Politik

World Health Summit: Wirtschaftskrise in Europa schadet der Gesundheit

Dienstag, 22. Oktober 2013

Berlin – Mit den negativen Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Gesundheit der Bevölkerung in den am meisten betroffenen Ländern hat sich heute der World Health Summit beschäftigt. „Es gibt starke Belege dafür, dass vor allem arme und vulnerable Bevölkerungsgruppen betroffen sind“, sagte Hans Kluge, Direktor der Abteilung Gesundheitssysteme und Public Health im Regionalbüro Europa der Weltgesund­heitsorganisation (WHO).

Die WHO habe sich seit Beginn der Krise im Jahr 2007 darum bemüht, betroffene Staaten zu unterstützen. Ende November wird die UN-Organisation im Rahmen einer Konferenz zu Gesundheitssystemen im litauischen Vilnius zwei Publikationen veröffent­lichen, die Analysen und Empfehlungen zusammenfassen: die eine beschäftigt sich mit den Folgen der Wirtschaftskrise und deren politischen Implikationen, die andere enthält Beispiele aus den betroffenen Ländern.

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Diese stehen vor enormen Herausforderungen, denn die Schulden- und Wirtschaftskrise – gepaart mit den strengen Sparvorgaben der Troika aus Europäischer Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfond – erfordert tiefe Einschnitte auch im Gesundheitswesen. Vor diesem Hintergrund hat die WHO zehn Empfehlungen abgegeben, die Kluge jetzt in Berlin erläuterte.

Unter anderem fordert die WHO betroffene Länder wie Griechenland oder Portugal auf, langfristige Gesundheitsziele wie den allgemeinen Zugang der Bevölkerung zu medizi­nischer Versorgung nicht kurzfristigen Sparmaßnahmen zu opfern. Um das zu gewähr­leisten sollten Regierungen von direkten Patientenzuzahlungen absehen und stattdessen durch strukturelle Reformen Einsparreserven heben.

Außerdem müssten finanzpolitische Entscheidungen die Folgen für die Gesundheit berücksichtigen. Kluge betonte aber vor allem, dass es an den Gesundheitsministerien liege, Prioritäten zu setzen. „Die Verantwortlichen haben eine Wahl“, erklärte er. „Sie können entscheiden, in welchen Bereichen sie kürzen und in welchen sie investieren.“ Man dürfe überdies nicht vergessen, dass strukturelle Reformen Zeit benötigten. Hier gebe es keine schnellen Lösungen.

Irland ist wie Griechenland und Portugal einer der Krisenstaaten, die unter den euro­päischen Rettungsschirm flüchten mussten. Dort mussten die öffentlichen Ausgaben unter den Sparauflagen der EU zwischen 2009 und 2013 um zwölf Prozent gekürzt werden. Die Gesundheitsausgaben pro Kopf sanken um acht Prozent. „Die Krise hat uns die Gelegenheit gegeben, lange fällige Reformen anzufassen“, erklärte Laura McGarrigle vom irischen Gesundheitsministerium.

Dazu gehörten Ausgabenkürzungen, aber auch grundlegende strukturelle Reformen beispielsweise im Krankenhaussektor. Die Reformpolitik habe gegen große Widerstände und Ängste durchgeführt werden müssen, aber man sei auf einem guten Weg, meinte McGarrigal. „Wir haben es geschafft, trotz massiver Einsparungen unseren nationalen Gesundheitsdienst auf einem qualitativ guten Niveau zu erhalten.“ Der erforderliche strukturelle Wandel sei aber schwierig und nicht über Nacht zu schaffen. © HK/aerzteblatt.de

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