Politik

Schuldenerlass: Verbraucherschützer raten dringend zur Krankenversicherung

Dienstag, 30. Juli 2013

Düsseldorf – Menschen ohne Krankenversicherung sollten einen gesetzlichen Schuldenerlass nutzen und ab 1. August einer Krankenkasse beitreten. Dazu rät die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ NRW). Der Vorteil: Die Rückkehr in die Krankenversicherung ist für Betroffene ab diesem Zeitpunkt möglich, ohne bislang angehäufte Beitragsschulden bezahlen zu müssen. Das hatte der Bundestag Mitte Juni mit dem „Gesetz zur Beseitigung sozialer Überforderung bei Beitragsschulden in der Krankenversicherung“ beschlossen. Ab 2014 wird die Nachzahlung versäumter Beiträge dann wieder fällig.

Dazu erklärte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP): „Jeder in Deutschland soll einen Krankenversicherungsschutz für die notwendigen Leistungen haben, unabhängig von Vorerkrankungen, Alter, Geschlecht und Einkommen.“ Selbstverständlich müssten dafür auch Beiträge gezahlt werden. Ehemals Nichtversicherte seien allerdings seit Einführung der Versicherungspflicht in einen Strudel aus hohen Säumniszuschlägen und Beitragsschulden geraten. „Diesen Menschen wollen wir helfen, die Beitragszahlung aufzunehmen und in einen Versicherungsschutz zurückzukehren“, so Bahr. Deshalb streichen die Krankenkassen bis zum 31. Dezember aufgehäufte Schulden.

Anzeige

„Nichtversicherte sollten die Neuregelung für sich nutzen und schuldenfrei neu oder nochmals in einer Krankenkasse starten“, empfahlen auch die Verbraucherschützer. Dabei spiele es keine Rolle, ob jemand gesetzlich oder privat versicherungspflichtig ist.

Demnach werden ehemaligen Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung, die dahin zurückkehren wollen, ab August bis Ende Dezember sämtliche Beiträge und die darauf entfallenden Säumniszuschläge für ihre versicherungslose Zeit erlassen. Bei bereits Versicherten, die mit ihren Beitragszahlungen im Rückstand sind, wird der Säumniszuschlag für noch nicht gezahlte Beiträge dauerhaft von fünf auf ein Prozent gesenkt. „Für viele säumige Zahler wird dies eine spürbare Entlastung sein“, vermuten die Verbraucherschützer.

Wer sich in einer privaten Krankenkasse bis Ende des Jahres versichert, bekommt laut VZ NRW den sogenannten Prämienzuschlag erlassen. Gemeint sei damit die Beitrags­summe, die sich in der versicherungsfreien Zeit angesammelt hat. Der Prämienzuschlag errechnet sich aus einem vollen Monatsbeitrag für die ersten sechs Monate und einem Sechstel für jeden weiteren Monat.

„Wer sich privat versichern muss und hierbei ebenfalls einen imaginären Berg an Beitragsschulden vor sich herschiebt, kann nun kostenfrei wieder Mitglied einer privaten Assekuranz werden“, heißt es dazu aus der VZ. Zudem würden diejenigen, die ihre Beiträge in der privaten Krankenversicherung nicht laufend aufbringen können, nach dem nun geltenden Gesetz – auch rückwirkend – in einen Notlagentarif eingruppiert. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Medizinische-Fragen
am Mittwoch, 25. Dezember 2013, 12:38

Schuldenerlass eine gute Idee

Grundsätzlich finde ich den Schuldenerlass eine sehr gute Idee. Das einzige Problem das ich (insbesondere für Privatversicherte) sehe ist, dass man sich ja trotzdem noch den aktuellen Beitrag leisten können muss. Eine schöne Zusammenstellung zu dem Thema findet man unter anderem hier:
http://rhein-main-erleben.de/Schuldenerlass-Krankenkassen.html
5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

11.01.17
Berlin – Die SPD will nach den Worten ihres Fraktionsvizes Karl Lauterbach eine Überleitung der Beamten- in die Bürgerversicherung in das SPD-Wahlprogramms aufnehmen. Dieser Plan könne neben einer......
10.01.17
Debatte um Abschaffung der Beihilfe: Milliardenentlastung würde von Ärzten finanziert
Berlin – Eine neue Bertelsmann-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine gesetzliche Krankenversicherungspflicht für Beamte und die Abschaffung der Beihilfe die Haushalte von Bund und Ländern in......
30.12.16
DAK-Gesundheit: Wechsel an Kassenspitze
Hamburg – Führungswechsel bei der DAK-Gesundheit: Am 1. Januar 2017 übernimmt Andreas Storm den Vorstandsvorsitz der drittgrößten Krankenkasse Deutschlands. Storm folgt auf Herbert Rebscher, der in......
08.12.16
Berlin – Die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) will für mehr Transparenz bei Kundenklagen über Leistungen sorgen. Deshalb will sie als erste Krankenkasse künftig Zahlen über Kundenbeschwerden,......
25.10.16
Berlin – Die Bundesregierung sieht keinen Anlass dafür, die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland unter eine gemeinsame Aufsicht zu stellen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine......
04.10.16
Wiesbaden – Trotz Versicherungspflicht haben in Deutschland weiterhin rund 80.000 Menschen keine Krankenversicherung. Das entspricht rund 0,1 Prozent der Bevölkerung, wie das Statistische Bundesamt am......
20.09.16
München – Deutlich mehr Beschwerden, Verbesserungen nur unter Druck – der gestern veröffentlichte Jahresbericht des Bundesversicherungsamtes (BVA) fällt aus Sicht der Siemens-Betriebskrankenkasse SBK......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige