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Barmer GEK fordert Verlängerung von Zwangsabschlag und Preismoratorium

Dienstag, 11. Juni 2013

Berlin – Die Barmer GEK hat im Jahr 2012 vier Milliarden Euro für Arzneimittel ausge­geben und damit 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Das geht aus dem Arzneimittelreport 2013 hervor, den die Krankenkasse heute in Berlin vorgestellt hat. Insgesamt wurden den 9,1 Millionen Versicherten der Barmer GEK 76,7 Millionen Packungen Arzneimittel verordnet, das sind 8,4 Packungen pro Versichertem. Frauen erhielten dabei mit 9,1 Packungen etwas mehr als Männer (7,4 Packungen).

2012 sei im Arzneimittelbereich ein durchaus zufriedenstellendes Jahr gewesen, kommentierte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größter Kasse, Rolf-Ulrich Schlenker. Ursächlich für die kaum gestiegenen Ausgaben seien insbesondere das Preismoratorium und der erhöhte Zwangsrabatt für die Hersteller gewesen, die seit dem 1. August 2010 gelten.

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Auch mit den Rabattverträgen habe die Barmer GEK 300 Millionen Euro einsparen können. Die Wirkung des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) im Bereich der neuen Arzneimittel sei hingegen noch gering. Mit eingesparten 120 Millionen Euro in zwei Jahren seien noch keine echten Effekte eingetreten, so Schlenker.

Für die Zukunft malte der Kassenvorstand ein düsteres Bild, sollte die Politik Preis­moratorium und Zwangsabschlag nicht über das Jahr 2013 hinaus verlängern. Denn würden beide Maßnahmen entfallen, rechne er mit einer Ausgabensteigerung im Arzneimittelbereich von neun bis zehn Prozent im Jahr 2014. Um dies zu verhindern, forderte Schlenker die Verlängerung von Moratorium und Abschlag um mindestens fünf Jahre. Während dieses Zeitraums könnten weitere Einsparungen durch Nutzenbe­wertungen von Arzneimitteln aus dem Bestandsmarkt greifen.

Kritik an AMNOG-Neuerung
Schlenker kritisierte die kurzfristig in ein laufendes Gesetzgebungsverfahren aufge­nommene Modifizierung des AMNOG-Verfahrens, die am vergangenen Freitag vom Bundestag beschlossen worden war. Bislang musste der Hersteller den Zusatznutzen seines neuen Arzneimittels gegenüber der günstigsten zweckmäßigen Vergleichstherapie beweisen, wenn der Gemeinsame Bundesausschuss mehrere Vergleichstherapien ausgewählt hatte. Nun kann er die Vergleichstherapie frei auswählen. „Das kam für uns alle etwas überraschend“, bemerkte Schlenker. Welche Auswirkungen diese Neure­gelung in der Praxis haben werde, sei allerdings noch nicht abzusehen. Wahrscheinlich sei allerdings, dass es zu Verteuerungen kommen werde.  

Die Bedeutung des Bestandsmarktes für weitere Einsparungen im Arzneimittelbereich unterstrich auch einer der Autoren des Reports, Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik. „Knapp 20 Prozent der Arzneimittelausgaben der Barmer GEK entfielen im Jahr 2012 auf Me-too-Präparate“, erklärte er. Deshalb sei eine Prüfung des Bestands­marktes dringend überfällig.

Des Weiteren entfielen dem Report zufolge 35 Prozent der Ausgaben, jedoch nur 2,5 Prozent der verordneten Tagesdosen, auf Spezialpräparate, also auf Arzneimittel, die in der Regel zunächst in klinischen Zentren und Spezialambulanzen eingesetzt werden, zum Beispiel in der Onkologie oder Rheumatologie. In vielen Fällen seien die Ausgaben für diese Präparate gewiss berechtigt, meinte Glaeske. Hier wüchsen die Kosten jedoch schneller als die Nutzennachweise.

Generikaquote noch weiter steigern
Drei Viertel der verordneten Tagesdosen entfielen darüber hinaus auf Generika – und damit drei Prozent mehr als im Vorjahr. „Hier wollen wir aber nicht stehenbleiben“, sagte Schlenker und kündigte an, die Generikaquote auf 85 Prozent steigern zu wollen. Um dies zu erreichen, werde die Barmer GEK im Sommer die nächste Ausschreibungswelle von Rabattverträgen starten.

Dieses Mal will die Kasse jedoch auf ein Mehrpartnermodell setzen, also Verträge mit mehreren Herstellern abschließen. Denn dadurch lasse sich sowohl die Rabattquote als auch die Verfügbarkeit steigern. Andere große Kassen, wie die AOK oder die Techniker Krankenkasse, setzen bereits seit längerem auf das Mehrpartnermodell. 

In dem Report wurde auch das Verordnungsverhalten nach Regionen untersucht. Dieses sei sehr unterschiedlich, sagte Glaeske. Denn während Ärzte in vielen Regionen Ostdeutschlands, zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Sachsen, Arzneimittel im Wert von über 400 Euro pro Versichertem verordneten, lagen die Arzneimittelausgaben insbesondere Baden-Württemberg und Bayern unter 310 Euro.

Der Unterschied zwischen den  höchsten und den niedrigsten Ausgaben lag Glaeske zufolge bei 50 Prozent „Warum das so ist, können wir immer noch nicht besonders gut interpretiere“, sagte der Bremer Pharmakologie. Da die Zahlen nach Alter und Geschlecht standardisiert seien, bleibe als Erklärung für die Unterschiede nur die Reaktion der Ärzte auf die unterschiedliche Morbiditätsbelastung in den Regionen.

Zudem wies Glaeske einmal mehr auf die Gefahren der Polypharmazie insbesondere bei älteren Menschen hin. Denn ein Drittel der Versicherten über 65 Jahre habe 2012 täglich fünf Arzneimittel oder mehr einnehmen sollen. Im Durchschnitt würden Patienten dieses Alters täglich 7,3 Wirkstoffe verordnet. © fos/aerzteblatt.de

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