Medizin

Repromedizin: Phthalate mindern IVF-Erfolg

Montag, 8. Juli 2013

Boston – Die in Plastikgegenständen, aber auch in Kosmetika und manchen Medika­menten enthaltenen Phthalate gefährden den Erfolg der In-Vitro-Fertilisation (IVF). Dies geht aus der Studie einer US-Klinik hervor, die auf der Jahrestagung der European Society of Human Reproduction and Embryology vorgestellt wurde.

Phthalate sind in den Industrieländern allgegenwärtig. Da die vor allem als Weichmacher eingesetzten Zusatzstoffe im Plastik nicht kovalent gebunden sind, werden sie leicht freigesetzt. Durch orale Aufnahme oder Inhalation gelangen sie in den menschlichen Körper. Es war deshalb nicht verwunderlich, dass Irene Souter vom Fertility Center des Massachusetts General Hospital in Boston bei allen untersuchten 231 Frauen Phthalat-Metabolite im Urin nachweisen konnte.

Anzeige

Erstaunlich war, dass deren Konzentrationen mit mehreren Parametern für einen Miss­erfolg einer IVF korrelierten. So kam es bei Frauen im obersten Quartil der Phthalat-Exposition doppelt so häufig zum Implantatversagen – keine Einnistung des künstlich befruchteten Embryos im Uterus – als bei den am wenigsten exponierten Frauen.

Auch die Zahl der Eizellen, die nach einer hormonellen Stimulation aus dem Ovar entnommen werden konnten, nahm mit steigender Phthalat-Exposition ab. Die Erfolgs­rate der Fertilisation im Reagenzglas selbst oder der folgenden Entwicklung des Embryos, die beide außerhalb des Körpers erfolgen, wurden dagegen nicht durch die Phthalat-Exposition vermindert.

Die Ergebnisse stützen nach Ansicht Souters die gesundheitlichen Bedenken, die in den letzten Jahren gegen Phthalate geäußert wurden. Als endokrine Disruptoren sollen sie die Entwicklung der männlichen Geschlechtsorgane (Verkürzung der anogenitalen Distanz) stören, im späteren Leben wurden sie mit Adipositas und Typ 2-Diabetes sowie bei Frauen mit Brustkrebs in Verbindung gebracht, allerdings nicht von allen Experten.

Fest steht aber, dass die Phthalate im heutigen Alltag kaum vermeidbar sind. Um die Exposition zu mindern, sollte man die Verwendung von stark parfümierten Pflege­produkten meiden, rät Souter. Beim Aufbewahren von Nahrungsmitteln sollten keine Plastikbehälter verwendet und schon gar nicht das Essen in ihnen erwärmt werden. Beim Einkauf von Spielzeug sollte man auf phthalatfreie Produkte achten. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

19.09.16
Ministerium bereitet zentrales Samenspender­register vor
München – Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) arbeitet an gesetzlichen Regelungen für ein zentrales Samenspenderregister. Das sagte eine Ministeriumssprecherin dem Nachrichtenmagazin Focus. Noch in......
19.09.16
BGH: Vaterschaft für Embryonen kann nicht anerkannt werden
Karlsruhe – Ein deutscher Samenspender ist mit dem Anliegen gescheitert, sich als Vater von Embryonen anerkennen zu lassen, die in Kalifornien mit seinem Sperma künstlich gezeugt wurden und in einer......
14.08.16
IVF mit kryokonservierten Embryonen häufiger erfolgreich
Jinan – Die meisten Repromediziner bevorzugen bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) „frische“ Embryonen. In einer randomisierten Studie aus China konnte der Kinderwunsch von Frauen mit polyzystischem......
04.08.16
Hamburg – Ein Hamburger Kinderwunschzentrum muss keinen Unterhalt für ein Mädchen bezahlen, das aus einer künstlichen Befruchtung hervorgegangen ist. Das Landgericht Hamburg wies heute die Klage eines......
03.08.16
Sydney – Mit 63 Jahren hat eine Frau in Australien nach künstlicher Befruchtung ihr erstes Kind zur Welt gebracht und damit eine Debatte über späte Schwangerschaften ausgelöst. Das Mädchen kam acht......
21.07.16
IVF: Langzeitstudie sieht kein erhöhtes Brustkrebsrisiko
Amsterdam – Der kurzfristige intensive Einriff in den Hormonhaushalt, der mit der In-vitro-Fertilisation (IVF) verbunden ist, hat in einer großen Langzeitstudie im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA......
12.07.16
München – Der Bayerische Landesfrauenrat hat mehr Hilfen zur Verwirklichung eines Kinderwunsches gefordert. So müssten reproduktionsmedizinische Möglichkeiten sowie deren Erfolgschancen und -risiken......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige