Medizin

Wirkstoff beugt CMV-Infektion nach Stammzell­transplantation vor

Freitag, 27. September 2013

Boston – Ein neues Virostatikum hat in einer randomisierten Studie erfolgreich die Rate von Infektionen mit dem Zytomegalievirus (CMV) gesenkt, die eine gefürchtete Komplikation nach hämatopoetischer Stammzelltransplantation sind. Sollten sich die im New England Journal of Medicine (2013; 369: 1227-1236) mitgeteilten Ergebnisse in einer laufenden Phase-III-Studie bestätigen, stünde erstmals ein Mittel zur Prävention von CMV-Infektionen nach Stammzelltransplantationen zur Verfügung.

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Die meisten Menschen infizieren sich im Lauf des Lebens mit dem Herpesvirus CMV. Die Primärinfektion verläuft in der Regel inapparent, doch im Fall einer Immunsuppression kann es – wie bei anderen Herpesviren – zu einer Reaktivierung kommen. Besonders hoch ist das Risiko nach einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation, da die Patienten hier aufgrund der vorhergehenden Konditionierung eine Phase überbrücken müssen, in der sie Krankheitskeimen gegenüber relativ wehrlos sind.

Eine Prophylaxe mit Herpesvirostatika ist – anders als nach Organtransplantionen – nicht möglich, da Mittel wie Valganciclovir myelotoxisch sind, was den Erfolg der Stammzell­trans­plantation gefährden könnte. Diese Gefahr besteht bei dem von der Firma Chimerix aus Durham/North Carolina entwickelten Virostatikum Brincidofovir (CMX001) nicht. Das Mittel ist ein Prodrug des ebenfalls myelotoxischen Cidofovir. Es gelangt allerdings nicht in größeren Mengen ins Knochenmark, da es an einem Phospholipidrest gebunden ist, von dem es erst in den Zielzellen befreit wird.

Brincidofovir wurde an 27 US-Zentren an 230 Patienten getestet, die eine allogene hämatopoetische Stammzelltransplantation erhalten hatten und bei denen aufgrund einer positiven CMV-Serologie mit der Reaktivierung einer Herpes-Infektion gerechnet werden musste. Die Patienten wurden in der Phase-II-Studie mit Brincidofovir in fünf unterschiedlichen Dosierungen oder mit Placebo behandelt.

Wie Francisco Marty vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston und Mitarbeiter berichten, kam es im Placebo-Arm bei jedem dritten Patienten (37 Prozent) zum Anstieg der CMV-DNA auf mehr als 200 Kopien/ml oder zu einem CMV-Ereignis, das eine Therapie erforderlich machte. Unter einer Prophylaxe mit Brincidofovir konnte die Häufigkeit gesenkt werden. Die besten Ergebnisse wurden mit einer Dosis von zweimal wöchentlich 100 mg Brincidofovir erzielt. Der primäre Endpunkt trat hier nur bei jedem zehnten Patienten (10 Prozent) auf.

Die häufigste Nebenwirkung von Brincidofovir war eine Diarrhö, die zum Abbruch der Therapie führen kann. Im Laufe der Studie wurde deshalb ein striktes Management von gastrointestinalen Beschwerden eingeführt, dass die Abbrüche verhindern konnte. Ein Problem besteht darin, dass die Diarrhöe auch Zeichen einer akuten Graft-versus-Host-Reaktion im Rahmen der Stammzelltransplantation sein kann.

Eine Myelosuppression oder eine Nephrotoxizität sind unter der Therapie mit Brincidofovir nicht aufgetreten, so dass sich der Hersteller bei entsprechenden Ergebnissen der derzeit laufenden Phase-III-Studie gute Chancen auf eine Zulassung ausrechnet. Die Ergebnisse dieser SUPPRESS-Studie werden bereits für 2015 erwartet.

Dann entscheidet sich, ob das Mittel zur Prävention der CMV zugelassen wird. Brincidofovir ist auch gegen andere doppelsträngige DNA-Viren aktiv. Dazu gehören neben dem Herpesvirus das Adenovirus (AdV) und das BK-Virus. Zu Infektionen mit AdV legte der Hersteller kürzlich auf einer Konferenz ebenfalls positive klinische Studienergebnisse vor. © rme/aerzteblatt.de

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