Medizin

Wie Silber die Wirkung von Antibiotika verstärkt

Donnerstag, 20. Juni 2013

Boston – US-Forscher haben herausgefunden, wie Silber die Wirkung von Antibiotika verstärkt und das Spektrum einiger Mittel auf gram-negative Keime erweitert. Dem Bericht in Science Translational Medicine (2013; 5: 190ra81) zufolge wird auch eine Wirkung gegen resistente Keime und Biofilme erzielt.

Silber blickt auf einen langen Einsatz in der Medizin zurück. Schon Hippokrates empfahl das kostbare Metall zur Wundheilung. Noch im ersten Weltkrieg – vor der Entdeckung der Antibiotika – wurde es bei der Versorgung von Verletzten eingesetzt. Die FDA hat vor einigen Jahren silberbeschichtete Tuben für Beatmungsgeräte zugelassen, nachdem der Hersteller nachweisen konnte, dass sie die Rate von Pneumonien senken. Das Team um Ruben Morones-Ramirez vom Wyss Institute in Boston hat jetzt den Wirkungs­mecha­nismus entdeckt.

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Silber hat danach eine doppelte Wirkung. Zum einen steigert es die Permeabilität der Zellwand, was in den Laborexperimenten unter anderem zur Folge hatte, das Vanco­mycin in Gegenwart von Silber gram-negative Bakterien abtötet, die normalerweise nicht empfindlich auf das Antibiotikum reagieren.

Zum zweiten greift Silber den Stoffwechsel der Bakterien an. Es fördert die Bildung von Sauerstoffradikalen, die auch sogenannte Persister-Bakterien abtöten, die den Angriff anderer Antibiotika überstanden haben. Silber erleichterte in den Experimenten der Forscher auch das Eindringen der Antibiotika in Biofilme, die sich auf der Oberfläche von Kathetern bilden und dem Angriff der Antibiotika häufig widerstehen.

In den in-vitro-Experimenten verstärkte Silber die Wirkung von Antibiotika wie Genta­mycin, Ofloxacin und Ampicillin gegen E. coli um den Faktor 10 bis 1.000. Morones-Ramirez behandelte dank Silber Harnwegsinfektionen bei Mäusen erfolgreich mit Antibiotika wie Tetrazykline, die normalerweise nicht gegen E. coli aktiv sind. Eine lebensgefährliche Peritonitis wurde zu 90 Prozent kuriert, wenn die Mäuse neben Vancomycin auch Silber erhielten. Ohne Silber überlebten nur 10 Prozent der Tiere. 

Toxikologische Studien ergaben, dass die eingesetzten Silbermengen den Tieren nicht schaden. Auch an menschlichen Zellkulturen wurden keine Schädigungen beobachtet. Ob ein Einsatz von Silber beim Menschen aber sicher wäre, müsste noch in klinischen Studien geprüft werden. Zu den Nebenwirkungen von Silber, die heute in Vergessenheit geraten sind, früher aber häufiger beobachtet wurden, gehört die Argyrie: eine grau-bläuliche Verfärbung von Haut und Schleimhäuten infolge einer dauerhaften Einlagerung von Silbersulfit in der Epidermis.

Im Januar 2000 musste der Hersteller St. Jude Medical aus St.Paul/Minnesota mit silberbeschichtete Herzklappen vom Markt nehmen, da es infolge der toxischen Wirkung von Silber auf den Herzmuskel zu paravalvulären Lecks gekommen war. Silberionen sind manchmal auch in Lebensmitteln, Kosmetika oder Produkten des täglichen Bedarfs enthalten, um das Wachstum von Keimen und (beispielsweise bei Socken) die Geruchsbildung zu unterdrücken. Das Bundesinstitut für Risikobewertung steht der Verwendung von Silber in Konsumartikeln kritisch gegenüber. © rme/aerzteblatt.de

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