Medizin

ClinicalTrials.gov: Viele Studien werden nie publiziert

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Chapel Hill – Trotz öffentlichen Drucks und der (in den USA gesetzlichen) Verpflichtung zur Registrierung klinischer Studien bleiben die Ergebnisse auch größerer rando­misierter Studien häufig unveröffentlicht, wie eine Analyse der Datenbank ClinicalTrials.gov im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2013; 347: f6104) zeigt.

Das von den US-National Institutes of Health betriebene Portal ClinicalTrials.gov, das Ende Februar 2000 online ging, ist heute die mit Abstand größte Datenbank für klinische Studien. Zu ihren Zielen gehörte es, die Unterschlagung von ungünstigen Studien­ergebnissen zu verhindern, da dies – vor allem in Meta-Analysen, die die Ergebnisse mehrerer Studien zusammenfassen – schnell zu einer Schieflage und Überbewertung von Therapien führt.

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Diese Gefahr ist nicht gebannt, wie Christopher Jones von der University of North Carolina School in Chapel Hill jetzt in einer Studie nachweisen kann. Denn von 585 großen randomisierten Studien mit mindestens 500 Teilnehmern, die bis Anfang 2009 abgeschlossen waren, wurden bisher nur 414 veröffentlicht und das Plateau der von Jones veröffentlichten Kaplan-Meier-Kurve zeigt, dass in den nächsten Jahren vermutlich kaum noch weitere hinzukommen werden.

Der Anteil der nicht-publizierten Studien lag insgesamt bei 29 Prozent (171/585). Wenn 38 Studien abgezogen werden, deren Ergebnisse nur auf ClinicalTrials.gov veröffentlicht wurden, verringert sich der Anteil auf 23 Prozent (133/585). Eine Publikation auf ClinicalTrials.gov ist seit September 2008 möglich. Sie wird als akzeptabel eingestuft, wenn mangels positiver Ergebnisse die Motivation zur Erstellung einer Veröffentlichung fehlt oder kein Journal zur Publikation bereit ist.

Insgesamt 468 der 585 Studien waren von der Industrie gesponsert. Der Anteil der nicht-publizierten Ergebnisse betrug hier 32 Prozent (150/468). Die Industrie machte jedoch häufiger von der Möglichkeit der Ergebnismitteilung auf ClinicalTrials.gov Gebrauch. Am Ende blieben die Ergebnisse von 24 Prozent (112/468) aller industrie-gesponserten Studien unbekannt. Von den nicht gesponstern Studien wurden 18 Prozent (21/117) nicht veröffentlicht. Hier gab es in keinem Fall eine Ergebnismitteilung auf ClinicalTrials.gov, so dass der Anteil der Studien ohne Ergebnismitteilung ebenfalls 18 Prozent (21/117) beträgt.

Jones kritisiert die Nicht-Publikation mit bioethischen Argumenten. Eine viertel Million Menschen seien in klinischen Studien Risiken ausgesetzt gewesen, ohne dass die Gesellschaft als Ganzes durch die Kenntnis der Ergebnisse einen möglichen Nutzen daraus ziehen konnte.

Ärgerlich ist die Unterschlagung von Ergebnissen auch für Meta-Analytiker, die auf eine umfassende, sprich nicht-selektionierte Auswahl von Daten angewiesen sind. Immerhin ist es ihnen dank ClinicalTrials.gov und anderer vergleichbarer Datenbanken heute jedoch möglich, das Ausmaß der Nicht-Publikationen quantitativ zu erfassen und mathematisch in den Ergebnissen der Meta-Analyse zu berücksichtigen. © rme/aerzteblatt.de

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