jetzt eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Brown University im US-Staat Rhode Island. Das dortige Advanced Baby Imaging Lab verfügt über einen Kernspintomographen, der so leise ist, dass Säuglinge und Kleinkinder im Schlaf untersucht werden können, was mögliche Artefakte durch Bewegungen vermeidet.

An der jüngsten Untersuchung nahmen 133 Kinder teil. Alle waren nach einer normalen Gestationszeit gesund zur Welt gekommen. Alle stammten aus Familien mit einem ähnlichen sozioökonomischen Hintergrund. Die einzigen Unterschiede betrafen die Art der Nahrung in den ersten drei Monaten. Einige Kinder waren voll gestillt worden, bei anderen hatten die Mütter früh begonnen, zuzufüttern und in der dritten Gruppe hatten die Säuglinge ausschließlich Babynahrung erhalten.

Die Auswirkungen waren auf den kernspintomographischen Aufnahmen zum mcDESPOT-Protokoll erkennbar, das die Myelinbildung anzeigt. Myelin ist eine lipidreiche Biomembran, mit der die Axone der Nervenzellen im Gehirn ummantelt sind und die die Nervenleitgeschwindigkeit verbessert. Die Myelinscheiden werden erst nach der Geburt gebildet, und die spezielle Zusammensetzung der Muttermilch könnte hier einen Einfluss haben.

Vorteil für gestillte Kinder
Tatsächlich war auf Bildern, die Sean Deoni im Alter der Kinder von 10 Monaten bis vier Jahren anfertigte, ein Vorteil der voll gestillten Kinder erkennbar. Die Entwicklung der Myelinscheiden erfolgte laut Deoni zu 20 bis 30 Prozent schneller als bei den teilge­stillten oder ausschließlich mit Babynahrung gefütterten Kindern. Auch in den kognitiven Tests, die Deoni bei den älteren Kindern durchführte, erzielten die gestillten Kinder die besten Ergebnisse.

Ein „wasserdichter“ Beweis sind die Ergebnisse von Deoni freilich nicht. Wie in den epidemiologischen Studien lässt sich nicht ganz ausschließen, dass die gestillten Kinder auf anderen Gebieten Vorteile hatten (Mutter-Kind-Bindung, Umwelteinflüsse). Für einen wissenschaftlichen Beweis müsste eine größere Gruppe von Kindern auf ein Stillen durch die Mutter oder eine Ersatznahrung randomisiert werden, um dann die Kinder bis zum Grundschulalter oder darüber hinaus immer wieder zu untersuchen. © rme/aerzteblatt.de

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