Politik

Transplanta­tionsmediziner bleibt in Untersuchungshaft

Mittwoch, 25. September 2013

Göttingen – Der angeklagte Arzt im Göttinger Prozess um den Betrug mit Spender­orga­nen bleibt in Untersuchungshaft. Es habe sich nach bislang acht Verhandlungstagen gezeigt, dass die Anklage nicht auf wackeligen Füßen stehe, sagte Oberstaatsanwältin Hildegard Wolff heute im Landgericht Göttingen. Es gebe deshalb auch keine Veran­lassung, den Angeklagten aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Die Schwur­gerichtskammer sieht es ebenso, während sich die Verteidigung für Haftverschonung ausgesprochen hatte.

Dem angeklagten Arzt wird versuchter Totschlag in elf und Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen vorgeworfen. Er soll durch die Manipulation medizinischer Daten die Organzuteilung für seine Patienten illegal beschleunigt haben. Andere Patienten seien deshalb möglicherweise gestorben.

Anzeige

Der Angeklagte bleibe auch nach einem Gespräch der Prozessbeteiligten außerhalb der offiziellen Verhandlung in Haft, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Ankla­gebehörde sieht weiterhin Fluchtgefahr. „Der Angeklagte wird sich nicht bis zum St. Nimmerleinstag dem Verfahren stellen“, sagte Oberstaatsanwältin Wolff. Sie befürchtet, dass der Prozess noch länger dauern könne, als bisher vorgesehen. Das Gericht hat Verhandlungstage bis Mai 2014 terminiert.

Die Verteidigung hatte angeregt, dem früheren Leiter der Transplantationschirurgie der Göttinger Universitätsmedizin nach acht Monaten Untersuchungshaft gegen Kaution und Meldeauflagen Haftverschonung zu gewähren. Es sei Sache der Strafkammer, über die Fortdauer der Untersuchungshaft zu entscheiden, sagte der Vorsitzende Richter Ralf Günther. Die Richter sehen nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlung aber offenkundig keinen Anlass, den Mediziner auf freien Fuß zu setzen.

Der Prozess habe bisher nichts strafrechtlich Relevantes gegen seinen Mandanten zutage gebracht, sagte heute Verteidiger Steffen Stern. Kein einziger Zeuge habe den Arzt strafrechtlich belastet. Dem Gericht schilderte der Anwalt, dass sein Mandant zunehmend unter der Haft leide.

Zuvor hatte sich die Kammer erstmals mit einem der angeklagten Fälle von Körper­verletzung mit Todesfolge befasst. Dabei geht es um einen Mann aus Thüringen, dem zweimal eine Leber übertragen worden war. Nach der zweiten Übertragung war er gestorben. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft hatte es keinen medizinischen Grund für die Organübertragung gegeben. Der Prozess wird am 8. Oktober fortgesetzt. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

26.05.16
Pflege: Patientenschützer fordern mehr Kontrolle gegen Betrug
Berlin – Beim Abrechnungsbetrug in der Pflege erhöht sich der Druck auf Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte am Dienstag in Berlin bessere......
17.05.16
Boston – Chirurgen des Massachusetts General Hospital haben einem 64-jährigen Mann einen neuen Penis transplantiert. Sie sind dabei einem Team in Baltimore zuvorgekommen, das diese Operation im......
17.05.16
Bad Oeynhausen – Die Herz- und Gefäßgewebebank des Herz- und Diabeteszentrums NRW (HDZ NRW) der Universitätsklinik Bochum stellt eine steigende Nachfrage nach menschlichen Herzklappen und Gefäßen......
13.05.16
Johannesburg – Das Oberste Gericht von Südafrika hat am Freitag eine Sammelklage gegen 30 Bergbaukonzerne des Landes zugelassen. Die Entscheidung ebne den Weg für eine Klage zehntausender ehemaliger......
11.05.16
Halle – In der DDR sind nach Forschungen des Medizinhistorikers Florian Steger massenhaft Frauen wegen angeblicher Geschlechtskrankheiten in Kliniken eingewiesen worden. Der Wissenschaftler der......
10.05.16
Bukarest – Nach nur einem halben Jahr Amtszeit verliert das Technokraten-Kabinett des rumänischen Ministerpräsidenten Dacian Ciolos ein viertes Mitglied: Gesundheitsminister Patriciu Achimas Cadariu......
02.05.16
Brustim­plantate-Skandal: Berufungsgericht bestätigt Haftstrafe
Aix-en-Provence – Im Skandal um Brustimplantate aus Billigsilikon hat ein französisches Berufungsgericht die vierjährige Haftstrafe für den Gründer des Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP)......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige