Politik

Unabhängige Patientenberatung: Jahresbericht zeigt Probleme auf

Montag, 1. Juli 2013

Berlin – Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) hat erstmals ihren Jahres­bericht „Monitor Patientenberatung“ vorgelegt. Auf der Basis von mehr als 75.000 Beratungsgesprächen zwischen April 2012 bis März 2013 liefert er Hinweise auf mögliche Schwachstellen und häufige Problemkonstellationen im Gesundheitssystem. Er dient zur Information für den Patientenbeauftragten der Bundesregierung nach § 65b Sozial­gesetzbuch V und soll künftig einmal jährlich veröffentlicht werden. 

In die systematische, aber nicht repräsentative Auswertung der anonym geführten Beratungen wurden dreierlei Aspekte mit einbezogen: die Häufung bestimmter Themen und Inhalte, die Dokumentation von Problemlagen durch die Berater sowie die Doku­mentation expliziter Beschwerden vonseiten der Ratsuchenden.  Nach dem Bericht zeichnen sich dabei fünf große Beratungsschwerpunkte ab: Fragen zu Patientenrechten, Behandlungsfehler, Anfragen zu Zahngesundheit, der Bereich psychischer Erkrankungen sowie das Thema Krankengeldbezug.

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„In der Beratung sehen wir, dass viele Patienten ihre Rechte nicht kennen“, sagte Sebastian Schmidt-Kaehler, Geschäftsführer der UPD. Einen selbstbewussten Umgang mit Ärzten und Krankenkassen trauten sich viele Ratsuchenden auch nicht zu.

Insgesamt verzeichnete die UPD mehr als 14.500 Beschwerden von Patienten. Sie beziehen sich vor allem auf niedergelassene Ärzte und gesetzliche Krankenkassen. Gut jede dritte Beschwerde betraf dabei Patientenrechte. Dieses Thema führt mit fast 10.600 Beratungen auch die Liste der Beratungsschwerpunkte an. Dabei ging es vor allem um das Recht auf Einsichtnahme in Krankenunterlagen, gefolgt von Beratungen zu unangemessenen Verhaltensweisen etwa durch Ärzte und Krankenkassen. So gaben Ratsuchende beispielsweise an, sich durch Fallmanager der Krankenkassen bedrängt zu fühlen, berichtete Schmidt-Kaehler.

Ein weiterer Schwerpunkt der Beratung war mit fast 6.800 Kontakten der Verdacht auf Behandlungsfehler. Besonders häufig betraf dies Therapien  von Hüft- und Kniege­lenksarthrosen sowie zahnmedizinische Behandlungen. So war in mehr als 5.100 Fällen der Zahnarzt Auslöser für die Kontaktaufnahme mit der UPD. In den Gesprächen ging es dabei neben Fragen zu Behandlungsfehlern und Patientenrechten vor allem um die Rechtmäßigkeit von Geldforderungen gegenüber Patienten.

Grundlage für patientenorientierte Qualitäts­sicherungsmaßnahmen
„Der Bericht ist eine hervorragende Grundlage für patientenorientierte Qualitäts­sicherungsmaßnahmen für Krankenkassen und Ärzteschaft“, sagte der Patienten­beauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller. „Ich kann nur empfehlen, ihn auch so zu verstehen und die eigene Arbeit an den angesprochenen Punkten einmal kritisch zu hinterfragen." Zöller berichtete, er habe bereits konstruktive Gespräche mit verschie­denen Organisationen des Gesundheitswesens zu den Ergebnissen des ersten UPD-Jahresberichts geführt. Als positives Beispiel führte er die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung an.

Deren Vorstandsvorsitzender Jürgen Fedderwitz erklärte: „Wir haben jährlich rund 60 Millionen vertragszahnärztliche Behandlungen. Wenn die UPD nun 1.165 Patienten­beschwerden ausweist, ist das zunächst einmal wenig. Aber wir wollen zufriedene Patienten, und jeder unzufriedene Patient ist einer zu viel.“ Der „Monitor Patienten­beratung“ sei eine wertvolle Chance, die Zufriedenheit der Patienten mit der Beratung und Behandlung weiter zu verbessern.

Zöller wies zudem darauf hin, dass bei den Beratungen der UPD eher selten Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) thematisiert wurden, nämlich nur in rund 1.100 Gesprächen. „Die Ärzteschaft sollte alles unternehmen, auf die schwarzen Schafe, die es nach wie vor gibt, zu ächten“, sagte der Patientenbeauftragte. Ziel sei, dass es in diesem Bereich „keine Ausrutscher“ mehr gebe. © KBr/Rie/aerzteblatt.de

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Thelber
am Dienstag, 23. Juli 2013, 18:32

Wir sollen schwarze Schafte "achten" ??

Ächten ist wohl gemeint. So klingt das eher unsinnig.

Das ist natürlich richtig. Vielen Dank für den Hinweis! Redaktion DÄ
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