Politik

„Pflege-Bahr“ laut PKV-Verband stark nachgefragt

Donnerstag, 20. Juni 2013

Berlin – Als „großen Erfolg“ hat gestern der Vorsitzende des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV), Reinhold Schulte, die staatlich geförderte Pflege­zusatzversicherung bezeichnet, besser bekannt als „Pflege-Bahr“.

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„Eine Sonderumfrage unter unseren Mitgliedsunternehmen hat ergeben, dass Ende Mai bereits über 125.000 Menschen einen Fördertarif abgeschlossen hatten. Da aktuell jeden Tag etwa 1.000 neue Anträge hinzukommen, steuern wir inzwischen sogar schon die Marke von 150.000 Verträgen an“, sagte Schulte auf der Mitgliederversammlung seines Verbandes.

Dabei belegten die Daten noch einen weiteren, sehr erfreulichen Trend: Die geförderte Pflegezusatzversicherung werde besonders stark von jungen Leuten im Alter zwischen 25 und 35 Jahren abgeschlossen. Schulte: „Das freut mich ganz besonders. Denn je früher man mit der Vorsorge beginnt, desto geringer ist der Beitrag und desto höher ist die Leistung.“

Wer beim Start mit 20 Jahren eine geförderte Pflegeversicherung für nur zehn Euro Eigenbeitrag abschließe, könne mit der staatlichen Förderung in Höhe von fünf Euro eine monatliche Leistung von knapp 2.000 Euro absichern – „also mehr als das Dreifache der gesetzlich definierten Mindestleistung in Höhe von 600 Euro“.

Scharfe Kritik an der Stiftung Warentest
Überhaupt kein Verständnis hat der Vorsitzende des PKV-Verbandes für die Kritik der Stiftung Warentest am Pflege-Bahr: „Wenn als Testmaßstab eine Art Vollkaskoschutz in der Pflege angelegt wird, dann hat dies mit der Realität nichts zu tun“, betonte Schulte. Es sei erklärtermaßen niemals die Absicht der Politik, eine Pflege-Vollkaskoversicherung zu schaffen; nicht in der gesetzlichen Pflegepflichtversicherung und auch nicht in der geförderten Pflegezusatzversicherung.

Zudem seien in dem Test ein „Golf“ (staatlich gefördert für 19 Euro monatlich) mit einem „Mercedes“ (nicht gefördert für 55 Euro monatlich) verglichen worden. Schulte: „Wenn durch Testberichte letztlich bei den Menschen der Eindruck entsteht, es sei besser, gar nicht vorzusorgen, dann laden die Verfasser eine schwere Verantwortung auf sich, über die sie noch einmal nachdenken sollten.“

Die Stiftung Warentest hatte die Pflegezusatzversicherung in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest schlecht bewertet.

Wer eine private Zusatzversicherung für den Pflegefall abschließt, bekommt seit Jahresbeginn unter bestimmten Voraussetzungen monatlich fünf Euro Zuschuss vom Staat für eine Pflege-Tagegeldversicherung. Die Regierung will damit mehr Anreize für die private Pflegevorsorge geben, weil die gesetzliche Pflegeversicherung im Pflegefall nur einen Teil der Kosten abdeckt.

Die geförderten Tarife sind laut der Stiftung Warentest nicht zu empfehlen, wenn es darum geht, die finanzielle Lücke zu schließen. Die Reform mit dem Pflege-Bahr „löst das Absicherungsproblem der weit überwiegenden Zahl der Verbraucher“ nicht, schrieb Finanztest-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen. © JF/aerzteblatt.de

Leserkommentare

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Steffen0703
am Dienstag, 24. September 2013, 15:28

Pflegebahr

Hallo zusammen,

die Pflegebahr Versicherung hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil dieser Pflegezusatzversicherung ist, dass es hier keine Gesundheitsfragen gibt wie bei ungeförderten Tarifen. Das heisst also, dass auch die Personen einen Möglichkeit haben sich abzusichern, die aufgrund der Gesundheitsfragen zuvor abgelehnt wurden. Der Nachteil ist aber, da die Höher der Absicherungssumme nicht ausreicht, um eine Pflege finanzieren zu können. Somit muss man immer noch auf sein privat Vermögen zurückgreifen.
Eine Alternativer hierzu ist eine Kombination aus gefördertem und ungefördertem Tarif oder dem reinen ungeförderten Tarif.
Durch die Kombination eines geförderten und eines ungeförderten Tarifes kann man die staatliche Förderung nutzen und sich zugleich besser absichern. Mehr informationen findet man unter http://www.safe-kapital.de . Bei einer solchen Kombination fallen jedoch auch wieder Gesundheitsfragen an. Wer dies alles nicht möchte kann auch auf einen herkömmlichen Pflegezusatztarif zurückgreifen. Diese werden in flexible und starre Tarife unterteilt. Bei einem flexiblen Tarif können alle Leistungen individuell ausgewählt werden. Bei einem starren Tarif kann nur der Tagessatz für Pflegestufe III ausgewählt werden. (Alle anderen Pflegestufen werden prozentual abgerechnet.
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 22. Juni 2013, 12:10

"Du bist das Pflaster für meine Pflege"

Gerade mal 1 % der Befragten will in den kommenden zwölf Monaten eine private Pflegezusatzversicherung (Pflege-Bahr) abschließen. Eine "Schöne, neue private Pflegewelt" haben sich da die Versicherungswirtschaft und unsere Schwarz-Gelbe Regierungskoalition zusammen gezimmert. Nur, um dem FDP-Wahlergebnis bei der Bundestagswahl im September 2013 aufhelfen zu wollen.

Der „große Erfolg“, von dem der Vorsitzende des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV), Reinhold Schulte (Signal-Iduna), beim staatlich geförderten „Pflege-Bahr“ spricht, bricht wie ein Kartenhaus zusammen. Angesichts von gut 80 Millionen Bundesbürgern gerade 150.000 Neuverträgen schönreden zu wollen, zeugt von illusionärer Verkennung und unsinnigen Durchhalteparolen im Versicherungsgewerbe, das wegen der Europäischen Niedrigzinspolitik eh' schon auf dem Zahnfleisch geht. Vgl.
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/w_specials/special-versicherungen/?sid=840975

Eine trügerische Illusion: Fünf Euro monatlich/60 Euro jährlich Staatszuschuss wären angesichts der aktuellen G e s e t z l i c h e n Pflegeversicherung in Abhängigkeit von Pflegestufe I-III mit monatlichen Höchstsätzen als geldwerte Leistungen von 450 EUR Stufe 1 / 1.100 EUR Stufe 2 / 1.550 EUR Stufe 3 bei D i r e k t zahlung ein "Tropfen auf den heißen Stein". Aber diese 5 Euro wandern auch noch umständlich als Zuschuss in eine z u s ä t z l i c h e private Pflegezusatzversicherung und finanzieren damit nur zum Teil Kontrahierungszwang und Verwaltungskosten der Versicherungskonzerne, b e v o r irgendeine Versicherungsleistung fließt. Und da die Pflegestufe III nur bei "sozialverträglichem Frühableben" gewährt wird, schließt sich der Kreis.

Der Versicherungsfall darf und soll möglichst nie eintreten, damit sich die Versicherungswirtschaft, neben Hotelgewerbe und Banken Lieblingsklientel der kleinen FDP, gesund stoßen kann. Und die privaten Zusatzpolicen, die jetzt schon ab 60 Euro pro Monat aufwärts beginnen, werden in den nächste Jahren noch massiv steigen. Trostpflaster für die Pflege!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
leser-mario
am Freitag, 21. Juni 2013, 20:04

Vergleichsmaßstab fehlt

Wieviele Verträge wären denn ohne den Pflegebahr abgeschlossen worden? Das wäre doch einmal interessant zu wissen. Wahrscheinlich fast genauso viel. Ein Zuschuss von 5 Euro ist aus meiner Sicht auch eher lächerlich. Hier http://www.pflegeversicherung-heute.de/pflegeversicherung-test/ sieht man noch einmal, dass ungeförderte Varianten im Test sogar teilweise besser abschneiden. Die Riester Rente hat vorgemacht, was der Pflege-Bahr weiterführt.
Herz1952
am Freitag, 21. Juni 2013, 12:38

Weder "Fisch noch Fleisch"

Bereits vor dem Beitrag von Herrn Tenhagen habe ich mich intensiv mit diesem Thema beschäftigt und ich muß ihm leider Recht geben. Eine private (nicht geförderte) Pflegetagegeldversicherung ist leider bei Niereninsuffiezienz nicht mehr möglich. In der Werbung der PKV für solche Versicherungen wird nicht einmal darauf hingewiesen, daß eine Gesundheitsprüfung gefordert wird, das erfährt man erst, wenn das Antragsformular geschickt wird und ob man sich verseichern kann, erst nach Rücksendung des Antrages, bzw. ich habe gleich telefonisch nachgefragt. Dann war diese Sache erledigt.

Bei "Pflegebahr" kann man zwar nicht abgewiesen werden, hat aber eine fünfjährige Wartezeit und muß obendrein im Pflegefall die Beiträge noch weiterzahlen.

Diejenigen, die es nötig haben sich abzusichern, müßten auch einen hohen Tagesgesldsatz wählen und können dies aber aufgrund ihrer finanziellen Lage nicht zahlen. Andere mit genügend Einkommen brauchen sich nicht so hoch abzusichern und kommen auch noch in den Genuß niedrigerer Beiträge. Die monatlichen 5 Euro Zuschuß sind weniger als der "Tropfen auf den heißen Stein."

Wenn laut PKV eine hohe Nachfrage besteht, heiß das auch noch lange nicht, daß auch ausreichend Verträge abgeschlossen werden. Das ganze klingt nach starker "Selbstbeweihräucherung" der PKV.

Die Begriffe "Selbstverantworung/Eigenverantwortung" sind mindestens in diesem Zusammenhang eine Farce. Der einzelne kann nicht wissen, ob es für ihn sinnvoll ist oder nicht, bzw. kann es nicht "stemmen" wenn es soweit kommt. Die Versicherungen haben es dabei leichter. Sie können es nach dem "Gesetz der großen Zahl" berechnen, die für den einzelnen keinerlei Bedeutung hat.

In der Ärztezeitung wird dieses Thema auch kritischer behandelt, als hier im Ärzteblatt. Dort habe ich leider keine Berechtigung für Kommentare, da ich ein "medizinischer Laie" bin. Ich kann aber dem Kommentar dort von Hr. Dr. Schätzler voll zustimmen.

Im übrigen habe icht mir schon in den 70-iger Jahren über dieses Thema Gedanken gemacht, weil eine Arbeitskollegin für die Pflege ihrer Mutter verwantwortlich war. Ich bin damals zu dem Entschluß gekommen, es müßte eine Pflichtversicherung geben, die einen solchen Fall voll abdeckt, weil niemand so recht daran denken will. Wenn dann unter dem Strich vom Gehalt zu wenig übrigbleibt, kann man - vielleicht - über die Lebens- bzw. Familienplanung noch steuern. Von mir aus zahle ich auch für die, dies eigenlich nicht nötig hätten noch mit.

Das gleiche gilt übrigens auch für die Rente (Riester). Bei der Einführung hat mir ein Generalvertreter einer Versicherung auch "zugeflüstert", dass diejenigen, die es nötig hätten, sich das nicht leisten können.

Zu sagen, ich brauche den Staat nicht, empfinde ich als falschen Stolz, der evtl. sogar dazu führt, ihn im Alter erst recht zu brauchen. Schließlich ist jeder (ehrliche) auch für den Staat da, und der kann dann auch erwarten, dass der Staat für ihn da ist.Und von wegen "Vollkasko"-Mentalität, das sagen meistens diejenigen, die ihre Luxuswagen "VK" versichert haben.
Senbuddy
am Donnerstag, 20. Juni 2013, 22:27

Den Herrn Tenhagen von Finanztest...

...kann man sowieso in vielen Dingen nicht so ganz ernst nehmen. Der ist halt Politikwissenschaftler und hat eher ideologische als sachliche Gründe, Finanzprodukte zu loben oder abzuwerten. Er war früher ja sogar bei der taz...

Und es doch gut, dass es bei den privaten Krankenversicherungen endlich mal was gibt, was nicht überteuert ist und wo man nicht aus Gesundheitsgründen abgelehnt werden kann.

Viele Grüße
S.
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