Ärzteschaft

Montgomery kritisiert Leistungs­verweigerung der Kassen

Donnerstag, 22. August 2013

Berlin – Das Vorgehen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) bei der Gewährung von Krankengeld oder Reha-Maßnahmen hat der Präsident der Bundes­ärztekammer (BÄK), Frank Ulrich Montgomery, scharf kritisiert. „Es ist schon erstaunlich, dass Patienten genau dann vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung gesundgeschrieben werden, wenn nach sechs Wochen Krankschreibung die Lohn­fortzahlung der Arbeitgeber endet und die Kassen die Zahlung übernehmen müssen“, sagte er heute in Berlin.

Dies sei „ein ganz mieses Kostenverteilungsspiel zulasten der Patienten. Dabei werden die Patienten nicht einmal untersucht, sondern nur nach Aktenlage begutachtet“, kritisierte der BÄK-Präsident. Im vergangenen Jahr haben MDK-Gutachter rund 230.000 Mal entschieden, dass krankgeschriebene Arbeitnehmer eigentlich doch arbeitsfähig seien – das sind 16 Prozent der untersuchten Fälle.

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„Die Kassenmanager haben doch längst ihre Verantwortung für ihre Versicherten vergessen. Sie handeln wie Finanzakrobaten, die statt der Patienten nur noch ihre Bilanzen im Blick haben“, kritisierte Montgomery. © hil/aerzteblatt.de

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Hanschmitz
am Dienstag, 27. August 2013, 09:36

leider

Hab ich leider auch viel zu oft mit erlebt. Die Krankenkassen sollten sich mehr um die Gesundheit ihrer Kunden kümmern statt um Geld
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 23. August 2013, 18:29

Es ist schon erstaunlich ...

dass erst der Präsident der Bundes­ärztekammer (BÄK), Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery kommen muss, um das unangemessen-restriktive Vorgehen des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) bei der einschränkenden Gewährung von Krankengeld oder Reha-Maßnahmen zu kritisieren.

Das wäre eigentlich Aufgabe der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der einzelnen KVen gewesen, die es sich aber offensichtlich nicht mit ihren "Kassen"-Verhandlungspartnern und dem MDK nicht verderben wollen bzw. dafür uns Vertrags-Ärztinnen und -Ärzten lieber in den Rücken fallen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Herz1952
am Freitag, 23. August 2013, 13:08

MDK: Wir wollen Sie nicht, wir schicken Sie zum Arbeitsamt

Diese Worte musste ich mir Anfang März 2005 vom MDK anhören, nachdem ich 10 Jahre lang an Verspannungsschmerzen n a c h der Arbeit, bzw. auch beim Sitzen in der Freizeit hatte und kein Medikament half. Mit Entspannungsmitteln konnte ich nicht Arbeiten, Schmerzmittel waren meist wirkungslos und haben wahrscheinlich meinen späteren (10 Tage nach "Begutachtung") mitverursacht.

Als Buchhalter arbeitet ich so gut es ging noch mit dem Insolvenzverwalter des Unternehmens zusammen, der Verständnis für mein Handicap hatte und sagte, ein anderer hätte mir schon längst die Krankmeldung hingelegt. Mitte Dezember 2004 ging allerdings gar nichts mehr und ich wurde vom HA arbeitsunfähig geschrieben. Am 1.1.2005, 0.00 Uhr wurde die Insolvenz eröffnet und ich bekam dann ordnungsgemäß meine Kündigung mit sofortiger Freistellung zum 30.4.2005.

Danach gingen die Beschwerden tatsächlich langsam zurück und ich konnte tatsächlich die nächtlichen Medikamente stark reduzieren.

MDK-Gutachter: Sie können noch abwechselnd im Sitzen, Stehen und Gehen arbeiten mit möglichst freier Pauseneinteilung. Ansonsten sagte das Gutachten aus, dass ich auf Krankheitsgewinn hinarbeiten würde und ich theatralisch Entspannungsübungen gemacht hätte.

Eine solche Tätigkeit hätte ich aber zu diesem Zeitpunkt auch nicht machen können, vielleicht später (Hauptsache keine Beschwerden mehr). Jetzt muß ich sogar den Gutachter in "Schutz" nehmen, obwohl er von dieser Materie nichts verstand (meiner "Krankheit") und auch nicht die Tatsache begriff, dass es für mich den finanziellen Ruin bedeuten würde, wenn ich eine solche Tätigkeit nicht bekommen könnte. Er forderte allerdings die KK auf, eine Verweisungstätigkeit rechtlich zu prüfen (immerhin).

Daraufhin stellte die KK die Krankengeldzahlung sofort ein. Ich war psychisch und physisch nicht mehr in der Lage mich sachlich dagegen zu wehren und nahm mir einen Rechtsberater nach dessen Schreiben an die KK die Zahlung fortgesetzt wurde und die Krankenkasse zusätzlich an den Berater 460,-- € zahlen musste.

Da ich unmittelbar nach bzw. schon vor der Freistellung während der Arbeitsunfähigkeit mich bei der Arbeitsagentur gemeldet habe, wurde mir von dieser Seite schon gesagt, dass ich mich wehren sollte, falls der MDK das anders beurteilt, weil dieser "uns alle herschickt".

Ich kenne noch mehre Fälle bei den sich die KK unsachgemäß in die ärztlichen Beurteilen über die Köpfe der verdutzend Ärzte hinwegsetzen wollte, obwohl die Kasse (aber wohl nicht die Verwaltungssachbearbeiter) wissen musste dass die vorgeschlagenen Maßnahmen schon durchgeführt wurden, aber gegen die Krankheit nichts nutzten bzw. falsch waren.

@Mathilda: Wenn jemand bis einschließlich Tag "X" arbeitsunfähig ist und erst am nächsten Tag wieder zum Arzt geht und eine weitere AU Bescheinigung bekommt, besteht für die KK eine "Lücke" und sie verweigert die Krankengeldzahlung, obwohl weder der Arzt noch der Patient dies wissen kann. Die Kassen betrachten wahrscheinlich die Zeit zwischen 00.00 Uhr und dem Arztbesuch morgens als AU-Unterbrechung. Es mag schon sein, dass ein paar versuchen sich durchzumogeln und die restlichen 95 % darunter leiden müssen. Ich selbst war auch für die Personalverwaltung zuständig und weiß, dass es heute noch das Gesetz gibt, dass, falls eine Arbeitnehmer in den ersten 4 Wochen der Arbeitsaufnahme erkrankt, einen Lohnfortzahlungszahlungsanspruch gegenüber der KK hat. Ich habe allerdings noch nie erlebt, dass die KK den Arbeitgeber darauf hinweist, dass er (der AG) nicht mit der LFZ belastet wird.

Zum Glück bin ich (noch) in der Lage, mein eigenes Disease Management zu betreiben und lasse mir weder vom IQWiG , noch vom G-BA, sowie von der KK "hinters Licht" führen. Und selbst bei den Ärzten muss man aufpassen, weil viele nicht wissen, bzw. nicht die Zeit haben, sich für die Rechte der Patienten gegenüber dem MDK der Kassen einzusetzen.
Mathilda
am Freitag, 23. August 2013, 10:39

...oder auch nicht:

Es ist schon ein Wahnsinn, wenn von 35 Mio. Arbeitsunfähigkeitsfällen im Jahr ganze 1,46 Mio. Fälle überhaupt begutachtet werden und davon ganze 230.000 Fälle als nicht berechtigt, sprich: keine vorliegende Arbeitsunfähigkeit festgestellt werden. Was nicht zwangsläufig heißt, dass die Patienten gesund sind, es liegt eben bloß kein arbeitsverhindernder Krankheitszustand (mehr) vor. Im Übrigen gehen die Fallzahlen der Begutachtungen zurück - ganz im Gegensatz zu der Polemik, die von Herrn Montgomery veranstaltet wird. dazu: http://www.mds-ev.de/4213.htm
Und im Übrigen hätten die Krankenkassen auch überhaupt nichts davon, jemanden, der tatsächlich noch krank ist, nach 6 Wochen Entgeltfortzahlung zwangsweise gesund schreiben zu lassen. Sobald er wieder vom Arzt krank geschrieben wird, wird die bereits erfolgte Entgeltfortzahlung angerechnet und er erhält sofort Krankengeld. Was sollte das den Krankenkassen also bringen außer Aufwand? Dass viele MDK-Begutachtungen gegen Ende der Entgeltfortzahlung erfolgen, wird wohl eher am internen Ablauf liegen: eine MDK-Begutachtung dürfte auch für die Krankenkasse aufwendig sein, sie ist also sicher der letzte Schritt, den man geht.
Und ehrlich: Sie kennen keinen in Verwandtschaft oder Bekanntschaft oder Arbeitsumfeld, der die Krankschreibung für zusätzliche Freizeit nutzt? Ich höre oft genug, dass über solche Schmarotzer gemeckert wird, die immer dann krank sind, wenn es eng oder anstrengend wird. Diesen gönne ich die MDK-Begutachtung allemale!
Henry I
am Donnerstag, 22. August 2013, 20:58

Womit er einwandfrei recht hat.

Bravo.
Eine wahre Aussage.
Die Managerinnen der sogenannten gesetzlichen Krankenkassen betrachten doch die Zwangsbeiträge der Versicherten längst als wichtiger als die Gesundheit der Patienten.
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