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Keine Krebsgefahr durch Gentherapie-Virus

Montag, 17. Juni 2013

Heidelberg – Adeno-assoziierte Viren, die in der Gentherapie als Genfähre eingesetzt werden, integrieren sich nur selten und ungezielt ins menschliche Erbgut. Die Gefahr, dass sie dort ein Krebswachstum anstoßen, ist nach den Ergebnissen einer Studie in Nature Medicine (2013; doi: 10.1038/nm.3230) verschwindend gering.

Die Gentherapie behandelt Erbkrankheiten, indem sie die korrekte Version eines defekten Gens in menschliche Zellen einschleust. Dies ist mit Viren möglich, die Zellen infizieren und dabei die Genfracht in der Zelle abladen. Anfangs wurden Retroviren favorisiert. Da diese sich dauerhaft im Erbgut festsetzen, könnte eine einmalige Gentherapie ein Erbleiden auf Dauer heilen.

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Allerdings mussten die Wissenschaftler feststellen, dass sich Retroviren nicht zufällig ins Erbgut integrieren. Sie haben eine „Vorliebe“ für bestimmte Onkogene, die dann neben dem gewünschten Gen vermehrt abgelesen werden. Vor einigen Jahren erkrankten in Frankreich nach der zunächst erfolgreichen Gentherapie eines angeborenen Immun­defekts (SCID-X1) mehrere Kinder an einer Leukämie.

Der niederländische Hersteller uniQure führt die Gentherapie deshalb mit Adeno-assoziierten Viren (AAV) durch. Anfänglich hieß es, dass die Viren, entfernte Verwandte des Erkältungsvirus, nicht ins Erbgut gelangen. Sie sollten die Gene im Zytoplasma ablegen. Im Herbst letzten Jahres hat die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA erstmals mit Glybera eine Gentherapie auf der Basis eines AAV zugelassen. Das Virus transpor­tiert das Gen für die Lipoproteinlipase in die Zellen. Die Gentherapie kann einen angeborenen Mangel des Enzyms, die Lipoproteinlipase-Defizienz (LPLD) lindern. Nach einer intramuskulären Injektion übernehmen Muskelzellen die Produktion des Enzyms Lipoproteinlipase.

Inzwischen steht aber fest, dass AAV ebenfalls, wenn auch selten, ihre Spuren im Erbgut hinterlassen. Der Hersteller hat deshalb mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg untersucht, ob sich daraus ein Krebsrisiko ergibt. Ein Team um den Molekularbiologen Manfred Schmidt untersuchte mehrere Millionen Muskelzellen von fünf Patienten. In den meisten Fällen hatte das Viruserbgut als eigene Struktur im Zellplasma überdauert. Ein Einbau ins menschliche Erbgut erfolgte nur selten und was wichtiger ist vollkommen ungezielt. Die Gefahr, dass es zum Krebswachstum kommt, sei deshalb praktisch ausgeschlossen, glauben die Forscher.

Für den Hersteller sind die Ergebnisse der Studie eine gute Nachricht. uniQure möchte die AAV-Plattform zur Behandlung weiterer Erkrankungen benutzen. In der Entwicklung ist eine Gentherapie des Morbus Huntington. Die Gentherapie soll hier ein RNA-Inter­ferenz-Gen in die Zellen schleusen. Es soll das Htt-Gen ausschalten, das die unheilbare neuro-degenerative Erkrankung auslöst. Weitere Projekte der Gentherapie sind Hämophilie B, die akute intermittierende Porphyrie, der Morbus Parkinson und  das Sanfilippo-Syndrom. © rme/aerzteblatt.de

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