Medizin

Akute Cholezystitis: Frühzeitige Operation ist dem konservativen Vorgehen überlegen

Freitag, 30. August 2013

Köln – Die akute Cholezystitis gehört zu den häufigsten Krankheitsbildern im klinischen Alltag. Es besteht Konsens darüber, dass die laparoskopische Cholezystektomie die Therapie der Wahl darstellt. Allerdings: Der optimale Operationszeitpunkt war bisher nicht eindeutig geklärt. Zwar schien eine frühe oder unverzügliche Gallenblasen­entfernung Vorteile gegenüber dem initial konservativen Vorgehen mit antibiotischer Therapie und Operation im Intervall zu haben.

Aufgrund begrenzter Patientenzahlen und der Inhomogenität vorliegender Studien und Metaanalysen gab es jedoch noch kein evidenzbasiertes Ergebnis. Mit den nun veröffentlichten Ergebnissen der interdisziplinären, prospektiv randomisierten ACDC-Studie (Acute Cholecystitis: Early Versus Delayed Cholecystectomy) wurde Klarheit geschaffen. Die Studie liefert überzeugende Argumente für die laparoskopische Cholezystektomie innerhalb von 24 Stunden.

5 Fragen anProf. Dr. med. Markus W. Büchler, Direktor der Chirurgischen Klinik der Universität Heidelberg, Seniorautor der ACDC-Studie

DÄ: Welchen Wert haben für Sie die Ergebnisse der ACDC-Studie?

Büchler: Ich begrüße es, dass endlich eine langjährige Kontroverse bezüglich der Therapie der akuten Cholecystitis durch Evidenz aufgelöst werden konnte. Bisher favorisieren die Internisten eine initiale Antibiotikagabe , die Chirurgen hingegen die frühzeitige laparoskopische Operation, um den Patienten so schnell wie möglich von einem septischen Herd zu befreien. Diese unterschiedlichen Auffassungen haben häufig dazu geführt, dass allein die Zuweisung eines Patienten an eine internistische oder eine chirurgische Abteilung über die Therapieform entscheidet, nicht die wissenschaftliche Evidenz. Diese wurde mit der ACDC-Studie nun geschaffen.

DÄ: Unter dem Aspekt der Mortalitätsrate, die in der ACDC-Studie 0,3 Prozent sowohl für die primär konservative als auch die primär operative Therapie beträgt, unterscheiden sich beide Ansätze nicht. Weshalb sind die Ergebnisse für die Patienten dennoch von großem Wert?
Büchler: Ganz einfach: Die Patienten sind schneller wieder fit und können eher zu ihrem normalen Leben zurückkehren. Was wir täglich vielfach erleben, konnte nun wissenschaftlich belegt werden: Durch geringere Morbidität – der Score wurde halbiert – und an der kürzeren Krankenhausverweildauer. Im Vergleich zum primär konservativen Vorgehen haben die primär operierten Patienten eine ganze Woche gewonnen.

Aber auch der daraus resultierende ökonomische Aspekt ist nicht zu vernachlässigen. Das Konzept der frühzeitigen Cholecystektomie senkt  die Krankenhauskosten um 36 Prozent.

DÄ: Werden die Ergebnisse der ACDC-Studie Einfluss auf die Leitlinie zur Therapie der akuten Cholecystitis nehmen?
Büchler: Ja, davon bin ich überzeugt. Auch wenn die Aktualisierung von Leitlinien grundsätzlich mit großer zeitlicher Verzögerung erfolgt, hoffe ich, dass die Studienergebnisse schon jetzt in die tägliche klinische Arbeit einfließen werden.

DÄ: Lässt die ACDC-Studie noch wichtige Fragen unbeantwortet, so dass eine Folgestudie erforderlich ist?
Büchler: Ja, in der Tat. So hat die ACDC-Studie entsprechend ihrem Studiendesign Patienten der ASA-Klassen I und III untersucht, schwerkranke Patienten mit hoher Komorbidität waren ausgeschlossen. Diese sind im klinischen Alltag zwar in der Minderheit, aber eine Antwort darauf, welche Therapieform in diesen Fällen bevorzugt werden sollte, wäre wichtig.

Übrigens: Es würde mich nicht erstaunen, wenn für diese Patientengruppe nicht die operative, sondern die internistische Therapie von Vorteil ist.

DÄ: Was ist für Sie das Besondere an der ACDC-Studie?
Büchler: .... dass es gelungen ist, eine solche große Studie in Deutschland mit den internistischen Kollegen vieler Zentren gemeinsam auf die Beine zu stellen. Das war eine gute Erfahrung.

© zyl/aerzteblatt.de

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