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Sucht im Alter: Drogenbeauftragte nimmt Ärzte in die Pflicht

Mittwoch, 19. Juni 2013

Berlin - Durch die demografische Entwicklung gewinnt das Thema Alkohol- und Arzneimittelmissbrauch bei den über 60-Jährigen zunehmend an Bedeutung, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, anlässlich der Jahrestagung „Unabhängig im Alter – Sucht im Alter“. Sucht im Alter sei sowohl in der Gesellschaft als auch in der Medizin ein unterschätztes Problem.

Dyckmans sieht in erster Linie Ärzte, Apotheker, Krankenkassen sowie kommunale und kirchliche Einrichtungen in der Pflicht, ältere Menschen dort anzusprechen und aufzu­klären, wo sie leben. „Gerade Ärzte sind für ältere Menschen oftmals der erste Ansprechpartner. Deshalb ist die Chance,  ältere Menschen tatsächlich zu erreichen, in einer Praxis besonders groß“, sagte sie.

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Vor allem bei Arzneimitteln haben Ärzte aus der Sicht der Drogenbeauftragten eine große Verantwortung gegenüber ihren Patienten. Sie müssten bereits bei der ersten Verschreibung den Patienten die Risiken und Nebenwirkungen des verschriebenen Arzneimittels aufzeigen und nicht auf den Beipackzettel verweisen.

Beipackzettel oft unverständlich
Dieser sei vor allem für ältere Menschen oft unverständlich. Hier sieht Dyckmans Defizite. Ärzte müssten deshalb besser für die besondere Problematik sensibilisiert und für den Umgang mit älteren Menschen mit Alkohol- und Arzneimittelabhängigkeit geschult werden.

Dass Handlungsbedarf besteht, zeigt eine aktuelle Studie des Robert-Koch Instituts. Demnach ist der riskante Alkoholkonsum im Alter besonders unter Männern verbreitet. 34,4 Prozent der Männer im Alter von 65 bis 79 Jahren konsumieren Alkohol in riskanter und damit gesundheitsschädlicher Weise, bei Frauen sind es 18 Prozent. 22,5 Prozent der Männer und 7,5 Prozent der Frauen in dieser Altersgruppe trinken sich mindestens einmal im Monat in einen Rausch.

Psychotrope Medikamente, wie opioidhaltige Schmerzmittel, Benzodiazepine und Z-Drugs, werden der Studie zufolge grundsätzlich eher von Frauen konsumiert (Frauen: 5,2 Prozent, Männer: 3,4 Prozent). Bei Frauen ab 60 Jahren steigt der Konsum auf 11,5 Prozent an. Insgesamt geht man in Deutschland nach Angaben Dyckmans von 1,4 bis 1,9 Millionen Menschen mit einer Arzneimittelabhängigkeit aus, ein großer Teil davon sollen Ältere sein.

„Übermäßiger Alkohol- und Medikamentenkonsum gefährdet nicht nur die Gesundheit im Alter, sondern auch ein selbstständiges, selbstbestimmtes und aktives Leben“, sagte Dyckmans: „Studien zeigen aber, dass auch ältere Menschen sehr gute Chancen haben, erfolgreich von Alkohol oder Arzneimitteln entwöhnt zu werden“. Diejenigen, die es geschafft haben, würden häufig ein großes Stück an Lebensqualität zurückgewinnen. © wul/aerzteblatt.de

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