Ärzteschaft

Schmerzgesellschaft fordert mehr Engagement für Patienten

Mittwoch, 23. Oktober 2013

Hamburg – Für eine bessere Versorgung von Patienten mit chronischen Schmer­zen hat die Deutsche Schmerzgesell­schaft mehr Engagement von Bund und Ländern gefordert. „Schmerz hat inzwischen den Charakter einer Volkskrankheit erreicht“, sagte Thomas Tölle, Präsident der Gesellschaft, zu Beginn des Deutschen Schmerz­kongresses in Hamburg. Bis Sonnabend wollen sich auf der Tagung mehr als 2.500 Experten austauschen.

Bis zu zwölf Millionen Menschen in Deutschland plagen sich Tölles Angaben zufolge mit chronischen Beschwerden. Wichtig sei, akute Schmerzen von Anfang an ernst zu nehmen und zu behandeln, um sie nicht chronisch werden zu lassen. „Wir sind überrascht zu sehen, wie wenige und wie kurze Schmerzreize bereits die Struktur des Gehirns ändern können.“

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Am häufigsten seien Schmerzen durch Erkrankungen des Bewegungsapparats, Kopfschmerzen und Nervenschmerzen, aber auch Schmerzen bei Tumoren oder Erkrankungen wie Rheuma. Viele Patienten hangelten sich von Therapeut zu Therapeut, sagte Tölle. In manchen Fällen dauere es Jahre, bevor erstmals eine interdisziplinär koordinierte Behandlung stattfinde.

Tölle plädierte unter anderem für eine noch bessere Versorgung von Patienten mit akuten Schmerzen im Krankenhaus, etwa nach Standard-Operationen. Nur rund 15 Prozent der Kliniken nehmen den Angaben zufolge an speziellen Zertifizierungen zum Schmerzmanagement teil. „Es wäre sinnvoll, ein Deutsches Schmerzregister aufzubauen, um besonders gute Behandlungsstrategien zu erfassen und die Qualität zu verbessern“, sagte Tölle. „Die Menschen brauchen mehr Transparenz, welche Angebote es zur Behandlung bei chronischen Schmerzen gibt.“

Die Deutsche Schmerzgesellschaft hatte 2010 verschiedene Eckpunkte eines „Nationalen Aktionsplans gegen den Schmerz“ vorgestellt. Darin ging es unter anderem um Forschungsförderung, eine bessere Aus- und Weiterbildung für Ärzte sowie darum, mehr Bewusstsein für das Thema Schmerz zu schaffen. Nun sei es an der Zeit, die Aufgaben, die sich die Fachgesellschaft selbst aufgetragen habe, in die Politik zu bringen, damit sie flächendeckend umgesetzt werden könnten, sagte Tölle. © hil/aerzteblatt.de

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