Medizin

Fußball: Hirnschäden durch häufige Kopfbälle

Dienstag, 11. Juni 2013

New York – Kopfballstarke Freizeitkicker riskieren, am Ende ihrer Karriere unter Erinnerungs­problemen zu leiden. Eine Studie in Radiology (2013, doi: 10.1148/radiol.13130545) fand jetzt Hinweise auf Nervenfaserrisse im Gehirn, die mit schlechteren Leistungen in Gedächtnistests verbunden waren.

Ein durchschnittlicher Fußballspieler kommt in einem Wettkampfspiel 12 Mal zum Kopfstoß. Nimmt man das Training hinzu, so ergeben sich pro Jahr schnell mehrere hundert Aufprälle auf den Kopf. Jeder Kopfstoß für sich genommen ist zwar ungefährlich, in der Summe kann es jedoch zu Schädigungen an den Axonen kommen. Hirnforscher können diese Nervenfasern heute im Kernspintomographen sichtbar machen.

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Sie bedienen sich dazu der sogenannten Diffusions-Tensor-Bildgebung. Sie misst die Bewegung von Wassermolekülen im Gehirn. Sie ist überall dort vermindert, wo Zellmem­branen den Weg versperren. Mittels der fraktionalen Anisotropie lassen sich die Verläufe der einzelnen Nervenfasern im Gehirn darstellen. Wenn Axone zerstört werden, nimmt die fraktionale Anisotropie ab.

Genau dies war bei den Kopfball-Spezialisten unter den 37 Amateur-Kickern der Fall, die Michael Lipton vom Albert Einstein College of Medicine in New York untersucht hat. Die im Durchschnitt 31 Jahre alten Teilnehmer hatten im Durchschnitt seit 22 Jahren in ihrer Freizeit und zuletzt regelmäßig Fußball gespielt. Im letzten Jahr hatten sie zwischen 32 und 5.400 Kopfbälle absolviert.

Bis zu einem Schwellenwert von etwa 885 bis 1.550 Kopfstößen konnte Lipton keine Auffälligkeiten entdecken. Darüber kam es dann zu einem Rückgang der fraktionalen Anisotropie, deren Ausmaß Lipton mit einer leichten Hirnverletzung vergleicht. Die Schäden waren vor allem im Temporal- und Okzipitallappen, also hinten lokalisiert. Dies entspricht durchaus dem Coup-Contre-coup-Mechanismus, wonach sich Hirn­verletzungen häufig auf der dem Aufprall gegenüberliegenden Seite zeigen.

Messbare Folgen für die Hirnfunktion hatte dies erst ab einer Zahl von etwa 1.800 Kopfbällen im letzten Jahr. Ab diesem Schwellenwert schnitten die Teilnehmer schlechter in Gedächtnistests ab. Lipton spricht sich nicht für ein Verbot von Kopfbällen aus, er rät den etwa 265 Millionen Freizeitkickern, die es weltweit geben soll, jedoch, die Zahl der Kopfstöße einzuschränken. © rme/aerzteblatt.de

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