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Intensivmedizin: Handschuhe und Schutzkittel senken MRSA-Risiko

Mittwoch, 9. Oktober 2013

Baltimore – Die generelle Vorschrift, bei jedem Patientenkontakt Einmalkittel und -handschuhe zu tragen, hat in einer randomisierten Studie das Risiko einer MRSA-Infektion gesenkt, während ein Einfluss auf VRE nicht erkennbar war. Die Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2013; doi: 10.1001/jama.2013.277815) lässt offen, ob nicht andere Hygienemaßnahmen für die protektiven Wirkungen verantwortlich waren.

Die geltenden Leitlinien der Centers for Disease Control and Prevention sehen vor, dass Ärzte Einmalkittel und -handschuhe tragen, wenn sie Patienten mit multiresistenten Keimen kontaktieren. Es lässt sich auf Intensivstationen jedoch kaum ausschließen, dass einige Patienten mit Methicilin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) oder mit Vancomycin-resistenten Enterococcus (VRE) besiedelt sind, da dies nicht immer zu einer Erkrankung führt. Die logische Konsequenz wäre, dass Ärzte und Pfleger bei allen Patientenkontakten Einmalkittel und -handschuhe tragen.

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Ob diese zusätzlichen Maßnahmen die Infektionsrate senken können, wurde kürzlich in einer randomisierten Studie an 20 Intensivstationen (ICU) in den USA untersucht. In zehn ICU trugen Ärzte und Pflegepersonal bei allen Kontakten Einmalkittel und -handschuhe, auf den anderen zehn ICU galten wie bisher die von den CDC vorgegebenen Regeln. Primärer Endpunkt war die Neuinfektionsrate mit MRSA und VRE. Dazu wurden alle Patienten bei Aufnahme auf die ICU und bei der Entlassung untersucht.

Wie Anthony Harris von der University of Maryland School of Medicine in Baltimore und Mitarbeiter berichten, senkte die allgemeine Kittel- und Handschuhpflicht die Besiedlungsrate mit MRSA oder VRE von 21,4 auf 16,9 pro 1000 Patiententage also etwa um ein Fünftel. Dieser Erfolg war jedoch nicht auf die allgemeine Kittel- und Handschuhpflicht zurückzuführen, denn sonderbarerweise kam es auch in der Kontrollgruppe zu einem Rückgang von 19,0 auf 16,3 pro 1000 Patiententage, obwohl dort die schon vor der Studie geltenden CDC-Regeln angewendet wurden. Die Kontrollbedingungen der Studie mögen dazu geführt haben, dass sich das Personal genauer daran hielt.

Da der primäre Endpunkt nicht verbessert wurde, war das Projekt eigentlich gescheitert. Der Misserfolg war jedoch nur auf die Neubesiedlung mit VRE beschränkt. Bei den MRSA kam es sehr wohl zu einem Rückgang um 40 Prozent, der dieses Mal auch signifikant höher ausfiel als in der Kontrollgruppe. Die Studie belegt allerdings nicht, dass dieser Erfolg auf die Kittel- und Handschuhpflicht zurückzuführen ist.

Die neuen Regeln hatten nämlich nicht erwartete Auswirkungen auf das Verhalten des Personals. Zum einen ging die Zahl der Kontakte des Personals mit dem Patienten zurück, zum anderen nahm die Compliance mit der Händedesinfektion beim Verlassen des Krankenzimmers zu. Beides könnte der eigentliche Grund für den Rückgang der Besiedlungsrate gewesen sein.

Der Rückgang bei den Patientenkontakten weist auf mögliche Risiken der Hygienemaßnahmen hin. Andere Studien hatten gezeigt, dass mit der Abnahme der Patientenkontakte die Zahl der Patientenstürze zunimmt und es häufiger zu Dekubitalulzera kommt. Beides war in der aktuellen Studie nicht zu beklagen, weshalb die allgemeine Kittel- und Handschuhpflicht sich zumindest nicht als schädlich erwiesen hat.

© rme/aerzteblatt.de

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