Medizin

Künstliche Befruchtung: Kein erhöhtes Krebsrisiko im Kindesalter

Dienstag, 9. Juli 2013

London – Die Zeugung im Reagenzglas geht nicht mit einem erhöhten Krebsrisiko im Kindesalter einher. Dies zeigen zwei Kohortenstudien, die auf der Jahrestagung der European Society of Human Reproduction and Embryology in London vorgestellt wurden. In einer Studie war allerdings die Rate von seltenen Lebertumoren erhöht.

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Die In-vitro-Fertilisation (IVF) bringt zwar die Gene aus mütterlicher Eizelle und väterlichen Samenzellen zusammen, sie verändert diese aber nicht. Es kommen auch keine Chemikalien zum Einsatz, die im Erbgut des Embryos die Entwicklung einer Krebserkrankung fördern könnten. Die hormonelle Stimulation vor der Eizellgewinnung, die Präparation der Samenzellen und auch die Kryokonservierung könnte jedoch sogenannte epigenetische Veränderungen am Erbgut hervorrufen, die zwar die Gene intakt lassen, die spätere Aktivierung jedoch möglicherweise stören.

Dies könnte theoretisch die Bildung von Tumoren fördern. Die Frage eines möglichen Krebsrisikos war deshalb immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Zuletzt hatte Susanne Krüger Kjaer von der Dänischen Krebsgesellschaft in einer Meta-Analyse in Fertility and Sterility (2013; 100; 150-161) ein um 33 Prozent erhöhtes Krebsrisiko ermittelt.

Dem widerspricht jetzt Carrie Williams vom Institute of Child Health am University College London, die die Daten von mehr als 100.000 Kindern, die zwischen 1992 und 2008 in Großbritannien per IVF gezeugt wurden, mit dem National Registry of Childhood Tumours abgeglichen hat. Sie ermittelte insgesamt 108 Krebserkrankungen, die bis zum Alter von 17 Jahren aufgetreten waren.

Die Inzidenz lag damit aber nicht über der in dieser Altersgruppe zu erwartenden Zahl von 109,7 Krebserkrankungen. Williams untersuchte auch die Inzidenzen der einzelnen Krebsarten. Dabei stieß sie auf eine erhöhte Zahl von Lebertumoren (6 statt der erwarte­ten 1,83).  Sollte die IVF tatsächlich die Bildung von Lebertumoren fördern, wäre mit 5,9 zusätzlichen Erkrankungen auf 1 Million Personen-Jahre dieses im Kindesalter sehr seltenen Tumors zu rechnen.

Es könnte sich jedoch auch um einen Zufallsbefund handeln, zumal die ebenfalls in London vorgestellten Ergebnisse der CoNARTaS-Kohortenstudie keinen Hinweis auf ein erhöhtes Krebsrisiko liefern. Die Studie verglich 92.809 IVF-Kinder mit der gleichen Zahl von natürlich gezeugten Kindern aus drei nordischen Ländern. Die Rate von Krebs­erkrankungen war in beiden Gruppen gleich. Auch bei den Leukämien trat keine Häufung bei den IVF-Kindern auf. © rme/aerzteblatt.de

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