Politik

Transplantationen: Strehl kritisiert Vielzahl der Zentren

Dienstag, 15. Oktober 2013

Berlin – „Mehr als 15 Transplantationszentren sind deutschlandweit nicht erforderlich“, meint Rüdiger Strehl, kaufmännischer Vorstand am Universitätsklinikum Ulm und ehemaliger Generalsekretär des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands (VUD). Strehl referierte gestern in Berlin bei der 5. Qualitätssicherungskonferenz des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA)  zum Thema „Mindestmengen in der Transplantationsmedizin“. Zu viele Kliniken führten Transplantationen trotz niedriger Fallzahlen durch. Selbst dort, wo Mindestmengen vom G-BA vorgegeben seien, nämlich bei Nieren- und Lebertransplantationen, würden diese bei 25 Prozent der transplan­tierenden Einrichtungen unterschritten.

Der G-BA könne hier nicht von sich aus tätig werden, ihm fehlten die exekutiven Kompetenzen, um solche Vorgaben auch durchzusetzen, merkte hierzu Rainer Hess an, der langjährige G-BA-Vorsitzende. Letztendlich sieht Hess die Krankenkassen in der Verantwortung, für die Umsetzung der Mindestmengenregelung zu sorgen, indem sie die Zahlung verweigerten.

Anzeige

Strehl verwies darauf, dass es bei Herztransplantationen gar keine Mengenvorgaben durch den G-BA gebe. In rund der Hälfte der Kliniken würden jährlich weniger als zehn Herzen transplantiert. Völlig ungeregelt sei der Bereich der autologen und allogenen Stammzelltransplantationen, kritisierte Strehl. Bei diesen hochkomplexen und risikohaften Operationen sei die Profitabilität ein entscheidender Faktor.

Grundsätzlich arbeite der G-BA mit viel zu niedrigen Anforderungen bei der Prozess- und Strukturqualität, führte Strehl weiter aus. Wenn etwa Mindestanforderungen an die fachliche Qualität und Anzahl des Personals gestellt würden, löste sich das Mindestmengenproblem von allein. Strehl fordert in diesem Bereich „komplexe Planung statt Monokausalität“ und ist der Ansicht, dass die Selbstverwaltung bei der Regelung dieses Problems an ihre Grenzen stoße. © TG/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

doktorstrich
am Dienstag, 29. Oktober 2013, 02:08

Ideal-Standard

Klinikbedarfsplanung ist Ländersache und hat mit den Lenkungsmöglichkeiten des ambulanten Sektors nichts gemein, was die Vortragenden erkennen und über die Terroridee, daß die Krankenkassen irgendwelche DRG-Beträge nicht entrichten sollten, wenn irgendwelche Fallzahlen nicht ihrem Gutdünken entsprächen, spintisieren. Offensichtlich möchte er das 'Wirtschaftlichkeitsgebot' pervertieren. Die Transplantationsimmunologie ist kein wissenschaftlich abgeschlossenes Gebiet, welches an 15 Standorten gleichgeschaltet praktiziert werden könnte, nur in der Pluralität der Konzepte besteht die Möglichkeit, besseres zu erkennen und unzureichendes zu verwerfen. Allein die MDSC stehen 4 Jahre vor ihrer Translation ! Experimentell anmutende, auch mal Neuland beschreitende Konzepte der personalisierten und regenerativen Medizin bezeichnet er als Regulationswüste, deren Indikationsstellung auf dem schnöden Mammon beruhe. Ulm ist Erfurt-West und den entsprechenden Denkprozessen, die um die Vergänglichkeit ranken, eher ausgesetzt als HH oder die Charite; ( http://www.swp.de/ulm/lokales/ulm_neu_ulm/Aus-fuer-Transplantationszentrum-in-Ulm;art4329,1055743 ). Wer sein TPZ wegen Fußabstimmung der Patienten selber dichtmacht, wird natürlich in der Mindestmenge seinen Qualitätsindikator gefunden haben und die damalige eigenständige wirtschaftliche Entscheidung anderen auzufoktroyieren geneigt sein. Die Idealisierung (bester passender Abwehrmechanismus...) von rational begründeten Verlusterlebnissen sollte nicht zum Goldstandard unserer Gesundheitsökonomie werden.
5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

18.07.16
Erste Gebärmutter-­Transplantation in Deutschland geplant
Erlangen – Ein Kind mit der Gebärmutter der eigenen Mutter oder Schwester bekommen: Ärzte in Erlangen wollen das Organ transplantieren, um Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch zu helfen. Doch das......
08.07.16
Grünes Licht für Transplantations­register
Berlin – Alle Informationen über Organtransplantationen in Deutschland werden künftig zentral gesammelt. Der Bundestag gab gestern Abend grünes Licht für die Einrichtung eines bundesweiten......
04.07.16
Erste roboter-­assistierte minimal-­invasive Nieren­transplantation in Deutschland
Homburg/Saar – Im Juni 2016 haben Urologen am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) die beiden ersten roboter-assistierten Nierentransplantationen in Deutschland durchgeführt. Bei den Eingriffen......
02.06.16
Hannover – Bei einigen Hepatitis-E-Patienten versagt die Monotherapie mit Ribavirin (RBV) nach 3 bis 5 Monaten, was teilweise tödliche Komplikationen zur Folge haben kann. Die Ursache sind Mutationen......
01.06.16
Transplantations­register: Experten fordern vollständige Daten
Berlin – Der Deutsche Bundestag hat sich heute im Rahmen einer Expertenanhörung des Gesundheitsausschusses nochmals mit der Einrichtung eines bundesweiten Transplantationsregisters befasst. Viele der......
17.05.16
Boston – Chirurgen des Massachusetts General Hospital haben einem 64-jährigen Mann einen neuen Penis transplantiert. Sie sind dabei einem Team in Baltimore zuvorgekommen, das diese Operation im......
17.05.16
Bad Oeynhausen – Die Herz- und Gefäßgewebebank des Herz- und Diabeteszentrums NRW (HDZ NRW) der Universitätsklinik Bochum stellt eine steigende Nachfrage nach menschlichen Herzklappen und Gefäßen......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige