Politik

Behinderten­beauftragter fordert klares Gesetz zur Sterbehilfe

Montag, 7. Oktober 2013

München – Der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe (CDU), hat ein klares gesetzliches Verbot der Anstiftung oder der organisierten Beihilfe zur Selbsttötung, gerade auch für Ärzte gefordert. Dies fehle bisher in Deutschland und müsse in der neuen Legislaturperiode angegangen werden, sagte Hüppe dem Münchner Magazin Focus.

Ansonsten drohe „eine Gesellschaft, die nicht mehr auf Hilfe und Solidarität setzt, sondern Druck ausübt, dem Leben ein Ende zu setzen“. Gebe es ein Angebot für organisierte Sterbehilfe, dann erhöhe das die Nachfrage.

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Hüppe bezog sich mit seiner Forderung auf einen Fall von aktiver Sterbehilfe in Belgien. Ein 44-jähriger Mann schied dort mit ärztlicher Hilfe aus dem Leben, weil er nach einer Geschlechtsumwandlung verzweifelt war. „Der Fall bestätigt das, wovor ich schon lange gewarnt habe: Wenn man beginnt, den Lebensschutz aufzuweichen, kommt man auf eine schiefe Bahn“, so der Behindertenbeauftragte. Erst gehe es „um Töten auf Verlangen, dann um Töten ohne Verlangen“. © kna/aerzteblatt.de

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advokatus diaboli
am Dienstag, 15. Oktober 2013, 08:33

Das Leben ist nicht das höchste „Gut“!

Mit Verlaub: Herrn Hüppe sei es gestattet, im öffentlichen Sterbehilfediskurs seine ureigene Gewissensentscheidung zu verkünden und somit gegen eine Sterbehilfe zu votieren.

Indes bleibt aber zu konstatieren, dass der parlamentarische Gesetzgeber den ethischen Grundstandard unseres Grundgesetzes zu wahren hat und insofern muss er in erster Linie den hohen Rang des Selbstbestimmungsrechtes der schwersterkrankten Patienten wahren, die im Zweifel ihrem als unsäglich empfundenen Leids aufgrund eine schweren Erkrankung zu entfliehen gedenken.

Es ist zunehmend ein Ärgernis, wenn die Lebensschützer eher unreflektiert in der Debatte die These streuen, als gehe es irgendwann einmal um die „Pflicht zu sterben“.
Dieser Pflicht setzt unsere Verfassung unübersteigbare Hürden und ich hoffe doch sehr, dass dies die politisch Verantwortlichen auch wissen!

Die aktuelle Debatte im sog. „Sterbehilfediskurs“ zeichnet sich nach wie vor durch eine gewisse Mittelmäßigkeit aus, die in keinster Weise den gebotenen Ansprüchen genügt.
Es geht zuvörderst nicht um die moralischen und ethischen Wertvorstellungen einschlägiger Gruppierungen, die da behaupten, der Lebensschutz konkurriere gleichsam mit der „falsch verstandenen Autonomie“ eines schwersterkrankten und sterbenden Patienten.

Einzig die Binnenperspektive des Schwersterkrankten ist die entscheidende Richtschnur für die Befriedung einer sich langsam ermüdenden Debatte, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass nichts Neues vorgetragen wird, auch wenn hochrangige Persönlichkeiten oder Institutionen meinen, eine „offene Debatte“ sei zu führen.

Abermals mit Verlaub: Eine Recherche zur Sterbehilfe wird schnell offenbaren, dass die Kernpunkte identifiziert sind und letztlich „nur“ noch im parlamentarischen Raum entschieden werden müssen.
Ein allumfassendes Verbot jedenfalls trägt den berechtigten Belangen schwersterkrankter und sterbender Menschen keinesfalls Rechnung und in diesem Zusammenhang finde ich es denn auch zynisch, im Zweifel den freien Willen der Schwersterkrankten pathologisieren und damit für die eigenen Wertvorstellungen instrumentalisieren zu wollen.

In diesem Zusammenhang stehend muss denn auch die „Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen“ trotz lobenswerter Ansätze eher zur Nachdenklichkeit führen, wenn diese in eine „Nationalen Strategie“ führt. Es kann nicht sein, dass es im Interesse der mündigen und freien Bürger resp. Patienten liegt, wenn ihr Selbstbestimmungsrecht gleichsam auf Null reduziert wird und diese allenfalls darauf verwiesen werden, die palliativmedizinische Angebote anzunehmen, während demgegenüber die Initiatoren der Charta und ihre Befürworter der Suizidassistenz eine deutliche Absage erteilen.
Keiner ist hierzulande verpflichtet, sein persönliches „Leid“ anzunehmen.

Dies mag zwar im Einzelfall nach der christlichen Lehre als ein besonders „heroischer Akt“ gesehen werden, ist aber einzig der verantwortungsvollen und freien Entscheidung des Einzelnen überlassen und von daher sollten wir uns alle der hohen Bedeutung der Selbstbestimmung im Diskurs bewusst werden.

Mir persönlich ist es völlig unklar, warum u.a. namhafte Ethiker und Mediziner sich dazu aufschwingen, das Selbstbestimmungsrecht der schwersterkrankten und sterbenden Menschen zur „kleinen Münze“ zu schlagen. Es könnte der Eindruck entstehen, als gehe es tatsächlich „nur“ um den Erfolg ihrer selbsterwählten Mission, ohne hierbei die allein entscheidende Binnenperspektive der schwersterkrankten und sterbenden Patienten auch nur ansatzweise zu berücksichtigen.

Es wird ein „Glaubenskrieg“ auf dem Rücken der Patienten ausgetragen, für den ich keinerlei Verständnis habe, auch wenn konkurrierende „Werte“ nicht zu leugnen sind. Aber auf diese „Wertkonflikte“ kommt es im Einzelfall nicht an und der schwersterkrankte Patient möchte im Zweifel seine ureigene Regie für seinen Tod führen.
Dies zu allein zu akzeptieren wäre schon ein Gewinn für eine Debatte, die eher „Ideologie belastet“ ist und sich durch einen zweifelhaften Fundamentalismus auszeichnet, der eben auf keine Befriedung hoffen lässt, ermangelt es doch nicht selten den führenden und meinungsgestaltenden Mitdiskutanten an der notwendigen Toleranz!

Lutz Barth
Adolar
am Dienstag, 8. Oktober 2013, 16:55

Verbote, Verbote...

Wenn der Herr Hüppe dereinst, was ich ihm wirklich nicht wünsche, mal so auf der Schnauze liegt, daß er "die Englein schon singen" hört, wird er möglicherweise die jetzt geforderten Verbote verwünschen. Statt dauernd den Sterbenskranken und ihren Ärzten was zu verbieten, sollte man lieber ein Gesetz machen, was zur "rechtmäßigen" Erlösung zugelassen ist.
kairoprax
am Dienstag, 8. Oktober 2013, 13:28

ein depressiver Transsexueller ist noch lange keine kalte Gesellschaft


Außerdem hat sicher keine Gesellschaft Druck auf den VBorzeigefall des Hubert Hüppe (CDU) ausgeübt, sich das Leben zu nehmen. Vielmehr kennt keiner von uns aus dem Kontext die tatsächlichen Umstände.
Sterbehilfe, auch organisierte Sterbehilfe, wird nachgefragt, hat aber sicher keinen Markt und wird auch nicht boomen, wenn die Möglichkeiten auch in Deutschkand geboten wären.
Deswegen fehlt es an vielem, aber keineswegs an einem Scheuklappengesetz, nichgt rechts und links schauen dürfend und nur schwarzweißsehend.

Dr.Karlheinz Bayer
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