Politik

Nationaler Aktionsplan gegen Virushepatitis vorgestellt

Mittwoch, 24. Juli 2013

Anzeige

Berlin – Mit dem „Aktionsplan für eine nationale Strategie gegen Virushepatitis in Deutschland“ wollen acht Institutionen die Bevölkerung für die Gefahren der Virushepatitis sensibilisieren sowie Vorschläge für Maßnahmen zu Prävention und Therapie unterbreiten. Ziel des Aktionsplans ist es dabei, Infektionen künftig zu vermeiden und bereits bestehende Infektionen zu erkennen und zu behandeln.

„In Deutschland sind mehr als eine Million Menschen von einer chronischen viralen Entzündung der Leber betroffen – davon sind über 500.000 Menschen mit dem Hepatitis B- und 400.000 bis 500.000 Menschen mit dem Hepatitis C-Virus infiziert“, heißt es in dem Aktionsplan. Jedes Jahr stürben zahlreiche Menschen an den Folgen einer Virushepatitis. Die Kosten durch die starke Verbreitung der Erkrankung seien enorm, aufgrund mangelnder Daten jedoch schwer zu beziffern.

„Es mangelt an einem Bewusstsein für die Gefahren sowie die Schutz- und Behand­lungsmöglichkeiten der Virushepatitis“, so die Autoren des Aktionsplans weiter. Vielen Menschen sei ihre Infektion nicht einmal bekannt. Und von den diagnostizierten Patienten erhalte nur eine Minderheit eine angemessene Behandlung.

Bislang zu wenig Aufklärung zu Virushepatitis
„In der Bundesrepublik Deutschland gibt es verschiedene staatlich unterstützte Institutionen, die das Ziel haben, die Bevölkerung über Gesundheitsrisiken aufzuklären. Aufklärung zu Virushepatitis wurde jedoch bislang nicht ausreichend in staatliche Aufklärungsprogramme aufgenommen“, kritisieren die acht Institutionen. Dies müsse dringend korrigiert werden, um Prävalenz und Inzidenz zu reduzieren. Ein wichtiges Instrument dafür sei die Untersuchung auf Hepatitisviren.

Da es Personenkreise gebe, die einem höheren Hepatitis-Virusinfektionsrisiko ausge­setzt sind oder waren, sollen die Zugangsmöglichkeiten und Angebote zur Testung den jeweiligen Gruppen angepasst werden. Die Zielgruppen des Aktionsplans sind neben der allgemeinen Öffentlichkeit Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen, die Drogen gebrauchen, inhaftierte Menschen und Männer, die mit Männern Sex haben.

Der Aktionsplan sieht insbesondere eine Steigerung des Bewusstseins für Virushepatitis und ihre Übertragungswege vor sowie die Aufklärung über Virushepatitis als Bestandteil staatlicher Gesundheitsprogramme, zudem einen Zugang zu einer leitliniengerechten Therapie für alle Patienten und eine Erhebung von aussagekräftigen Daten zur Häufig­keit von Virushepatitis und deren Krankheitsfolgen wie Leberzirrhose und Leberzellkrebs.

Es sei notwendig, Patienten und Ärzte besser über Krankheitsverlauf und Therapie­optionen aufzuklären und eine bedarfsgerechte Unterstützung der Betroffenen vor, während und nach der Therapie zu gewährleisten. Die Hepatitistherapie soll von qualifizierten Ärzten durchgeführt werden. Zudem müsse die ressourcenintensive Behandlung angemessen honoriert werden.  

Die Institutionen, die den Aktionsplan erarbeitet haben, sind die Deutsche Leberstiftung, die Deutsche Leberhilfe und das Aktionsbündnis "Hepatitis und Drogenbrauch", dem die Deutsche AIDS-Hilfe, der Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik, der JES-Bundesverband, der Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit und die Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin angehören.

© fos/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

03.06.16
Berlin – Die Ausgaben für Arzneimittel sind im ersten Quartal dieses Jahres um zwei Prozent auf neun Milliarden Euro angestiegen. Das geht aus Daten hervor, die das Dienstleistungsunternehmen IMS......
01.06.16
EMA: Neues Medikament erreicht alle Hepatitis C-Genotypen
London – Wenn die Europäische Kommission ihre Zustimmung erteilt, was zu erwarten ist, dann dürfte demnächst das erste Medikament eingeführt werden, dass gegen alle sechs Genotypen des Hepatitis......
31.05.16
Globale Strategie soll virale Hepatitis bis 2030 eliminieren
London – Bei der 69. World Health Assembly Ende Mai in London haben 194 Staaten einstimmig die erste Globale Strategie zur viralen Hepatitis (Global Viral Hepatitis Strategy) verabschiedet. Sie zielt......
12.05.16
Neu-Delhi – Das indische Patentamt hat dem Pharmaunternehmen Gilead Sciences ein Patent auf das Hepatitis C-Medikament Sofosbuvir (Sovaldi) gewährt. Mehrere Patientengruppen – Menschen, die mit......
19.04.16
London – Kann eine Behandlung der Hepatitis C zur Reaktivierung einer latenten Hepatitis B führen? Diesem Verdacht geht derzeit der Pharmakovigilanz-Ausschuss (PRAC) der Europäischen......
19.04.16
Viele Flüchtlinge und frühere Migranten haben Hepatitis B
Hannover – Die meisten Flüchtlinge, die im letzten Jahr nach Deutschland gekommen sind, sind nicht gegen Hepatitis B geimpft. Die Prävalenz aktiver Erkrankungen war allerdings nicht höher als bei......
25.02.16
Berlin – Eine konsequente Screeningstrategie für Hepatitis-C-Infektionen forderte gestern das als gemeinnützig anerkannte Leberhilfe Projekt gUG, das sich die Entwicklung von ganzheitlichen Strategien......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige