Medizin

Arsen macht Reis genotoxisch

Dienstag, 23. Juli 2013

Manchester – Der regelmäßige Verzehr von mit Arsen belastetem Reis kann zu Chromo­somenschäden führen, die mit der Entstehung von Krebserkrankungen in Verbindung gebracht werden. Dies konnten britische Forscher in Nature Scientific Reports (2013; doi: 10.1038/srep02195) bei Bewohnern von Westbengalen nachweisen, für die Reis das Grundnahrungsmittel ist.

In vielen Reisanbaugebieten ist das Grundwasser mit Arsen belastet. Durch die Bewässerung gelangt das Halbmetall in die Reiskörner. Der auf dem Weltmarkt angebotene Reis ist mit 20 bis 900 µg/kg Arsen belastet. Der gelegentliche Verzehr, wie in der mitteleuropäischen Küche, gilt als unbedenklich.

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Anders ist die Situation für etwa 3 Milliarden Menschen, für die Reis ein Grund­nahrungsmittel ist. Ein Team um David Polya von der Universität Manchester und Ashok Giri1 vom CSIR-Indian Institute of Chemical Biology in Kalkutta hat jetzt erstmals die Auswirkungen des regelmäßigen Reiskonsums auf Zellen der Harnwege untersucht.

Die Studie wurde an 400 Menschen aus Westbengalen (der indische Bundesstaat grenzt westlich an Bangladesh) durchgeführt, die in einer Region wohnen, in der das Grundwasser kaum mit Arsen belastet ist. Die Einwohner nahmen mehr als 80 Prozent des Arsens über den Reisverzehr zu sich. Polya und Giri1 können jetzt zeigen, dass mit der Arsenbelastung im Reis die Zahl der Mikronuklei in den Chromosomen zunimmt.

Mikronuklei sind ein Zeichen für eine genotoxische Schädigung, die mit der Entstehung von Krebserkrankungen in Verbindung gebracht wird. Die Veränderungen waren nach Auskunft der Autoren genauso stark ausgeprägt wie in anderen Studien bei Bewohnern von Regionen mit einer erhöhten Arsenaufnahme über das Trinkwasser.

Die Studie belegt, dass Arsen im Reis beim Menschen genotoxisch wirkt. Der häufige Verzehr könnte Krebserkrankungen auslösen. Ob dies der Fall ist, und wie hoch das Risiko ist, kann jedoch nur in epidemiologischen Studien ermittelt werden. Nach Auskunft von Giri besteht auch für die Bewohner seines Heimatlandes kein Grund zur Panik. Die Untersuchung sollte aber die Regierungen in den Anbauländern motivieren, die Arsenbelastung beim Reisanbau zu vermindern, was nach Ansicht der beiden Wissenschaftler durchaus möglich wäre. © rme/aerzteblatt.de

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