Politik

Pflegeforscher kritisiert EU-Entscheidung zur Pflegeausbildung

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Köln – Als „pflege- und frauenfeindlich“ hat der Direktor des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung in Köln, Frank Weidner, die Entscheidung des EU-Parla­ments zu den Zulassungsvoraussetzungen für eine Pflegeausbildung kritisiert. Danach wird es in Europa zwei parallele Zugangsniveaus zur Pflegeausbildung geben. Für viele EU-Staaten gelten zwölf Jahre allgemeiner Schulbildung als Voraussetzung für eine Pflegeausbildung, für Deutschland sind es weiterhin zehn Jahre. Für alle Länder gelten künftig aber einheitlich festgelegte Kompetenzen, welche die Pflegenden nach der Ausbildung beherrschen müssen.

Weidner kritisiert, dass in technischen Berufen die Standards angehoben würden, um im internationalen Wettbewerb um Fachkräfte zu bestehen. Für die Pflege gelte dies aber nicht. Sie werde vernachlässigt. Der Fachkräftemangel sei in Deutschland besonders ausgeprägt und hänge direkt mit dieser jahrelangen Vernachlässigung des hiesigen Pflegesektors zusammen.

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Laut Weidner hat der Pflegestandort Deutschland in Europa bereits in den vergangenen Jahren nach und nach seine Konkurrenzfähigkeit eingebüßt. So gingen trotz entgegengesetzter Bemühungen der Politik in Deutschland mehr Pflegefachkräfte ins benachbarte Ausland als von dort aus nach hier kommen.

Das liege in erster Linie an den hierzulande sehr belastenden Arbeitsbedingungen in der Pflege, an der vergleichsweise niedrigen Bezahlung und an der fehlenden Wert­schätzung. „Deutschland ist offensichtlich nicht bereit, seine Hausaufgaben in Sachen Pflege zu machen und hat nun den eigenen Berufszugang in Europa durchgesetzt“, so Weidner.

Studien aus dem Ausland zeigten, dass die Qualität der Patientenversorgung nicht nur mit der Anzahl des zur Verfügung stehenden Personals, sondern insbesondere mit dessen Qualifikation zusammenhängt. Weidner: „Wenn beides nicht mehr den Entwicklungen standhält, dann ist die pflegerische Versorgung der Bevölkerung gefährdet.“ © hil/aerzteblatt.de

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