Ärzteschaft

Psychiater fordern Reform des Maßregelrechts

Freitag, 9. August 2013

Berlin – Vor dem Hintergrund der Diskussion um Gustl Mollath und die vom Oberlan­desgericht Nürnberg angeordnete Wiederaufnahme seines Verfahrens hat die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) Reformen im Maßregelrecht angemahnt und die Stigmatisierung psychisch Kranker kritisiert. Die Fachgesellschaft hat deshalb eine „Initiative Maßregelreform“ ins Leben gerufen, die Reformvorschläge ausarbeiten soll.

Die Psychiatrie und Psychotherapie hat laut der DGPPN unter den medizinischen Disziplinen eine Sonderstellung: In erster Linie diagnostiziert und therapiert sie Menschen, die aufgrund ihrer psychischen Erkrankungen freiwillig medizinische Hilfe suchen. Zudem weist ihr die Gesellschaft aber auch ordnungspolitische Aufgaben zu.

Anzeige

Dazu gehört insbesondere die Besserung und Sicherung von Menschen, die Straftaten aufgrund psychischer Erkrankungen verübt haben. Hierfür wurden gesonderte Kliniken und Abteilungen für forensische Psychiatrie geschaffen, der „psychiatrische Maßregel­vollzug“. Straftäter, die Gerichte aufgrund ihrer psychischen Erkrankung als nicht oder vermindert schuldfähig erklären, werden zur fachgerechten Behandlung in diese forensisch-psychiatrischen Kliniken eingewiesen.

Die Voraussetzungen dazu sind im Strafgesetzbuch geregelt. „In der aktuellen Debatte um den Fall Gustl Mollath wird die Behandlung von psychisch erkrankten Menschen mit der Besserung und Sicherung von psychisch kranken Straftätern verwechselt“, kritisiert die DGPPN. Diese Verwechslung sei schwerwiegend, weil sie psychisch kranke Menschen stigmatisiere.

In den letzten 15 Jahren hat sich in Deutschland laut der Fachgesellschaft die Zahl der forensisch-psychiatrischen Behandlungsplätze verdoppelt. Infolge der gesellschaftlichen Forderung nach mehr Sicherheit sei auch die Verweildauer in der Forensik stark gestiegen. Bundesweit würden gegenwärtig rund 10.000 Patienten stationär im psychiatrischen Krankenhaus auf Grundlage des Strafgesetzbuches behandelt. Hinzu kämen mehrere Tausend ambulant betreute Patienten in der forensischen Nachsorge. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Ärzteschaft

Nachrichten zum Thema

25.05.16
NRW: Kabinett beschließt Reform des Psychiatriegesetzes
Düsseldorf – Das Landeskabinett in Nordrhein-Westfalen hat die von Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) vorgelegte Reform des Gesetzes über Hilfen und Schutzmaßnahmen bei psychischen......
20.05.16
Berlin – Die Vergütung psychiatrischer und psychosomatischer Kliniken soll demnächst über ein Budgetsystem geregelt werden. Landeseinheitliche diagnosebezogene Tagespauschalen wird es nicht geben. Das......
09.05.16
Berlin - Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und mehrere Berufsverbände der niedergelassenen Neurologen, Psychiater und Psychotherapeuten kritisieren die Vorgabe, das in den neuen Eckpunkten......
23.02.16
Berlin – Die Bundesärztekammer (BÄK) und die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) haben den Kurswechsel der Politik bei der Vergütung von......
18.02.16
Pauschaliertes Entgeltsystem in Psychiatrie beschlossen
Berlin – Psychisch kranke Menschen sollen künftig besser versorgt werden. Die Gesundheitspolitiker der großen Koalition verständigten sich am Donnerstag in Berlin auf entsprechende Eckpunkte für das......
16.02.16
Maßregelvollzug: Sachverständige begrüßen zeitliche Begrenzung der Unterbringung
Berlin – Sachverständige aus Medizin und Recht haben am Montag in einer öffentlichen Anhörung des Rechtsausschusses zu einem Gesetzentwurf der Bundesregierung (18/7244) Stellung genommen, der die......
28.01.16
Berlin – Nach wie vor ist es politisch offenbar unklar, wie es mit dem „Pauschalierenden Entgeltsystem Psychiatrie und Psychosomatik“ (PEPP) weitergehen soll, also mit dem neuen Entgeltsystem für die......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige