7.928 News Medizin

Medizin

Onkologische Medikamente mit hohem erwartbaren Nutzen müssen effektiver geprüft werden

Donnerstag, 13. Juni 2013

Chicago – Für die Prüfung und Zulassung von Medikamenten gegen Krebserkrankungen sind neue Strategien erforderlich: Substanzen, von denen Daten aus klinischen Studien einen erheblichen Nutzen für Patienten erwarten lassen, sollten in speziellen Koopera­tions­programmen zwischen Zulassungsbehörden und Unternehmen weiterentwickelt werden. Auch sollten rascher und häufiger Kombinationstherapien in die klinische Prüfung gelangen, um schneller auf das Unwirksamwerden von Substanzen durch Resistenzentwicklungen reagieren zu können.

Das war Tenor bei der 49. Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago. „Die Ära der Anwendung zielgerichteter Therapien hat Anfang des Jahrtausends mit dem Tyrosinkinaseinhibitor (TKi) Imatinib für die Behandlung gastrointestinaler Stromatumoren und der chronischen myeloischen Leukämie (CML) begonnen“, sagte der mit dem Science auf Oncology Award ausgezeichnete Charles L. Sawyers vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center in New York.

Anzeige

„Bei praktisch allen seither zugelassenen zielgerichteten Medikamenten sind Resistenz­entwicklungen aufgetreten, auf die wir rascher als bisher reagieren müssen“, sagte Sawyers. Er gilt als einer der Pioniere von Behandlungen, die nach Biomarkern stratifiziert erfolgen, indem er die Veränderungen von Signalwegen durch das für die CML ursächliche Genprodukt Bcr-Abl erforschte. Die Tki Bcr-Abl wird durch Imatinib gehemmt.

„Es gibt zahlreiche substanzspezifische Mutationen, die sich in Tierversuchen antizipieren lassen“, sagte Sawyers. „Solche Forschungen in Kombination mit der Entwicklung von Gegenstrategien durch drug design sollten früh in der Medikamentenentwicklung beginnen. Für die Krebstherapie sollten wir aus der Behandung chronischer Infektionen lernen, dass häufig Substanzkombinationen erforderlich sind, um die Entwicklung resistenter Klone zu verhindern und ein schnelles Ansprechen zu erreichen.“ Das durch Zulassungsverfahren und Finanzierung bisher geförderte Procedere sei aber, einzelne Substanzen gegen den Therapiestandard zu testen.

Der bei der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA für Hämtologie und Onkologie verantwortliche Richard Pazdur hat über ein seit Juli 2012 laufendes Programm zur Prüfung von Substanzen, von denen ein medizinischer Durchbruch erwartet wird. Gemeinsam mit der FDA und den Firmen werden Konzepte zur Prüfung der entschei­denden Fragestellungen inklusive dr in-vitro-Diagnostik entwickelt.

Aufgenommen werden Substanzen, die entweder eine erste Therapieoption überhaupt sein könnten oder die deutlich bessere Effekte als bisherige Medikamente erwarten lassen. Von zwanzig Substanzen, denen der Sonderstatus seither zugesprochen wurde, sind acht für die Onkologie. © nsi/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
7.928 News Medizin

Nachrichten zum Thema

16.05.13
Melanom: Neue Immunmedikamente beeindrucken vor ASCO-Tagung
New York/New Haven – Die Krebstherapie setzt zunehmend auf die Mitarbeit des Immunsystems. Als viel versprechender neuer Angriffspunkt erweist sich der Rezeptor PD-1, dessen Ausschaltung die...
18.04.13
Leipzig – In einer der weltweit größten klinischen Studien, die jemals beim fortgeschrittenen Magenkrebs durchgeführt wurde, konnte der monoklonale Antikörper Cetuximab die Ergebnisse einer...
04.03.13
Leipzig – Krebsbehandlungen im Kopf-Hals-Bereich besser planen und steuern als bisher können HNO-Ärzte in Leizig jetzt mit einem neuen computergestützten Tumorboard. Die Basis dafür bildet eine...
22.02.13
Münster – Ein Forschungsnetz namens PROVABES gegen das Ewing-Sarkom haben Wissenschaftler aus fünf europäischen Ländern gebildet. „PROVABES“ steht für „Prospektive Validierung von Biomarkern bei...
14.02.13
New York – Eine Radiojodresistenz, die beim metastasierten Schilddrüsenkarzinom die Prognose deutlich verschlechtert, kann mit einem neuen Wirkstoff möglicherweise überwunden werden. Erste klinische...
21.12.12
Sheffield – Britische Forscher haben eine neue Krebstherapie entwickelt. Bei der Makrophagen-basierten Virotherapie werden Abwehrzellen der Patienten als trojanische Pferde benutzt, um tödliche Viren...
03.12.12
Rochester – Die Einnahme des Diabetesmedikamentes Metformin könnte sich günstig auf den Verlauf von Krebserkrankungen auswirken. In einer retrospektiven Studie in Cancer (2012; doi:...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in