Medizin

Morbus Alzheimer: Studie sieht Verbindung zu Schlafstörungen

Dienstag, 22. Oktober 2013

Baltimore – Können Schlafstörungen im Alter den Beginn und das Fortschreiten einer Alzheimer-Demenz beeinflussen? Eine Querschnittsstudie in JAMA Neurology (2013. doi:10.1001/jamaneurol.2013.4258) kommt zu dem Ergebnis, dass Senioren mit Schlafstörungen vermehrt Ablagerungen von Beta-Amyloiden im Gehirn haben.

Eine Verbindung von Morbus Alzheimer und Schlafstörungen erscheint absurd. Doch erst vor wenigen Tagen berichteten US-Forscher in Science (2013; 342: 373-377), dass der Schlaf bei Mäusen durch eine Erweiterung des interstitiellen Raums den Abtransport von Stoffwechselschlacken, darunter auch von Beta-Amyloiden aus dem Gehirn beschleunigt. Andere tierexperimentelle Studien zeigen, dass Schlafentzug die Ablagerung von Beta-Amyloiden fördern kann.

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Adam Spira von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore zitiert in seiner aktuellen Publikation zudem mehrere epidemiologische Studien, in denen Schlafstörungen mit Demenzerkrankungen verbunden waren. Eine Assoziation ist natürlich keine Kausalität, doch die aktuelle Studie kann die bisherigen Ergebnisse untermauern.

Das Team untersuchte 70 Teilnehmer der Baltimore Longitudinal Study of Aging, bei denen im Durchschnittsalter von 78 Jahren eine Positronen-Emissions-Tomographie durchgeführt wurde. Dabei wurden mittels des Tracers „Pittsburgh compound B“ Beta-Amyloide dargestellt. Obwohl nur ein Teilnehmer an einer Demenz litt und bei drei weiteren milde kognitive Einschränkungen (MCI) diagnostiziert wurden, ließen sich bei jedem dritten vermehrte Beta-Amyloid-Ablagerungen im Gehirn nachweisen. Diese korrelieren mit den Angaben der Senioren zur Dauer des Schlafes und Schlafstörungen. 

Eine Querschnittstudie ist weit davon entfernt, eine Kausalität zu beweisen, noch kann sie Ursache und Wirkung voneinander unterscheiden. Es bleibt denkbar (und pathophysiologisch leichter erklärbar), dass die Ablagerungen Ursache der Schlafstörungen sind und nicht deren Folge. Sollte ein gesunder Schlaf allerdings die Pathogenese der Alzheimerdemenz günstig beeinflussen können, wären die Auswirkungen angesichts der hohen Zahl von Alzheimerkranken sicherlich bedeutend.

Der nächste Schritt dürfte darin bestehen, in prospektiven Beobachtungsstudien nach weiteren Hinweisen zu suchen. Am Ende könnten Interventionsstudien stehen, in denen die langfristige Auswirkung von Medikamenten oder anderen Therapien auf die Demenzentwicklung untersucht wird.

http://archneur.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1757019 |Abstract der Studie in JAMA Neurology
http://www.jhsph.edu/news/news-releases/2013/spira-sleep-alzheimer.html |Pressemitteilung der Bloomberg School of Public Health
http://www.eurekalert.org/pub_releases/2013-10/tjnj-lsa101813.php |Pressemitteilung von JAMA
http://www.blsa.nih.gov |Baltimore Longitudinal Study of Aging © rme/aerzteblatt.de

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