Medizin

Nervenschrittmacher lindert Cluster-Kopfschmerz

Mittwoch, 17. Juli 2013

Lüttich – Durch die gezielte Neuro-Stimulation des Ganglion sphenopalatinum konnten in einer randomisierten klinischen Studie zwei von drei Patienten ihre Cluster-Kopfschmerzen abstellen, wie das Team in Cephalalgia (2013; 33: 816-30) berichtet.

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Das Ganglion pterygopalatinum, das sich in der gleichnamigen Fossa pterygopalatina an der Schädelbasis befindet, ist eine Umschaltstation des parasympathischen Nervensystems. Eine Beteiligung am Cluster-Kopfschmerz wird seit längerem vermutet, zumal die Injektion eines Lokalanästhetikums die Kopfschmerzattacken häufig beenden kann.

Diese Therapie ist jedoch angesichts der häufigen, kurzen und vorhersehbaren Schmerzattacken kaum möglich. Die gleiche Wirkung kann mittels einer Elektrode erzielt werden, die in einem chirurgischen Eingriff zum Ganglion vorgeschoben und mit einem implantierten Steuergerät verbunden wird, das der Patient per Fernbedienung selbst aktivieren kann.

An der Universität Lüttich wurde diese Neuro-Stimulation des Ganglion sphenopalatinum jetzt in einer Pilotstudie an 28 Patienten mit Cluster-Kopfschmerz getestet. Die Therapie erwies sich als äußerst erfolgreich. Wie Jean Schoenen und Mitarbeiter berichten, konnten die Patienten in 67,1 Prozent der Attacken den Schmerz durch Anschalten des Gerätes lindern.

Wenn die Ärzte das Gerät (zum Zweck einer Placebo-Behandlung) deaktiviert hatten, wurden die Patienten nur bei 7,4 Prozent der Attacken schmerzfrei. Insgesamt 19 von 28 Patienten bekamen mit den Geräten ihre Kopfschmerzattacken in den Griff - was bei dem häufig schwer zu therapierenden Cluster-Kopfschmerz ein bemerkenswertes Ergebnis ist.

Dennoch müssen sich die Patienten mit Cluster-Kopfschmerz in Deutschland vorerst noch gedulden. Wirksamkeit und potenzielle Gefahren seien derzeit noch nicht genügend erforscht, warnt Stefan Evers vom Universitätsklinikum Münster, der in einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) dazu rät, die Ergebnisse der laufenden Studien abzuwarten.

Dort werde derzeit auch eine weniger invasive Alternative untersucht, bei der der Nervus vagus im Halsbereich stimuliert wird. Diese Therapie sei ohne einen chirurgischer Eingriff möglich, berichtet der Experte. In den USA sei bereits ein Vagusstimulator zugelassen, allerdings zu einer anderen Indikation (Behandlung schwerer, medikamenten-resistenter Depressionen). Das Gerät besitze keine keine CE-Kennzeichnung und könne deshalb in Deutschland in der Praxis noch nicht eingesetzt werden.

Evers nimmt derzeit an zwei Langzeitstudien mit rund 100 Patienten teil, die die Stimulation des Ganglion sphenopalatinum und des Vagusnervs bei chronischen Cluster-Kopfschmerzen und bei chronischer Migräne (einer weiteren möglichen Indikation) untersucht. Mit ersten Empfehlungen zur genauen Platzierung der Elektroden und zur optimalen Stromstärke sei in etwa einem Jahr zu rechnen, schätzt der Experte. © rme/aerzteblatt.de

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