Ausland

Jedes fünfte Mädchen in Entwicklungsländern vor 18. Geburtstag schwanger

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Berlin – Jedes fünfte Mädchen in Entwick­lungsländern wird vor seinem 18. Geburtstag schwanger – das sind 20.000 Mädchen pro Tag. Teenager-Schwanger­schaften seien sowohl eine Folge als auch eine Ursache von Armut, fehlender Bildung und mangelnder Gleichstellung, heißt es im Weltbevölkerungsbericht 2013 des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA), der am Mittwoch vorgestellt wurde. Frühe Schwanger­schaften seien „Ausdruck von Machtlosigkeit, Armut und äußeren Zwängen“.

Von den minderjährigen Müttern in Entwicklungsländern sind dem Bericht zufolge 90 Prozent verheiratet oder leben in festen Beziehungen. Weltweit bekommen dem Bericht zufolge jährlich 13,1 Millionen Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren ein Kind, 95 Prozent davon leben in Entwicklungsländern. In den entwickelten Ländern werden pro Jahr 680.000 Geburten in dieser Altersgruppe verzeichnet, Spitzenreiter sind hier die USA mit rund 330.000 Geburten im Jahr 2011. Von den 7,3 Millionen Mädchen in Entwicklungsländern, die jedes Jahr vor dem 18. Geburtstag Mutter werden, sind laut UNFPA zwei Millionen noch keine 15 Jahre alt.    

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In vielen Fällen wird sexualisierte Gewalt angewendet
„Frühe Schwangerschaften sind Ausdruck von Machtlosigkeit, Armut und äußeren Zwängen – ausgeübt von Partnern, Gleichaltrigen und Gemeinschaften“, heißt es in dem Bericht. „Und in allzu vielen Fällen resultieren sie aus sexualisierter Gewalt.“ Mädchen, die arm sind, nicht zur Schule gehen und auf dem Land leben, sowie Mädchen, die einer ausgegrenzten Gruppe angehören, werden laut UNFPA mit einer höheren Wahr­scheinlichkeit schwanger als Altersgenossinnen, die zur Schule gehen, in der Stadt leben und wohlhabend sind.    

Bildung ist demnach ein wesentlicher Schlüssel zur Verhinderung ungewollter Teenager­schwangerschaften: Je länger Mädchen zur Schule gehen, desto geringer sei die Wahrscheinlichkeit einer frühen Schwangerschaft. Bildung eröffne Zugang zum Arbeitsmarkt und zu einem eigenständigen Leben, stärke das Selbstwertgefühl und den gesellschaftlichen Status. Bildung verringere auch die Wahrscheinlichkeit von Kinderehen, von denen laut UNFPA 16 Prozent aller unter 18-jährigen Mädchen in Entwicklungsländern – außer China – betroffen sind.    

Schwerwiegende gesundheitliche Folgen
Der UN-Bevölkerungsfonds verweist zudem auf die oft schlimmen Folgen einer Teen­ager­schwangerschaft für die Gesundheit. „Je weniger Zeit zwischen dem Einsetzen der Pubertät und der ersten Schwangerschaft liegt, umso größer ist die Gefahr von Gesundheitsproblemen.“ Jedes Jahr sterben in Entwicklungsländern rund 70.000 15- bis 19-jährige Mädchen infolge von Komplikationen in der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Zudem gebe es in dieser Altersgruppe jährlich 3,2 Millionen unsichere Abtreibungen, davon 44 Prozent in Afrika südlich der Sahara.  

Als Konsequenz aus diesen Erkenntnissen fordert UNFPA „breiter basierte Ansätze“ zur Förderung von Mädchen. Es gehe nicht nur darum, die Ursachen von Teenager­schwangerschaften zu bekämpfen, sondern es müsse auch gegen die Marginalisierung von schwangeren Mädchen und jungen Müttern vorgegangen werden. Die Rolle von Jungen und Männern müsse stärker ins Zentrum rücken.  

Nach Angaben von UNFPA lag die Zahl der Heranwachsenden – der zehn- bis 19-Jährigen – im Jahr 2010 weltweit bei 1,2 Milliarden. Das sind 18 Prozent der Weltbevölkerung. 88 Prozent der Heranwachsenden leben in Entwicklungsländern.

© afp/aerzteblatt.de

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